Gesellschaft / Netzwelt 10.03.10
Text: Wiebke Meeder
Die Welt der Partnersuche hat sich von den klassischen Tanzkursromanzen und Autoscootern als Sammelbecken paarungwilliger Großstädter und Kleindörfler ab- und dem World-Wide-Web zugewandt. Jedenfalls scheint es so, wenn in jedem zweiten Werbeblock Händchen haltende Singles Ende 20 mit Poloshirt und Segelschuhen nebst Wind im Haar über den Logos von elitepartner.de, parship.de und Konsorten um die Wette Süßholz raspeln. Für welchen Haufen Späne sich das Publikum im Rahmen der nächsten Partnersuche entscheidet, hängt allein von den persönlichen Präferenzen hab: Darf der oder die Nächste eine Universität besucht haben und über ausreichend finanzielle Sicherheit verfügen? Dann ist bestimmt elitepartner.de die richtige Wahl, denn nach eigener Aussage trifft man dort auf „Singles mit Niveau!". Niveau ist bekanntlich nicht immer gut und keine Hautcreme und offenbar einer der Hauptanforderungspunkte bei der Partnersuche.
So beschloss Juli, die angepriesene Plattform mal auszuprobieren. Wie elitär man sich schon während des Psychotests fühlt, der ungefähr eine Dreiviertelstunde dauert und die sogenannten „Matching-Points" bestimmt! Die „Matching-Points" sind ein essentieller Bestandteil eines jeden Dating-Portals, stellen sie doch die Basis für spätere Partnervorschläge dar. Die im Psychotest erlangten Ergebnisse werden in Punkte umgerechnet, die bestimmten Bereichen der Beziehung - wie gewünschte emotionale Nähe, Interessen, Zukunftsplanung - zugeordnet werden. Diese Punkteverteilung wird dann während der Suche nach passenden Partnern in das System der jeweiligen Plattform eingespeist. Sofort erscheinen die potentiellen Kandidaten, mit denen man die meisten „Matching-Points" hat, auf dem Bildschirm - bereit, angeschrieben zu werden. In Juli`s Fall wies ein 35-jähriger Arzt die meisten „Matching-Points" auf. Also -klick- auf´s Profil. Enttäuschung. Elitepartner.de erlaubt nämlich nur seinen Premium-Mitgliedern, die Fotos der Kandidaten unverzerrt zu sehen, ebenfalls können nur diese VIPs direkte Nachrichten an die Auserwählten schreiben. Einfachen Mitgliedern wie Juli bleibt da nur die Möglichkeit, einen „Gruß" zu schicken, der aus einer vorgefertigten Standardnachricht besteht. Nun gut, besser als nichts - und fort ist der Gruß. Der vielversprechende Mediziner jedenfalls antwortete mit einer persönlichen Nachricht; es wurde also interessant! Blöd nur, dass allein zum Lesen der Nachricht auch ein Premium-Account benötigt wird.
Grund genug für Juli, gefrustet die Zelte bei elitepartner.de abzubrechen und etwas Neues zu versuchen: parship.de wirbt immerhin auch mit wissenschaftlichen Persönlichkeitsanalysen. Die Zielgruppe unterscheidet sich nicht all zu sehr von dem erstgenannten elitären Single-Kosmos - spätestens während der dortigen Suche nach dem Traummann war das klar, denn: ohne Premium-Account geht auch hier kaum was. Der Preis ist bei beiden Partnermatching-Portalen sprichwörtlich heiß. Bei elitepartner.de geht es im Rahmen eines 24-Monats-Pakets für 24,90 Euro pro Monat los und hört bei einem 3-Monats-Paket für 54,90 Euro pro Monat auf. Während parship.de beim 3-Monats-Paket nochmal 5 Euro draufschlägt. Dafür sind dann aber auch dubiose Wortkreationen wie Kontaktgarantie, unbegrenztes Kontaktrecht, Fotoaustausch und Fotoservice im Preis enthalten, deren Inhalt dennoch ein wenig schwammig bleibt. Anzumerken ist, dass parship.de augenscheinlich auch die homosexuelle Community für sich gewinnen möchte und neben der „normalen" parship-Seite auch die Singlebörse gay-parship.de betreibt. Der Persönlichkeitstest ist derselbe, die Preise auch.
Kostengünstige Alternativen
Doch es gibt auch etwas für Leute, die sich gegen Premium-Accounts entscheiden und trotzdem nicht auf die Option „Internet" bei der Wunschprinz(essin)-Suche verzichten wollen. Bei Anbietern wie ilove.de ist die Klientel zwar nicht schon im Vorfeld als elitär gekennzeichnet, dafür kann man Fotos sofort ansehen und Nachrichten hinterlassen - das ganze ohne Hinterlegung der Kreditkartennummer. Für die Gay Community gibt es immer noch die zwei in Deutschland meist besuchtesten Pages, die sich zwar nicht „Partnervermittlung" auf die Fahne schreiben, jedoch trotzdem Optionen wie Kontaktanzeigen und Livechats für ihre User bereit halten. Für die Männer wäre dies gayromeo.de und für Frauen lesarion.de.
Auf dem Markt der virtuellen Single-Börsen ist mittlerweile offenbar alles zu bekommen, was Mann oder Frau sich wünscht - man muss es nur lange genug suchen. Für alle, die im Vorfeld wissen möchten, was sie wo bekommen, hat back view einen Web-Tipp: Mittlerweile hat sich als Orientierung im Wirrwarr der Online-Partnersuche die Seite singleboersen-vergleich.de manifestiert - spätestens hier findet also jeder die passende Plattform im virtuellen Netz fernab von Diskogesprächen und lallenden Anmachsprüchen. Zu wünschen bleibt, dass sich der charmante Arzt aus dem Web dann nicht beim ersten gemeinsamen Kaffee als Lackaffe mit gekauftem Titel entpuppt. Aber Juli entschied sich am Ende dann doch gegen einen Premium-Account und für eine Annonce in der örtlichen Tageszeitung. Ob das von Erfolg gekrönt sein wird, bleibt zweifelhaft. Aber bald fängt ja ohnehin wieder die Scheunenparty-Saison an.
An dieser Stelle an alle Suchenden: viel Glück!
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