Gesellschaft / Meinungen 10.08.10
Text: Anna Franz
Umfrage zum Titelthema „Geschlechterrollen"
Michael, 23, studiert BWL im 2. Semester:
„Die Rollenverteilung zwischen Mann und Frau gab's doch schon immer. Die Frau hat immer noch den größeren Anteil im Haushalt, deswegen macht der Mann immer noch die technischen Sachen, das Klassische halt. Meiner Meinung nach besteht sie zwar nicht mehr so ausgeprägt wie früher, aber immer noch. Eine Sache, die man als Frau nicht tun sollte, ist Autofahren... Nein, Spaß. Aber Männer sollten definitiv nicht bügeln."
Jessica, 24, studiert Englisch und Deutsch auf Lehramt im 8. Semester:
„Es gibt auf jeden Fall noch starke Geschlechterunterschiede: Männer kochen sehr selten, aber andererseits gibt es auf professioneller Ebene mehr männliche Köche als weibliche. Meine Freundin ist Rechtsanwältin und bekommt weniger Geld als ihre männlichen Kollegen, das müsste sich meiner Meinung nach ändern. Wir sind aber schon auf einem guten Weg!"
Ljiljana, 23, studiert Kulturwissenschaft im 4. Semester:
„Ich glaube an eine platonische Freundschaft zwischen Mann und Frau! Ich habe sowas zwar noch nicht selbst erlebt, aber ich kann mir vorstellen, dass das funktioniert. Wenn zum Beispiel einer von beiden in einer Beziehung ist, dann sind ja sowieso die Verhältnisse geklärt."
Omer, 35, studiert Romanistik:
„Ich denke, dass kein Mensch von Natur aus eine bestimmte Rolle hat... außer vielleicht, was die Sexualität angeht. Frauen können Kinder bekommen, Männer nicht. Die spezifische Aufgabenverteilung ist kulturell geprägt. Im traditionellen Afrika zum Beispiel, bleibt die Frau in der Küche und im Haus, kümmert sich um die Erziehung der jungen Mädchen und kocht das Essen. Der Mann ist eher der „Supervisor", der Chef. Er bestimmt das Gesetz, das zu Hause herrscht. Die heutige Gesellschaft wird allerdings egalitärer. Es gibt die gleichen Rechte und Aufgaben für Männer und Frauen."
Margaux, 24, Doktorantin Interkulturelle Kommunikation, aus Bordeaux:
„Meiner Meinung nach gibt es keine spezielle Rolle für Mann und Frau. Generell denke ich, dass man in unserer Gesellschaft in der Lage ist, die gleichen Sachen zu tun und zu lassen, ob Politik oder Wirtschaft oder allgemein. Persönlich bin ich auch so erzogen worden, dass Männer und Frauen die gleichen Rechte haben. Was die ungleiche Bezahlung angeht, weiß ich, dass es zum Beispiel in Frankreich die Frauen für den gleichen Job 30 Prozent weniger Lohn bekommen. Damit bin ich überhaupt nicht einverstanden. Da liegt es jetzt an unserer Generation, etwas zu ändern."
Christin, 21, studiert vergleichende Sprach- und Literaturwissenschaft im 4. Semester:
„Es gibt natürlich Geschlechterrollen für Mann und Frau. Das ist von der Gesellschaft schon so festgelegt. Die Emanzipation hat zwar versucht, etwas dagegen zu tun, und es ist auch schon besser geworden, aber es ist immer noch so, dass Frauen bestimmte Aufgaben und Eigenschaften zugeordnet werden und Männern genauso."
(Umfrage und Fotos: Anna Franz / Zeichnungen: Christina Koormann)
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