Gesellschaft / Menschen 14.07.10
Text: Miriam Keilbach
Ich weiß, dass es ungewöhnlich ist. Normalerweise kommt man irgendwann in die Phase, in der das Rauchen neugierig macht. Die Phase, in der man es einfach ausprobieren will. Cool sein will. Mitreden will. Die Phase kam bei mir nie. Ich habe viel darüber nachgedacht, warum ich diese Zeit wohl ausgelassen habe. Und ich glaube, es hat zwei Gründe.
Meine Eltern rauchen. Und sie haben überall geraucht. Nicht nur im Wohnzimmer und im Badezimmer, auch in meinem Kinderzimmer. Damals stand die Spielekonsole in meinem Kinderzimmer und immer, wenn sich jemand dahin verirrt hat, um zu zocken, wurde dabei geraucht.
Außerdem hatte ich nicht den Druck von Freunden, denn ich war in keiner Clique, in der alle geraucht haben. Ganz im Gegenteil: Meine beste Freundin hat wie ich noch nie an einer Zigarette gezogen. Wir waren gern feiern und ja, wir haben auch Alkohol getrunken. Aber der Rauch, der hat uns nie gereizt.
Was ich in Deutschland und meinem Zuhause nicht hatte, nämlich frische Luft, habe ich erst gemerkt, als ich nach Norwegen gezogen bin. Dort ist das Rauchen nicht weit verbreitet. Ich lebte in einem Haus, in dem noch nie geraucht wurde und ich war in Bars, Kneipen und Discos (Ja, die haben das alle überlebt, im Gegensatz zu dem befürchteten Massensterben der Unterhaltungsbranche in Bayern), in denen keiner rauchen durfte.
Im Sprachkurs mussten wir uns zu Beginn vorstellen. Als ich sagte, ich käme aus Deutschland, sagte ein Peruaner: „Das ist das Land, in dem man auf der Autobahn so schnell fahren kann, wie man will." Und ein Chilene sagte: „Das ist Land, in dem man bei Mc Donalds rauchen darf." Deutschland hat eine ausgeprägte Rauchkultur. Das wusste auch ich. Aber mir war nicht klar, dass das Rauchen in öffentlichen Einrichtungen so von Ausländern wahrgenommen wird. Vielleicht, weil ich mich selbst bis dahin nie gefragt hatte, wie es ohne den ständigen Qualm wäre.
Inzwischen weiß ich, wie es ohne Qualm ist. In meiner Wohnung wird nicht geraucht. Ich reagiere sogar allergisch auf das Passivrauchen. Raucht jemand in meiner Umgebung, fange ich mit dem Husten an. Obwohl ich nie geraucht habe - meine Umwelt aber schon. Oft werde ich gefragt, ob ich nicht das Gefühl habe, ich hätte etwas verpasst. Die Zeit, in der man als Teenie rebelliert und nur das tut, was die Eltern nicht wollen. Vielleicht fand ich rauchen einfach uncool, weil meine Eltern rauchten und sie es mir nur schwer hätten verbieten können - denn sie waren in dieser Hinsicht kein Vorbild.
Ich weiß, dass ich nichts verpasst habe - warum auch? Warum muss ich etwas probiert haben, das süchtig und abhängig macht und, das meinem Körper schadet? Ich habe auch ohne das Rauchen genug Laster. Und das Geld spare ich mir lieber, dafür hatte ich im Alter von 18 Jahren schon ein Auto - im Gegensatz zu meinen rauchenden Freunden.
(Text: Miriam Keilbach)
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Der amerikanische Blick auf Europa |
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