back view Schrift

Kultur / Film & Fernsehen 03.02.10

DSDS - Dieter sagt dumme Sprüche

Text: Melanie Nees

tv_kolumne_teaserTV-Kolumne Teil 10
"Der Meister spricht: So singet recht - sonst wird mir schlecht!" So lautet einer der vielen Werbesprüche für die siebte DSDS-Staffel, die am 6.1 gestartet hat. Schlecht ist schon einmal das richtige Stichwort. Sprüche - schlecht, Menschenwürdeakzeptanz - schlecht, mein Gewissen, als ich doch kurz rein schalte - schlecht, Quoten - ok, hier hört es leider auf.
 
Ich habe wirklich nur kurz rein geschalten, fünf Minuten. Und das hat schon gereicht, um zumindest bis zum Recall mit meinem Boykott fortzufahren zu wollen. In diesen fünf Minuten wurde gezeigt, wie die Jurymitglieder, ganz zufällig und völlig frei von Inszenierungen, alle gleichzeitig ihre Füße auf dem Tisch liegen haben und gelangweilt wirken. Dann geschah das, was die meisten TV-Zuschauer leider nicht langweilt: DSDS-Castinglegende Menderes tritt in neuer Aufmachung und mit seinem unermüdlichem Wille in den Recall zu kommen zum fünften Mal vor die Jury. Trotz kurzer Haare und Cappy erkennt ihn jeder sofort, abgewiesen wird er allerdings nicht sofort.

Nein, Dieter Bohlen "will" lieber noch ein zweites Lied hören, damit der hochspannende Auftritt, der möglicherweise für RTL nicht billig war, sich auch richtig lohnt und die Medien am nächsten Tag gewohnt viel über DSDS zu berichten haben. Überraschenderweise kommt der arme Menderes trotzdem zum fünften Mal nicht in den Recall. Seinem Bekanntheitsgrad und seiner Medienpräsenz nach zu urteilen, ist er allerdings mittlerweile sowieso ein Star, nur kein Superstar. Während RTL vermutlich in Starkandidaten investiert, blecht Dieter Bohlen als Strafe bei jeder Verwendung des Wortes "Sch..." einen Euro. Die erschimpften 5254 Euro werden an Haiti gespendet. Bei so viel Hirnlos-Entertainment fällt keinem auf, dass Strafe und Spende ganz klare Widersprüche sind. Und ob man überhaupt von Strafe sprechen kann ist auch fraglich. Dieter Bohlen tut der Verlust dieser 5254 Euro wohl eher nicht weh. Außer er muss für DSDS noch mehr investieren - in professionelle Sparwitzausdenker zum Beispiel. Dass ihm diese Sprüche, die oft wie ein Lauffeuer durch die Medien gehen, nicht ständig ganz spontan einfallen, liegt wohl auf der Hand. Nina Eichinger, der weibliche Part der Jury, kann sich das vielleicht nicht leisten oder hat einfach nicht so einen schlechten Charakter. Dieter Bohlen findet sie jedenfalls zu ruhig. Damit sie ihrer Rolle als DSDS-Jurorin trotzdem gerecht wird und auch mal Stoff für die täglichen Schlagzeilen liefern darf, kippt sie an einem Tag während des Castings um. Sie hatte zuvor Magen-Darm-Grippe gehabt und deshalb nicht genug gegessen. Das dritte Jurymitglied Volker Neumüller streut stattdessen einige fiese Kommentare in das Theater ein. Dann gibt es da natürlich noch die, die sich mit ihrer Unterschrift auf dem Bewerbungsbogen, dem Ganzen wehrlos ausgeliefert haben - die Kandidaten.

Naiv, wie sie meistens sind, stellen sie die perfekte Zielscheibe für die verbalen Attacken der Jury dar. Pinkeln sie sich dann auch noch vor Angst in die Hose, freut sich Dieter Bohlen rießig und nutzt die Gelegenheit eiskalt aus, anstatt Mitleid mit dem 18-jährigen jungen Mann zu haben, dessen Ruf jetzt völlig im Eimer ist. In Zukunft wird sich wohl jeder Arbeitnehmer um ihn reißen - der keinen Fernseher, kein Internet und keine sozialen Kontakte hat. Von den ganzen anderen Schlagzeilenkandidaten will ich gar nicht erst anfangen. Eigentlich wurde über jeden von ihnen genug geredet, beziehungsweise geschrieben. Was bei dem ganzen Sprüche klopfern und Schlecht hinstellen schnell vergessen wird, sind die guten Kandidaten, für die die Show ursprünglich einmal gemacht wurde. Sie hätten Schlagzeilen verdient, aber um als guter Kandidat in die Medien zu kommen, muss man schon seine ganze Familie verloren haben und arbeitslos sein, oder eine Affäre mit einem anderen Kandidaten anfangen oder gleich unter die besten zehn kommen. Da sich für die guten Kandidaten bedauerlicherweise deutlich weniger Leute interessieren, begannen auch bei dieser Staffel ab dem Recall die Quoten zu schwinden. Über zu wenige Zuschauer muss sich RTL jedoch trotzdem nicht beschweren - die blöden Sprüche bleiben bis zum Finale erhalten.
Blöde Sprüche und DSDS gehören zusammen wie Pommes und Ketchup. Aber sind Pommes ohne Ketchup wirklich so fade? Anscheinend schon. Während der ersten Staffel waren die blöden Sprüche sozusagen fast noch ein Ketchupklecks, mittlerweile schwimmen die Pommes darin. Die mit einigen Ausnahmen Staffel für Staffel steigenden Quoten sprechen auch noch für dieses würdelose Entertainmentkonzept.
Bleibt nur zu hoffen, dass der Teller irgendwann überläuft.

(Text: Melanie Nees / Foto: Miriam Oddy Ihana by jugendfotos.de)

Kommentare

B
i
u
Quote
Code
List
List item
URL
Name *
E-Mail (für Bestätigungen & Antworten)
URL
Code   
ChronoComments by Joomla Professional Solutions
Kommentar abschicken

anzeige

 social networks 

   faceboook    twitter_    meinvz   

(c) 2010 back view