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Gesellschaft / Menschen 13.07.10

"Die Zigarette zwischendurch"

Text: Kristin Heck

tt_back_viewEine Glosse über das Gelegenheitsrauchen
Es ist heiß draußen - bestimmt 35 Grad. Auch hier drinnen ist es nicht kühler, eher wärmer. Ich kann mich schon seit fast einer Viertelstunde nicht mehr konzentrieren und male Kreisgebilde auf meinen Block - ich habe Lust auf eine Zigarette!


Eigentlich bin ich Nichtraucherin, Gelegenheitsraucherin, Stressraucherin... Raucherin?! Fakt ist, ich rauche so gut wie nie. Doch seit zwei Wochen regt sich wieder die Lust in mir auf den blauen Dunst und ich weiß, die Prüfungszeit beginnt. Vielleicht geht es ja dieses Jahr ohne, denke ich und verweigere erst einmal den Kauf einer Schachtel. Kaum sitze ich in der Bibliothek und sehe, wie sich die ersten Leute zu einer Pause erheben, die in Zigarettenlängen gemessen wird. Ich will auch. Aber nein, denke ich, konzentrier dich, Rauchen ist nicht gesund und du brauchst das nicht. Welch unüberzeugende Darstellung des Selbstüberzeugens.

Nun steht meine Kommilitonin auf und sagt: „Ich gehe mal eine rauchen - kommst mit?" Ein breites Grinsen ziert ihr Gesicht, sie kennt mich. Ich hadere noch einen Moment mit mir selbst und nicke dann. Draußen angekommen, ein wehmütiger Blick zu meinem Tisch, wo ich jetzt sitzen sollte und dann drehe ich mir eine Zigarette. Ja, ich drehe sogar selbst, obwohl ich es, gelinde gesagt, nicht kann, doch meine Pause verlängert sich dadurch um gefühlte fünf Minuten. Das Aufflammen des Feuerzeugs läutet dann das rituelle Ziehen am Glimmstängel ein - der erste Zug - es schmeckt nicht.
Warum also diese Art der „Selbstkasteiung"? Zu welchem Sinn und Zweck?

Es beruhigt. Nicht das Nikotin, nicht der Teer, der sich wie ein dunkler Teppich auf meine Lungen legt, sondern das Drehen und Ziehen und Ausatmen selbst. Es sind die einzigen Pausen, die man während der stressigen Prüfungszeit hat, neben der Mittagspause. Würde ich jedes Mal essen wenn ich Pause machen will, wäre ich fett - würde ich keine Pause machen, wäre ich am Ende des Tages geistig in einem pränatalen Zustand und wirklich lernen tut es sich in jenem auch nicht gut. Also unterwerfe ich mich dem „Genuss" einer Zigaretten-Pause, Fluppe in der einen Hand, Kaffee in der anderen und meine Gedanken sind ein paar Minuten nicht bei der Klausur, die es in wenigen Tagen zu schreiben gilt. Außerdem weiß ich, ist die letzte Klausur erstmal geschrieben, dann können sich meine Lungen auch wieder ein ganzes Semester erholen.


(Text: Kristin Heck)

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