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Gesellschaft / Meinungen 24.03.10

"Der Mensch ist ein Wesen, das Liebe braucht"

Text: Anna Franz

backview-teasertt_back_viewUmfrage zum Titelthema „Krise unterm Kreuz?"
Der Papst wollte sich lange nicht dazu äußern. Die Medien dafür umso mehr. Und ihr hattet auch jede Menge dazu zu sagen. Der Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche sorgte auch in der Münsterschen Fußgängerzone für Aufregung.


betina
Betina, 24, studiert Erziehungswissenschaften und Soziologie im 9. und 4. Semester:
„Der Missbrauch in der katholischen Kirche ist ja letztlich nichts Neues. Es ging ja schon immer mal wieder durch die Medien. Ich bin auch katholisch, aber was soll ich sagen? Für die Opfer war es ja schrecklich, weil es den Missbrauch ja angeblich nie geben durfte, deshalb finde ich es gut, dass es publik gemacht wird. Vielleicht kann dieser Skandal ja auch etwas aufrütteln, dass das Zölibat vielleicht doch nicht so optimal ist. Die katholische Kirche ist eh dem Untergang geweiht ist, meines Erachtens nach. Der Mitgliederschwund ist ja vorhanden."


harry_maria
Harry, 28, arbeitet an der Uni und Maria, 26, Lehrerin:
„Was soll man dazu sagen? Es ist schlimm. Es muss mal zur Sprache gebracht werden, aber die Kirche wird nicht daraus lernen."







iris
Iris, 21, studiert Englisch und Sozialwissenschaften auf Lehramt:
„Die ganze Sache ist nicht genug aufgearbeitet worden. Die Opfer kommen viel zu kurz, das sind traumatisierte Menschen, die schreckliche Erfahrungen gemacht haben, und die nicht ernst genommen werden. Und jetzt, 40 Jahre später wird da mal angefangen, irgendwie vielleicht ein bisschen was aufzuklären, was aber strafrechtlich nicht mehr verfolgt werden kann. Dass die katholische Kirche sich nicht mal vernünftig dazu äußern kann, finde ich furchtbar. Ich hoffe, dass die Kirche daraus lernt, bin aber skeptisch."


Ali, 21, Industriekaufmann:
„Unkorrekt, ne? Man macht das nicht an Kindern, wer seine Triebe nicht zurückhalten kann, geht in einen Puff oder so. Man sollte die Leute besser auswählen, bevor man sie zu Pfarrern macht, wie bei Bewerbungen."

annaAnna, 21, studiert evangelische Theologie auf Pfarramt im 6. Semester:
„Ich habe den Skandal aus eigenem Interesse verfolgt, weil ich Theologie studiere, allerdings evangelische. Der ganze Missbrauchsskandal ist ja eigentlich sowas von bekannt gewesen, dass ich es eine Unverschämtheit finde, dass die katholische Kirche es noch so lange geschafft hat, ihn unter den Teppich zu kehren. Es ist ja ein offenes Geheimnis, dass es zum Beispiel diese Kassen gibt für Priesterkinder. Für bis zu drei Kindern bekommen die Priester Geld dazu. Man kann die Kirche als Wertevermittler auch nicht mehr ernst nehmen, da sie ihre eigenen Werte ja nicht beachtet. Ich finde, dass das Zölibat überhaupt nicht nötig ist, um einen respektablen Pfarrer vor mir zu haben. Der Mensch ist ein Wesen, das Liebe braucht und wenn es sie nicht regelmäßig bekommt, holt es sie sich irgendwann auf brutale Weise."
backview-umfrage-anna

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(Umfrage und Fotos: Anna Franz / Zeichnung: Christina Koormann)

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