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Gesellschaft / Netzwelt 20.04.11

Gibt es eine Generation Facebook?

Text: Lisa Brüßler

tt_back_viewÜber die schon fast politische Macht des sozialen Netzwerks Facebook
Nach Generation Praktikum, Generation Krise, Generation Wikipedia oder auch Generation unpolitisch folgt nun die Generation Facebook. Was ist dran am ständigen Kategorisieren? Lisa Brüßler hat sich für back view auf die Suche nach unserer Generation gemacht und Interessantes recherchieren können.

Das Nachrichtenmagazin STERN kreierte die Generation Facebook im September 2009 und schon bald blies der Mitteldeutsche Rundfunk in dasselbe Horn: In einer Gesprächsrunde diskutierten Politiker, Autoren und Medienpädagogen über „Generation Facebook - Die ganze Welt mein Freund?". Doch wer ist diese Generation? Sind es die 14- bis 25-Jährigen, die sonst auch mit diversen Betitelungen gequält werden? Sind es schlichtweg alle Menschen, die Facebook in den letzten Jahren beigetreten sind oder sind es nur diejenigen, die auch dort aktiv sind? Oder ist es mal wieder eine sinnlose Kategorisierung die sich ausschließlich auf eine technologische Neuerung bezieht? Es ist ja nicht so, dass wir das schon von Generation Google oder Generation Golf kennen würden.

Durch die Möglichkeit, E-Mails zu versenden, wurde das Aufrechterhalten von sozialen Kontakten, die nicht aus dem unmittelbaren Umfeld stammen, schon erheblich vereinfacht. Vor wenigen Jahren wurde von vielen Experten befürchtet, es würde immer weniger geschrieben und gelesen. Klassische Freundschaften wie die Brieffreundschaft würden verkümmern und Inhalte banalisiert werden. Doch 90 Prozent dgeneration_facebooker Kinder und Jugendlichen nutzen das Internet heute in erster Linie als Kommunikationsmittel. Die klassische Brieffreundschaft wurde durch die digitalisierte ersetzt beziehungsweise erlebt eine digitale Renaissance.
Dennoch: Es gibt DIE Generation Facebook nicht. Es gibt aktive Nutzer allen Alters, die sich formieren, dadurch werden sie allerdings noch nicht zu einer eigenständigen Bewegung - eine sogenannte Generation. Wie vielfältig die Altersstrukturen der Nutzer sind und, dass sich nicht vorwiegend die 15- bis 24-Jährigen, die altersmäßig einer „Generation Facebook" entsprächen, auch auf Facebook finden lassen, zeigt die angehängte Grafik. Auch unter den 25 bis Mittvierzigern sind viele in Sozialen Netzwerken aktiv.

Welche Macht das mittlerweile größte Netzwerk Facebook zu haben scheint, wurde und wird in den Unruhen der arabischen Welt deutlich: Das ägyptische Regime sah sich genötigt den Nachrichtendienst Twitter und das soziale Netzwerke Facebook zu sperren. Es erhoffte sich davon, die Kommunikation unter den Studierenden zu erschweren, damit es nicht zur Organisation von weiteren Protesten kommen würde. Im Gegensatz zu Tunesien ist der Anteil derer relativ gering, die zum „gebildeten Mittelstand" gehören - aber dennoch konnte sich daraus eine Massenbewegung ergeben, die immer mehr mit sich riss. Andererseits sah man auch: Je mehr sich online bewegte, desto stärker zog die Regierung ihre Zügel der Macht an. Störende Internetdienste wurden schlicht gelöscht oder zumindest gesperrt und damit zunächst mundtot gemacht.
Der öffentliche und ausländische Druck wuchs allerdings immer weiter an. Bei Facebook finden sich immer mehr politische Gruppen beziehungsweise Protestgruppen und Tausende Nutzer aus aller Welt unterstützen diese schon alleine durch ihren Beitritt.

Nach Tunesien und Ägypten rief auch Marokko ihre „Generation Facebook" zum Protest gegen den politischen Status quo auf: Junge Marokkaner gründeten eine eigene Gruppe mit dem Namen „Freiheit und Demokratie, jetzt" und konnten binnen kürzester Zeit über 12 000 Nutzern gewinnen, die zu einer demokratische Verfassung  aufriefen. Als Grund für diese virtuellen Proteste wird das verlorene Vertrauen in die Politiker genannt, welche die Stimme des Volkes nicht wahrnehmen würden.
Facebook hat seine eigene Sprache gefunden. Sie ist zunehmend internationaler, zunehmend globalisierter geworden. Deshalb von einer Generation Facebook zu sprechen, ist einerseits berechtigt, weil es in derartigen Situationen schlicht mehr Schwung in ein Problemfeld bringt und die Suche nach einer Lösung beschleunigen kann. In Deutschland war dies zuletzt vor allem beim Thema Guttenberg und die Folgen des Plagiatvorwurfs zu verfolgen. Sowohl die Gegner, als auch die Unterstützer des ehemaligen Verteidigungsministers machten via Facebook Werbung für ihre Argumente und ihre Gruppierungen. Ein durchaus mächtiges Instrument, welches sich also aus einem einfachen Sozialen Netzwerk entwickeln kann. Wenn es Diskussionen bereichert und Befriedungsprozesse vorantreibt, ist dies sicherlich positiv zu bewerten.


(Text: Lisa Brüßler / Statistik: statista.com)

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