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Gesellschaft / Brennpunkte 24.03.10

Homosexualität ist immer noch nicht erwünscht!

Text: anonym

homo_teasertt_back_viewDie Rolle der Homosexualität in der Kirche
In der aktuellen Berichterstattung verläuft die Grenze zwischen Pädophilie und Homosexualität meist fließend. Ein Fehler. Allerdings wird die Problematik, Homosexualität und christlichen Glauben unter einen Hut zu bringen, in der Öffentlichkeit kaum behandelt. back view blickt auf die Hintergründe.


Der Missbrauchsskandal innerhalb der katholischen Kirche zeigt aktuell, inwieweit unter anderem das aufgezwungene Zölibat neben seiner Realitätsferne auch schnell gefährlich werden kann. Nämlich dann, wenn sich Geistliche Priester und andere Funktionäre der Kirche hinter Klostermauern an Schutzbefohlenen vergreifen, um den eigenen Verstoß gegen einen gepredigten abstinenten Lebensweg möglichst unsichtbar zu vollziehen. Neben diesen widerwärtigen Skandalen bleibt jedoch ein Aspekt der kirchlichen Auslegung von Sexualität meist unbeachtet: der Umgang mit Homosexualität innerhalb der Kirche. Während in aktuellen Mediendiskursen die Grenze zwischen Pädophilie und Homosexualität fälschlicher Weise meist fließend dargestellt wird, ist es wichtig, auf die Hintergründe dessen zu blicken.
Eines vorab: Vom weinenden Auge bis hin zum hysterischen Lachen über abstruse Argumentationen, weshalb Homosexuelle neben dem Ende der Menschheit auch für Naturkatastrophen verantwortlich sind, wird dem werten Leser im Folgenden ein Cocktail an kirchlichen Emotionen serviert.

Warum Homosexuelle verantwortlich für Naturkatastrophen sind?
Die Repräsentanten der katholischen Kirche berufen sich bei ihrer Homosexuellenpolitik auf den Sinn der Ehe, neues Leben zu schaffen. Sexualität ist also zum Ersten nur innerhalb einer heterosexuellen Ehegemeinschaft legitim und auch dann nur, wenn das Ziel des Aktes eine Schwangerschaft ist. Homosexualität wird bis heute im Abschnitt 2358 des Katechismus als eine abnormale Tendenz dargestellt, die für die Betroffenen eine Prüfung symbolisiert. Diese Prüfung sei zu überwinden, um im Anschluss wieder ein Leben nach dem Willen Gottes zu führen. Interessant ist, dass der Katechismus der katholischen Kirche Glaubensbrüder und -schwestern der homosexuellen Christen dazu auffordert, ihnen mit Achtung, Mitleid und Takt zu begegnen.
In Bezug auf die Priesterweihe und überhaupt ein offenes Leben in Institutionen der katholischen Kirche heißt das: Homosexuelle, bitte raus. Allerdings lässt der „gute" Papst Benedikt, dass Menschen, deren Homosexualität „bloß Ausdruck eines vorübergehenden Problems, wie etwa eine noch nicht abgeschlossene Adoleszenz ist", durchaus zur Priesterweihe zu. Voraussetzung ist dabei allerdings, dass diese homosexuellen Tendenzen „wenigstens drei Jahre vor der Diakonenweihe eindeutig überwunden sein" müssen. Falls nicht, droht Unheil: Gerhard Maria Wagner, römisch-katholischer Pfarrer in Windischgarsten, der 2009 fast Weihbischof in Bistum Linz wurde, stellte in seinem Pfarrbrief als Grund für den Hurrikan Katrina 2005 in New Orleans und die etwa 1.800 Todesopfer „geistige Umweltverschmutzung" in den Raum und verwies unter anderem darauf, dass zwei Tage später im French Quarter ein Gay Pride stattfinden hätte sollen.
Fazit: zumindest homosexuelle Christen können ihre abnormalen Tendenzen als eine Prüfung interpretieren; alle anderen sind leider verloren. Auch gibt es ein absolutes NEIN für die Gleichstellung homosexueller Lebensgemeinschaften, da dort nicht zielgerichtet auf eine Schwangerschaft hingearbeitet werden kann. Rein aus dem Argumentationsaufbau bleibt die Frage, wie das bei heterosexuellen Ehen gehandhabt wird, die aus biologischen oder anderen Gründen ebenfalls keine Kinder Gottes schaffen.
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Von Verbannung bis totaler Akzeptanz - Die protestantischen Kirchen
Da in den protestantischen Kirchen - anders als in der katholischen Kirche - keine oberste Autorität, sondern lediglich die Bibel den Grundstein des Glaubens bildet, gibt es viele unterschiedliche Auslegungen zum Thema Homosexualität. Baptistische Kirchen verurteilen Homosexualität meist noch schärfer als die katholische Kirche, evangelische Freikirchen lehnen Homosexualität prinzipiell ab, lassen aber eine Art Schweigeabkommen zu: Solange die betroffene Person ihre Sexualität geheim hält und nichts Schwules bzw. Lesbisches zu sehen und zu hören ist, wird er oder sie zumindest offiziell geduldet.
Die Evangelische Kirche Deutschland, die zumindest für unsere deutschen Leser wohl die interessanteste Institution ist, überrascht mit einem lobenswerten offenen Umgang. Allerdings variiert diese Offenheit zwischen den jeweiligen Landeskirchen sehr stark: So kann man in Bayern noch Arbeitsverträge finden, in denen das Outing eines Mitarbeiters bzw. einer Mitarbeiterin zur fristlosen Kündigung führt (beispielsweise in KiTas oder anderen sozialen Einrichtungen mit kirchlicher Trägerschaft), wohingegen ein homosexueller Pastor in Bremen mit seinem standesamtlich liierten Partner gemeinsam im Pfarrhaus wohnen kann und besoldungsrechtlich einem heterosexuellen Ehemann gleichgestellt ist. Meist hängt es in evangelischen Kirchen vom Ortspastor bzw. der Ortspastorin ab, ab eine homosexuelle Lebenspartnerschaft auch den kirchlichen Segen erhält, allerdings gibt es nach wie vor Landeskirchen, die eine öffentliche Segnung nicht anbieten. Insgesamt gesehen ist das Verhalten der protestantischen Kirche jedoch auch weltweit vergleichsweise offen: So wurde 2009 in Schweden die erste lesbische Frau zur Bischöfin gewählt und die Generalsynode der United Church of Christ sprach sich schon 2005 in Atlanta dafür aus, homosexuellen Lebenspartnerschaften das Recht auf Heirat und Segnung innerhalb der Kirche zu ermöglichen.
Fazit: Zwar kommt es ein wenig auf den Wohnort an, aber zumindest die großen protestantischen Kirchen verstehen Homosexualität als absolut legitim und gleichberechtigt.

Dieser Aspekt des grundlegenden Umgangs mit Homosexualität darf bei der gesamten Diskussion über die Missbrauchsfälle innerhalb der katholischen Kirche deshalb nicht außer Acht gelassen werden. Als Schlusswort bleibt also nur der Appell an alle „Brüder und Schwestern" - ob jetzt im christlichen oder aber flapsigen Gay-Pride-Jargon: Fight for your right - Nächstenliebe für alle!

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(Text: anonym / Foto: Ruben Elstner by jugendfotos.de)

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