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Gesellschaft / Meinungen 18.02.09

Pro Karneval

Text: Miriam Keilbach

Ein Kommentar für die fünfte Jahreszeit
Es ist dieses ganz bestimmte Flair. Eine ganz bestimmte Atmosphäre, die nur einmal im Jahr zustande kommen kann. Weil es eine ganz besondere Zeit ist. Ich fiebere der Faschingszeit seit Wochen entgegen. Es gibt keine bessere Party als die Faschingswoche.

Es ist die Ausgelassenheit, die Menschen auf Faschingspartys ausmacht. Man darf ungehemmt eine Woche lang bis morgens um sieben oder acht feiern gehen. Man darf eine Woche in eine andere Rolle schlüpfen und alkoholisiert durch die Straßen wandern. In meinem Heimatdorf, in dem die fünfte Jahreszeit noch groß geschrieben wird, geht kaum jemand arbeiten. Nur der Bäcker und die Frau an der Supermarktkasse müssen das Partyvolk mit Lebensmitteln versorgen. Bei uns herrscht Ausnahmezustand.
Für eine Woche gibt es keine schlechten Nachrichten und man kann die Sorgen des vergangenen Jahres vergessen. Ausblenden, an nichts denken und einfach nur Spaß haben. Es gibt keine Welt außerhalb unserer bunten glitzernden Fröhlichkeit. Schon Anfang Januar finden Maskenbälle statt. Der Umzug in unserem Dorf, immer sonntags vor Altweiberfastnacht, zieht viele Besucher an und läutet die fünfte Jahreszeit ein.

Schon als Kind habe ich mich gerne verkleidet und zur Faschingszeit darf ich sein, wer ich will. Ob edel, hübsch, sportlich, altmodisch oder gruselig. Ob Cowboy, Indianer, Prinzessin oder Pirat. Ich kann mich so verkleiden, wie ich mich gerade fühle und muss nichts von mir preisgeben, obwohl ich so offen sein kann.
Zur Faschingszeit lernt man immer viele Menschen kennen. Das bringt diese Zeit automatisch mit sich: Wer sich in diesen Tagen auf die Straße traut, will mitfeiern. Wie eine große Familie. Man ist offenherziger und umgänglicher. Der Kontakt hält zwar nur für diesen einen Abend, aber es sind immer wieder interessante Persönlichkeiten.

Neben den neuen Leuten trifft man auch all seine alten Bekannten und Schulfreunde wieder. Denn in dieser Woche ist einfach das ganze Dorf unterwegs und alle treffen sich in den üblichen Kneipen und in der zum Partyzelt umfunktionierten Sporthalle. Leute, die man für gewöhnlich nicht zu Gesicht bekommt, sieht man an der Bar und kann sich locker unterhalten. Oder zu „Cowboy und Indianer" tanzen gehen.

(Text: Miriam Keilbach)

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