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Sport / Fußball 24.01.09

"Hertha BSC ist mein Verein und Berlin ist meine Stadt."

Text: Miriam Keilbach

altDer Kapitän der Hauptstadtkicker, Arne Friedrich, im Interview mit back view
Neben Spitzenreiter TSG Hoffenheim sorgte noch ein weiteres Team in der Hinrunde der Fußball-Bundesliga für Furore. Hertha BSC steht mit nur zwei Punkten Rückstand auf die Spitze hinter der TSG und dem FC Bayern auf dem dritten Platz. Eine Woche vor Beginn der Rückrunde spricht Kapitän Arne Friedrich mit back view über seinen Verein und die Rolle des Kapitäns.

back view: Platz drei hinter Bayern und Hoffenheim. Was macht die Hertha in der Hinrunde so stark?
Arne Friedrich: Es ist die Kombination aus Teamgeist, guter Organisation und taktischer Disziplin, die dazu geführt hat, dass wir die Hinrunde auf Platz drei abgeschlossen haben.

Sie sind Kapitän bei Hertha. Haben Sie mehr Arbeit als Spieler und welche Aufgaben hat ein Kapitän?
Die Arbeit als Kapitän ist eher leichter geworden, weil die jungen Spieler sehr lernwillig sind und die älteren Spieler einen guten Charakter haben. Die Arbeit als Spieler bleibt immer gleich, weil jeder trainieren und spielen muss.

Was zeichnet einen Kapitän aus?
Ein Kapitän sollte das Bindeglied zwischen dem Trainerteam und der Mannschaft sein. Auch innerhalb der Mannschaft muss er Dinge regeln und manchmal auch unangenehme Entscheidungen treffen. Auf dem Spielfeld sollte er, wenn es um taktische Anweisungen geht, der verlängerte Arm des Trainers sein. Manchmal ist ein Kapitän auch als Diplomat gefordert, der grundsätzlich mit gutem Beispiel vorangehen sollte.

Um die Kapitänsbinde wird immer viel Wirbel gemacht, in den Medien werden solche Entscheidungen kommentiert. Wird die Rolle des Kapitäns überschätzt?
Sie haben es schon richtig gesagt, dass die Medien bei diesem Thema den größten Wirbel machen. Ich interpretiere die Rolle des Kapitäns so, wie ich es für richtig halte, und niemand im Verein über- oder unterschätzt diese Rolle.

altIn den Medien war zu lesen, dass Jürgen Klinsmann beim FC Bayern München den Acht-Stunden-Tag eingeführt hat. Wie darf man sich den Alltag eines Fußballers vorstellen?
Die Hauptaufgabe eines Fußballers besteht darin, zu trainieren und zu spielen. Dazwischen muss sich ein Profi sehr gut ernähren und viel schlafen. Darüber hinaus stehen PR- oder Interviewtermine auf dem Programm. Allerdings muss ich zugeben, dass es auch viel Freizeit gibt.

Man hört oft von Klauseln in Verträgen. Durften Sie diesen Winter Skifahren?
Ich dürfte Skifahren, weiß aber auch, dass die Verletzungsgefahr sehr groß ist und deswegen verzichte ich darauf.

Sie üben einen Beruf aus, der wenig Raum für Spontanität bietet. Vermissen Sie es manchmal, nicht einfach einmal ein paar Tage wegfahren zu können?
Natürlich würde ich auch gerne mal spontan ein Wochenende wegfahren, aber ich habe mich für den Beruf des Profi-Fußballers entschieden, der ja auch viele andere Vorzüge mit sich bringt.

Seit der Jugend haben Sie keinen Titel geholt. Wie heiß sind sie darauf?
Sehr heiß, wie man sich denken kann.

Braucht man als Topfußballer einen Titel in seiner Karriere?
Das ist Ansichtssache. Einen Titel zu gewinnen, ist immer schön, aber ich kann bislang auf eine sehr ordentliche Karriere zurückblicken und diese Karriere ist ja auch noch nicht zu Ende.

Bei der diesjährigen Europameisterschaft schrieb man über Sie, dass man erst merkt, was man an Ihnen hat, wenn Sie fehlen. Ist das ein Kompliment oder eher die Aufforderung, präsenter und aggressiver zu spielen?
Mir ist wichtig, was der Bundestrainer über mich denkt und zu mir sagt. Was andere über mich schreiben, interessiert mich nicht wirklich. Ich versuche auf dem Platz immer alles zu geben.

Ist es als Abwehrspieler nicht generell schwer? Spielen Sie gut, merkt es keiner und spielen Sie schlecht, fallen in der Bild Spitznamen wie "Prinz Schnarch"?
Auch wenn ich mich wiederhole, aber es interessiert mich nicht, was über mich geschrieben wird. Ich glaube schon, dass Fachleute merken, wenn ein Abwehrspieler gut spielt.

Christoph Metzelder meinte im Rahmen der EM, sie sollten mal im Ausland spielen. Nun haben Sie gerade mit Hertha bis 2012 verlängert. Reizt Sie  das Ausland nicht?
Hertha BSC ist mein Verein und Berlin meine Stadt.


Die Hertha-Fans werden es Ihnen danken. Und back view bedankt sich für das Interview und wünscht viel Erfolg zu Beginn der Rückrunde am 31. Januar.

(Interview und Fotos: Miriam Keilbach)

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