Kultur /
Film & Fernsehen
29.04.10
Text:
Melanie Nees
TV-Kolumne Teil 13: Casting-ShowsAuf Pro7 läuft "Germany's next Topmodel", auf Viva "America's next Topmodel" und "Project Runway", RTL und Vox casten gerade für "The X-Factor", Pro7 für "Popstars" und von "Deutschland sucht den Superstar" und "Americas Best Dancecrew" haben RTL und MTV gerade erst das Finale gesendet - momentan vergeht keine Woche, in der nicht mindestens drei verschiedene Castingepisoden gesendet werden.
Nachdem die letzte "Popstars"-Band "Some&Any" in der Versenkung verschwunden ist, noch bevor sie richtig daraus hervorkommen konnte, hatte man schon beinahe gedacht, dass das Format nun wirklich mal ein Ende finden muss. Aber nein, wo sollen denn die Quoten herkommen, wenn nicht nach "Germany's next Topmodel" gleich die nächste Castingshow schaulustige Zuschauer anlockt? Nachdem Gerüchte kursierten, dass es von "GNT" keine neue Staffel mehr geben solle, muss jetzt wohl nochmal "Popstars", als nächste vom Aussterben bedrohte Show, auf die Bildschirme gebannt werden. Auch wenn sich nach der Show kein Mensch mehr für die Siegerband interessiert, die Quoten sind gesichert. "Some&Any" haben es mit ihrer Debütsingle gerade mal auf Platz 16 der deutschen Singlecharts geschafft. Die Erwartung, dass die erste Single direkt auf Platz eins einsteigt, ist bei Popstars schon nach der fünften Staffel in weite Ferne gerückt. Dennoch wurden seitdem noch drei weitere Staffeln gesendet, die diese Erwatung völlig ausgelöscht haben.
Bei DSDS ist diese Erwartung allerdings immer noch Gang und Gebe. In einigen Onlinecommunities gab es Boykottbewegungen gegen den neuen DSDS-Siegersong. Man sollte anstatt der CD von Mehrzad Marashi "Stairway to heaven" von Led Zeppelin oder "Boomerang" von Blümchen kaufen. Doch nicht einmal diese Klassiker konnten den Einstieg von null auf eins des DSDS-Siegers verhindern. Led Zeppelin landet auf Platz 15, Blümchen auf Platz sieben. Die Erwartung blieb also zurecht seit der ersten Staffel bestehen, doch der erste DSDS-Sieger durfte sich noch erlauben einfach nur Talent zu haben. Die Erwartungen, die jetzt dazugekommen sind, lauten: Du musst eine skandalöse Lebensgeschichte haben, auf Kommando weinen können und dich von den Medien und der Jury auseinandernehmen lassen, ohne zu protestieren. So sieht das quotenrettende Konzept aller deutschen Castingshows aus. Pro7 gestatten immerhin noch ein skandalfreies Leben. Doch hier kommt es auch immer mehrauf die Inszenierungen einer super Show an, als auf die Inszenierungen einer erwähnenswerten Karriere.
Die amerikanischen Castingshows, die man auf Viva und MTV sehen kann, beweisen noch mehr, wie tief das Niveau bei den deutschen Castingshows gesunken ist. Die Staffeln wurden zwar schon vor mindestens zwei Jahren in den USA ausgestrahlt, doch die Inszenierung der deutschen Castingshows ist kein allzu neues Phänomen. Während man bei "Germany's next Topmodel" eine halbe Stunde, viele Tränen, viel Show und viel Gerede für die Entscheidung braucht, ist diese bei "America's next Topmodel" in fünf Minuten erledigt. Da in den USA schon zehn Staffeln gesendet wurden, scheint diese Inszenierungen keine Schwierigkeiten bezüglich der Quoten zu bereiten. Doch in Deutschland ist so wenig Show kaum noch denkbar. Ein Redakteur der "Badischen neusten Nachrichten" hat es in einem Kommentar auf den Punkt gebracht: "Die Würde des Menschen ist unantastbar - es sei denn, es fördert die Quote."
(Text: Melanie Nees / Foto: Miriam Oddy Ihana by
jugendfotos.de)
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