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Gesellschaft / Meinungen 18.02.09

Contra Karneval

Text: Sina Mühling

Ein Kommentar gegen die fünfte Jahreszeit
Ich erinnere mich noch an Fasching in meinen Grundschultagen und jeder Gedanke daran ist ein Graus. Selbst schon als Kind habe ich Karneval nicht gemocht und dabei komme ich aus der faschingsuntypischen Gegend Berlin. Jedes Jahr ein neues Kostüm, das nicht richtig saß und man sich wie der unübertrefflichste Depp vorkam. Zum Glück konnte ich die Grundschulzeit samt dem Verkleidungszwang vor langer Zeit hinter mich lassen. Doch mit dem Umzug der Politiker aus dem Rheinland in die Hauptstadt brachten sie die fünfte Jahreszeit mit sich und damit auch Umzüge, Helau und Alaaf! Überall betrunkene und pöbelnde Massen, die schunkelnderweise durch die Straßen torkeln und meinen, alle mit ihrer anstrengenden guten Laune anstecken zu müssen. Dabei bringt man doch nur Stunden in Massen bei den Umzügen zu und muss fürchten von Kamellen erschlagen zu werden. Jeder verkleidet sich in unbequemen und kratzenden Kostümen und findet sich unheimlich komisch. Dabei sieht man aus wie der letzte Idiot und fühlt sich nur deswegen sicher, weil es garantiert jemanden gibt der noch blöder aussieht.
Karnevalshits werden gegrölt, sodass es nicht nur in den Ohren, sondern dank ihrer intelligenten Texte auch dem Gehirn wehtut. Den meisten Inhalt dieser Schunkelmusik versteht man glücklicherweise durch den starken Dialekt nicht, aber Hauptsache man kann im Takt mitklatschen. Das Abschneiden von Krawatten wird wohl traurigerweise als Urform der Emanzipation in die Geschichte eingehen. In einem Forum einer wohlbekannten Frauenzeitschrift kann man lesen, dass dieser Brauch als „symbolische Kastration" angesehen wird. Unter der Gleichstellung der Geschlechter habe ich mir wahrlich etwas anderes vorgestellt.

Der ganze Sinn dieser fünften Jahreszeit kann sich mir einfach nicht erschließen. Wozu verkleidet man sich? Ist das ein geheimer Wunsch einmal anders zu sein? Braucht man ein Datum um sich kollektiv betrinken zu dürfen? Der ursprüngliche Sinn, den Beginn der Fastenzeit zu zelebrieren, ist doch eigentlich durch das hemmungslose Feiern mit unverhältnismäßigem Alkoholgenuss vollkommen in Vergessenheit geraten. Wer fastet heutzutage denn noch, und zwar nicht als Frühjahrsdiät, sondern aus religiösen Gründen? Ich will nicht bestreiten, dass es diese Menschen gibt. Die Mehrheit der Jecken jedoch feiert die Karnevalszeit aus anderen Gründen.

(Text: Sina Mühling)

Kommentare

avatar AntiKarneval
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Wow, du sprichst mir aus der Seele!!!
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