Was alle, die dieses Gerücht ahnungslos verbreiten haben, interessieren dürfte ist, dass das Buch zu "Vampire Diaries" von L.J. Smith schon 1991 erschienen ist. Stephenie Meyer kam die Idee zu "Twilight" erst 2003 in einem Traum und das Buch wurde 2005 in den USA veröffentlicht. 1:0 für "Vampire Diaries" - könnte man meinen.
Liest man allerdings das Buch, muss man feststellen, dass die Serie und die Originalstory außer den Namen nicht sehr viel gemeinsam haben. 1991 war Elena, die Hauptfigur, um es auf den Punkt zu bringen eine blonde Tussi, die Queen der Highschool, die ihre Freunde ausnutzt und jeden Jungen bekommt, den sie haben will - bis Stefan Salvator aufkreuzt. Elena verliebt sich in ihn und erfährt das erste Mal in ihrem Leben wie es ist, nicht sofort das zu bekommen, was sie will.
Stefan geht auf Abstand und erst als Elena in Lebensgefahr schwebt, rettet Stefan sie und die beiden reden über ihre Gefühle. Da Elena dachte, dass Stefan sie hasst, erklärt ihr nun, dass sie ihn an seine Exfreundin erinnert. In der Beschreibung der ersten Folge der Serie liest man jedoch: "Stefan hingegen sucht Elenas Nähe." Hier geht es viel schneller, dass die beiden zusammenkommen, was Elena von dem Schmerz über den Tod ihrer Eltern ablenkt. In der ursprünglichen Geschichte ist dieser nebensächlich. Außerdem spielt Stefans böser Bruder Damon in der Serie von Anfang an eine große Rolle. Im Buch wird von ihm lange nur aus der Vergangenheit erzählt, wo die beiden Brüder um Katherine konkurriert haben, weshalb sie sich jetzt abgrundtief hassen. In der Serie will Damon aus diesem Grund von Anfang an das Leben seines Bruders so gut es geht durcheinanderbringen, wenn nicht sogar zerstören.
Eine weitere Veränderung ist, dass Elena im Buch eine vierjährige Schwester hat. In der Serie dagegen hat sie einen Bruder, der mit seinen Drogenproblemen und der Tatsache, dass er relativ hoffnungslos in ein Mädchen mit noch größeren Drogenproblemen verliebt ist, eine interessante Nebengeschichte liefert. Ich könnte noch lange so weiter machen, aber man sieht bereits, dass für das Drehbuch erhebliche Änderungen vorgenommen wurden. Die Frage bei alledem ist, ob die ursprüngliche Story sozusagen "getwilightet" wurde. Hat man die Twilightsaga gelesen und einige Folgen der ersten Staffel von "Vampire Diaries" gesehen, wird man feststellen, dass dieses Gerücht ziemlich weit hergeholt ist. Man muss zugeben, dass es ein paar Gemeinsamkeiten gibt, wie z.B. dass sowohl Edward als auch Stefan für immer 17 sind. Das liegt aber vielleicht einfach daran, dass das Alter der Charaktere der Zielgruppe entsprechend gemacht wird und diese bei beiden die Gleiche ist. Außerdem handelt es sich nunmal bei beidem um Vampirgeschichten und da Vampiren eben gewisse Eigenschaften und Verhaltensweisen zugeschrieben werden, ist es kein Wunder, dass hier Parallelitäten aufkreuzen. Die Tatsache, dass es in beiden Geschichten die Grundhandlung ist, dass sich ein sterbliches Mädchen in einen Vampir verliebt und davon zunächst nichts weiß, spricht sogar eher für "Vampire Diaries". Diese Idee hatte L.J. Smith nämlich schon 1991. Da sollte man sich mal Fragen, wer hier von wem kopiert. Im Endeffekt ist aber die komplette Story um diese Grundhandlung sowohl bei "Twilight" als auch bei "Vampire Diaries" sehr individuell.
Ich hatte beim Anschauen der Serie nur ein einziges Mal das Gefühl wirklich an etwas aus "Twilight" erinnert zu werden und zwar als Stefan sagte, dass Damon Elena verletzen und irgendwann umbringen wolle, da er weiß, dass es das ist, womit er ihn am meisten verletzten kann. Auch Edward sagt des Öfteren, dass der Tod von Bella das Schlimmste für ihn wäre.
Doch trotzdem haben die Initiatoren der beiden Stories sich nicht wirklich gegenseitig etwas vorzuwerfen. Es ist aber sehr wahrscheinlich, dass "Vampire Diaries" davon profitiert, dass Vampirstories seit "Twilight" eine rießige Popularität haben. Doch anstatt das hinzunehmen startet "Vampire Diaries" in der vierten Episode einen fast kindischen Versuch, die Twilightsaga schlecht zu machen und sich selbst besser zu stellen: Damon hält ein Buch der Saga in der Hand und sagt zu seiner Freundin Caroline: "Was ist so toll an dieser Bella? Edward ist ein Waschlappen." Daraufhin verteidigt Caroline die Saga indem sie sagt: "Lies erst mal den ersten Teil, sonst macht das alles keinen Sinn." Doch dann erklärt Damon, wie man zum Vampir wird, hebt dann das Buch hoch und meint: "Was hier drin steht ist alles falsch."
Diese lächerliche Attacke bleibt aber das Einzige, was man der Serie vorwerfen kann. Was eindeutig für sie spricht ist, dass die Story durchweg spannend ist, da vor allem die Vergangenheit von Stefan inklusive der Geschichte um Katherine ein großes Geheimnis sind, das nach und nach gelüftet wird. Auch die Pläne des bösen Bruders Damon halten die Spannung immer aufrecht. Es lohnt sich also wirklich den Gerüchten einfach kein Gehör zu schenken und eine der wenigen guten Sendungen, die aktuell ausgestrahlt werden, einzuschalten.
(Text: Melanie Nees / Foto: Miriam Oddy Ihana by
jugendfotos.de)
Kommentare
Wenn schon, dann ist Twilight die Kopie, wenn man auf die Veröffentlichung der Bücher schaut, oder?