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Gesellschaft / Zeitgeschichte 03.11.09

Rote Kappen und grüne Gurken

Text: Andrea Wellerdiek

tt_back_viewsandmannDie Ostalgieprodukte nach der Wende
Die Mauer fällt und die ostdeutschen Menschen stürmen in die Westen. Mit im Gepäck: Trabanten und neue Lebensmittel. Spreewaldgurken, Rotkäppchen und Co. ziehen in die westlichen Kaufhäuser ein. Doch welche ostdeutsche Produkte konnten im vereinten Deutschland bis heute überleben? Was bleibt von der Ostalgie?

Viel. Auch wenn die Ersatzteile des Trabbis rar werden und deshalb die Kultautos immer bunter, gibt es noch einige typische ostdeutsche Produkte in den Kaufhäusern. Allen voran der Rotkäppchen-Sekt aus Freyburg an der Unstrut. 90,9 Millionen Flaschen gingen 2008 über die Ladentheke. Das sind 10,5 Prozent mehr als im Vorjahr. Mit einem Marktanteil von 43,3 Prozent (2008) im deutschen Sektmarkt ist sektdie Flasche mit den roten Kappen bis heute wahrscheinlich der beliebteste „ostdeutsche Import". Dabei sah es um die Wende für das Unternehmen gar nicht so gut aus. Die Ostdeutschen probierten die Westprodukte und das machte sich bemerkbar. Rotkäppchen drohte in der Versenkung zu verschwinden. 1990 verzeichnete die Firma einen Einbruch der Verkaufszahlen um 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Mitarbeiter gingen daraufhin in die Offensive. Sie fuhren durch das Land und verkauften den Sekt aus dem Kofferraum ihrer Autos. Die Marke sollte so nicht in Vergessenheit geraten und erlebte eine gesamtdeutsche Revolution.

Eine ähnliche Entwicklung verzeichnet die Spreewaldgurke. Spätestens 2003 berühmt geworden durch den preisgekrönten Film „Good bye Lenin!" von Wolfgang Becker. Der von Daniel Brühl gespielte Alexander unternimmt alles, um seiner kranken Mutter (Katrin Saß) Spreewaldgurken zu beschaffen. Nach der Wende kein leichtes Unterfangen. Denn auch die Gurke wird zunächst von den Westprodukten verdrängt. So muss er sich von einer Verkäuferin anpflaumen lassen: „Spreewaldgurken? Wo lebst du denn?" Heute widmet man der „Delikatesse", die nahezu in allen Supermärkten zu finden ist, hingegen ein eigenes Event: Den Spreewaldmarathon, der im nächsten April zum achten Mal stattfindet.

Rotkäppchen-Sekt und Spreewaldgurken und viele weitere Ostprodukte  stehen mittlerweile wieder in den Supermarkt-Regalen in ganz Deutschland: Vita und Club Cola, Bautz‘ner Senf, Florena Handcreme, Grabower Küsschen, Spee Waschmittel, Röstfein Kaffee, Schaumbad Badusan, Halloren Kugeln, Argenta „Brockensplitter", Oberlausitzer Schokoladenbecher oder die Argenta „Puffreistafel". Allerdings mussten auch viele typisch ostdeutsche Produkte durch die Wende Platz machen in den Regalen - für neue oder abgeänderte Produkte. Dirk Grüner, Betreiber des privaten DDR-Museums „Ostalgie-Kabinett"  in Langenweddingen bei Magdeburg, kennt viele Artikel, die es nicht wieder zurück in den Handel geschafft haben:  „Hansa" Mischung - Keksschachtel, Pralinen „Delitscher Weinbrand Noisetten", Pralinen „Berggold  Weinbrandbohnen mit und ohne Kruste", Eisdrops-Rolle, Eukalyptusdrops, Milchdrops oder Anisdrops, Maracuja Brause, Orangen-Fips, oder Komet Eispulver- zur Herstellung von Speiseeis. Das  „Ostalgie-Museum" öffnete am 03. Oktober 2004 seine Pforten und soll die Besucher an 40 Jahre DDR zurückerinnern - nicht provozieren, betont Dirk Grüner.

Für alle Ostalgiefans oder diejenigen, die sich auf eine Lebensmittel-Reise zurück in die DDR machen wollen, gibt es spannende Online-Shops. Wie zum Beispiel www.ostprodukte-versand.de oder www.ossiladen.de, deren Betreiber es sich auf die Fahne geschrieben haben, die Ostalgie am Leben zu halten und mit ihnen die typischen Ost-Produkte.


(Text: Andrea Wellerdiek / Fotos: DDR Museum ostalgie-kabinett.de)

Kommentare

avatar Rappsilber
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Hallo, ich freu mich sehr darüber, dass es jetzt wieder jede Menge DDR- Produkte in den Geschäften zu kaufen gibt, denn die waren früher schon nicht wirklich die schlechtesten!!!! Aber es war ja auch klar, dass nach der Wende erstmal das "Neue" probiert werden musste, die Werbung versprach ja immer sehr viel!

Das Ostalgie-Museum in Langenweddingen habe ich im Sommer dieses Jahres selber besucht, und bin echt begeistert, was Fam. Grüner alles zusammengetrage n hat. Vieles kannte man noch sehr gut, aber einiges war auch neu für mich. Bei Gelegenheit werde ich dieses Museum noch einmal besuchen!

Liebe Grüße
M. Rappsilber
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avatar Dirk Grüner
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Hallo Manja,

danke für Deinen Kommentar zu diesem Artikel. Es freut mich sehr wenn Dir unser Museum gefällt.
Für alle interessierten Besucher die sich gern mal einen Einblick über sämtliche Alltagsgegenstände machen möchten,haben wir dieses Zeitzeugnis aufgebaut.
Damit sich auch noch in naher Zukunft die Nachwelt daran erfreuen kann.
Wenn es solche Kulturstätten wie u.a. unsere nicht geben würde, könnte man sich logischerweise auch nicht authentisch erinnern.

Ich wünsche alles Besuchern viel Spass und gute Unterhaltung im

DDR Museum Langenweddingen
http://www.ostalgie-kabine tt.de

VG Dirk Grüner
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avatar schäfer
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besitze ein toaster von veb elektro- haushaltsgeräte brandenburg.leider sind nach ca 26 und älter die heizspulen durch.er hat auch noch den brötchenaufsatz dazu( gebogenen draht mit gummi stückchen).falls ihr den kennt und interesse habt (kann auch im Vorfeld bilder schicken,lieber den toaster im original),meldet euch bitte.bisher sah ich ihn in noch kein museum im internet. bin leider selten on daher könnte ne antwort dauern.kostenlose zusendung garantiert . liebe grüsse frau schäfer aus sachsen anhalt
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avatar Dirk Grüner
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Hallo Frau Schäfer, dass klingt ja recht interessant! Bitte schicken Sie mir doch mal ein paar Fotos per Mail an ostalgie-kabine tt@t-online.de
Vielleicht habe ich ja diesen Toaster noch nicht in meiner Sammlung.
Aber bitte geben Sie in Ihrer Mail mit an, von dieser Website hier geschrieben zu haben.
Vielen Dank im voraus sagt Dirk Grüner
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