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Kultur / Film & Fernsehen 07.05.10

Zauberhafte Animationskomödie

Text: Julia Hanel

Julias Kinoecke: DVD-Kritik zu "Oben"
Ein pummeliges Pfadfinder-Kind, ein mürrischer Alter, ein quasselnder Hund und ein fliegendes Haus - nicht unbedingt der Stoff, der die Kinokassen klingeln lässt. Entstanden ist dennoch einer der komischsten Filme, die das Animationsstudio „Pixar" zu bieten hat. Und einer der ernsthaftesten.

Es sind die ersten zehn Minuten, die „Oben" zu einem ganz besonderen Film machen. Beeindruckende zehn Minuten, die ohne viele Worte, ein ganzes Leben erzählen. Da sucht ein kleiner Junge das große Abenteuer und findet stattdessen das aufgeweckte Nachbarmädchen, die Liebe seines Lebens. Seine Ambition tauscht er ein gegen das Liebesglück im Eigenheim. Statt zu forschen, verkauft er Ballons. Und der sehnliche Kinderwunsch bleibt auf immer unerfüllt.

Eine melancholische und doch zauberhafte Vorgeschichte, die den eigentlichen Film einleiten soll. Viele Jahre sind vergangen. Nach dem Tod seiner geliebten Ellie ist aus dem freundlichen Ballonverkäufer Carl ein mürrischer alter Mann geworden, der Tag für Tag trübsinnig auf seiner Veranda sitzt und in die Luft stiert. Sein kleines Häuschen wird von fiesen Bauspekulanten bedroht und ins Altersheim soll er auch noch abgeschoben werden. Da besinnt er sich des unerfüllt gebliebenen Wunsches nach einer Abenteuerreise mit Ellie an die Paradise Falls in Südamerika und hebt im wahrsten Sinne des Wortes ab.

Ein mürrischer 80-Jähriger als Hauptfigur in einem Pixarstreifen? Das wolle niemand sehen, warnten Experten und Berater des Animationsstudios. Natürlich kam alles anders. 290 Millionen spielte der Film allein in den USA ein. Obendrauf gab's fünf Oscarnominierungen. Die Kategorien „Bester Animationsfilm" und „Beste Filmmusik" konnte der Film für sich entscheiden. Neben dem Disney-Klassiker „Die Schöne und das Biest" ist er zudem der einzige Trickfilm, der als „Bester Film" nominiert wurde.

Indem er den Abenteuergeist vergangener Zeiten heraufbeschwört, versprüht „Oben" einen angenehmen Hauch von Nostalgie. Schließlich will sich Carl mit seiner Reise in die südamerikanische Wildnis einen Traum erfüllen, der Ellies und sein Leben stets begleitet hat. Er bindet Tausende von bunten Luftballons an seinen Kamin, füllt sie mit Gas und hebt ab Richtung Abenteuer - ein fast perfekter Abgang, wäre da nicht das kleine, dicke Pfadfinder-Kind auf der Veranda, das er nun an der Backe hat. Durch das ungleiche Paar entstehen eine Art „Roadmovie über den Wolken" und ein amüsantes Zusammenspiel aus erwachsener Abgeklärtheit und kindlicher Neugier.

Fazit: Ein wunderbar farbenfrohes Abenteuer über das Alter, Freundschaft und die ganz großen Träume

(Text: Julia Hanel)

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