Gesellschaft / Netzwelt 12.09.09
Text: Konrad Welzel
Interview mit Dirk Hensen, Sprecher der VZ-Netzwerke
Monatelang stritten Facebook und sein deutscher Konkurrent studiVZ. Dank der Zahlung einer unveröffentlichten Geldsumme an Facebook sind die Vorwürfe der Nachahmung nun allerdings abgelegt. Mit back view spricht Dirk Hensen, Leiter der Unternehmenskommunikation der VZ-Netzwerke, über Datenschutz, Religion im Internet und den Sinn von sozialen Netzwerken.
back view: Brandneu ist der Familienname „VZ-Netzwerke". Darunter vereinen sich die bisher nach außen eigenständig wirkenden Netzwerke: studiVZ, schülerVZ und meinVZ. Wo liegt der Nutzen und ändert sich dadurch etwas für die Nutzer?
Dirk Hensen: Das Wichtigste zuerst: Für unsere Nutzer bleibt alles wie gehabt. Es gibt diesbezüglich keine Veränderungen. Mit der Umfirmierung wird nun deutlicher als zuvor, dass zu den VZ-Netzwerken nicht nur studiVZ, sondern auch die erfolgreichen Netzwerke schülerVZ und meinVZ gehören.
Wie wichtig ist die VZ-Familie und ganz speziell studiVZ für die Bundestagswahl? Beteiligen sich am modernen Stammtisch im Internet nicht sowieso nur die politisch Interessierten?
Zu diesen „politisch Interessierten" zählt ein Großteil der VZ-Nutzer. In allen drei VZ's befinden sich derzeit über zehn Millionen Jung- und Erstwähler. Die Möglichkeit, sich genau über Parteien und Abgeordnete sowie deren Ziele informieren zu können und persönlich Fragen an die Politiker richten zu können, hat die Bundestagswahl ins Interesse der Nutzer gerückt.
In Kürze will auch die Kirche mit sogenannten „Edelprofilen" in den VZ-Netzwerken mitmischen. Die Nutzer können dann Fans von den unterschiedlichen Religionen werden. Ein weiterer Schritt hin zum gläsernen Nutzer?
Zunächst muss gesagt werden, dass jeder Nutzer über die Profileinstellungen selbst bestimmen kann, was und wie viel er über sich und sein Privatleben preisgibt, welche Daten und Fotos für wen sichtbar sind. Vom gläsernen Nutzer kann hier also keine Rede sein. Mit den Edelprofilen für religiöse Institutionen wollen wir jungen Gläubigen die Möglichkeit einräumen, aus ihrem religiösen Alltag zu berichten und mit Vorurteilen aufzuräumen, ihrer Religion ein Gesicht zu verleihen und sich untereinander auszutauschen. Wichtig ist die Art und Weise, mit der den jungen Menschen das Thema Religion präsentiert wird.
Eine aktuelle Studie zeigt: 28 Prozent der befragten Unternehmen würden bei der Auswahl der Bewerber gezielt nach Informationen im Internet suchen. Vor allem soziale Netzwerke wie Facebook und studiVZ stehen dabei hoch im Kurs. Wie gefährlich ist ein Profil bei der VZ-Familie für die Karriere der Nutzer?
Ein Profil in einem der VZ-Netzwerke ist nicht gefährlich. Auch hier möchte ich darauf verweisen, dass jeder Nutzer selbst entscheidet, was und wie viel er über sich preisgibt. Wer Daten und Fotos im VZ hoch lädt und diese für alle Nutzer frei zugänglich macht, der muss sich darüber im Klaren sein, dass theoretisch auch Mitarbeiter aus Unternehmen, beziehungsweise Personalchefs über ihre Profile darauf zugreifen und sich über den Nutzer informieren können. Allerdings geben wir unseren Nutzern in unserem Bewerbungsleitfaden Tipps für den richtigen Umgang mit Ihrem Profil während der Bewerbungsphase.
Sind die Daten bei der Konkurrenz leichter zu knacken, als bei studiVZ, schülerVZ oder meinVZ?
Unsere Daten sind sicher! In Suchmaschinen jeglicher Art, zum Beispiel Google, sind sie nicht auffindbar. Bei uns kann niemand auf persönliche Daten zurück greifen, die nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sind. Was die Konkurrenz betrifft, so müssen Sie die schon persönlich fragen.
Seit einigen Wochen gibt es eine kleine, jedoch nicht unerhebliche Änderung in Teilen der VZ-Familie: Wer sich im schülerVZ anmeldet, dessen Profil wird nun per Voreinstellung innerhalb des Netzwerks nicht mehr öffentlich sein. Bei studiVZ und meinVZ muss sich allerdings weiterhin der Nutzer selbst darum kümmern. Warum nicht einheitlich?
SchülerVZ richtet sich ganz klar an eine größtenteils minderjährige Zielgruppe. Sowohl in unserem Sicherheitsversprechen, als auch in den AGB's verpflichten wir uns minderjährige Nutzer durch diese Voreinstellung zu schützen. Was studiVZ und meinVZ betrifft, so handelt es sich hierbei um Netzwerke für junge Menschen, die die Volljährigkeit bereits erreicht haben und somit selbst entscheiden können, welche Daten für „fremde Nutzer" sichtbar sein sollen.
Das Sicherste ist wohl dennoch: Abmelden und die guten alten persönlichen Treffen und Telefonate wieder ausgraben?
Nochmals: Unsere Daten sind sicher und das Thema Datenschutz ist für uns von immenser Wichtigkeit. Fakt ist, die Zukunft liegt ganz klar im Onlinebereich. Die VZ-Netzwerke bilden für ihre Nutzer einen absoluten Mehrwert, sie sind eine Bereicherung. Ingesamt 15 Millionen Nutzer auf den drei VZ-Plattformen bestätigen das.
Im Juni wurde die Plagiatsklage von Facebook gegen studiVZ vor dem Kölner Landesgericht zurückgewiesen. Trotz - wie es heißt - „nicht zu übersehender Übereinstimmungen und Ähnlichkeiten". Vergangene Woche konnte studiVZ den Streit Dank einer unveröffentlichten Zahlung beilegen. Dennoch werden auch bei Ihnen immer mehr Anwendungen eingeführt, die bei Facebook längst Standard sind.
Seit dem 10. September gibt es eine Einigung mit Facebook, damit ist der Rechtsstreit beigelegt.
Konnten Sie sich mit den VZ-Netzwerken durch die wenigen und übersichtlichen Funktionen bisher nicht besonders positiv von Netzwerken wie Facebook abgrenzen? Oder geht es nur darum, die Nutzer möglichst lange im Web zu beschäftigen?
MeinVZ ist mit großem Abstand das soziale Netzwerk in Deutschland mit den zufriedensten Nutzern. Dies geht aus einer Untersuchung vom ‚Kundenmonitor Deutschland' hervor, in der von April bis Juli 2009 mehr als 2 000 Mitglieder sozialer Netzwerke befragt wurden. Ebenfalls zufrieden sind die Mitglieder bei studiVZ. Deutschlands größtes soziales Netzwerk studiVZ/meinVZ liegt damit zusammen vor allen anderen sozialen Netzwerken in Deutschland. Dieses Ergebnis zeigt, dass die VZ-Netzwerke sich sehr deutlich von anderen sozialen Netzwerken abgrenzen und weit mehr sind, als nur eine Beschäftigungstherapie im www. Die Nutzer schätzen die klare und übersichtliche Bedienbarkeit der VZ-Netzwerke.
Wie viele „Freunde" in sozialen Netzwerken wie studiVZ, schülerVZ oder meinVZ sind ihrer Meinung nach gesund? Muss ich mir mit 500 Freunden Sorgen über mein Sozialleben machen - oder andererseits, wenn ich weniger als 200 Netzwerkkontakte habe?
Mit den Freunden in sozialen Netzwerken ist das wie im realen Leben auch. Manch ein Nutzer hat nur sehr wenige, dafür aber ausgewählte Freundschaften. Bei anderen geht Quantität vor Qualität. Alles in Allem eine Frage, die jeder Nutzer für sich selbst beantworten muss. Grund zur Beunruhigung besteht in jedem Fall nicht. Vielmehr bildet sich das reale Leben online ab. Im VZ verabreden sich Nutzer beispielsweise zu Treffen oder Parties, die im realen Leben stattfinden. Online erfolgt dann wieder die Auswertung über Nachrichten, Pinnwandeinträge oder hochgeladene Fotos.
Wie unterbinden Sie in der VZ-Familie die Gefahren des Cybermobbings? Gibt es Frühwarnsysteme?
Mobbing, Verleumdung und rechtswidrige Inhalte sind selbstverständlich nicht in unserem Interesse. Das steht eindeutig in unseren AGB und unserem Verhaltenskodex, dem jeder Nutzer bei der Anmeldung zustimmen muss. Gleich an erster Stelle des Kodex weisen wir deutlich auf die unbedingte Notwendigkeit eines fairen und respektvollen Umgangs hin und machen uns darüber hinaus mit unterschiedlichen Aktionen und Projekten dafür stark. Werden wir auf Personen aufmerksam gemacht, die diese Regeln nicht achten, überprüfen wir den Fall und löschen gegebenenfalls das Profil.
Herr Hensen, vielen Dank für das Gespräch.
(Interview: Konrad Welzel / Fotos: Screenshoot und Dirk Hensen)
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