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Kultur / Film & Fernsehen 20.05.10

Spannendes Abenteuerepos mit Russel Crowe

Text: Julia Hanel

julias_kinoecke_kleinJulias Kinoecke - Ridley Scotts "Robin Hood"
Weg mit der Folklore, dachte sich Regisseur Ridley Scott und wagte die wohl umstrittenste aller Robin Hood-Verfilmungen. Mit einem Helden ohne Strumpfhosen, ohne Adelstitel, ohne Ansehen und einer faszinierenden Geschichte.

Die Aufregung war groß, als Ridley Scott verkündete, die Geschichte von Robin Hood gänzlich neu zu erzählen, nicht als „monogames Liebesgesäusel" - eine Anspielung auf den romantischen Kinohit mit Kevin Costner aus dem Jahr 1991. Monogam ist Scotts „Robin Hood" zwar schon geworden, die Geschichte jenes berühmten Helden erzählt er aber tatsächlich neu.

Der Bogenschütze Robin Longstride (Russel Crowe) kämpft als einer von vielen im Heer von Richard Löwenherz, der durch seine blutigen Kreuzzüge nahezu größenwahnsinnig geworden ist. Longstride kann den sinnlosen Feldzug nicht mit seinem Gewissen vereinbaren und flieht nach dem Tod des Königs aus der Armee. Durch Zufall gelangt die englische Krone in seinen Besitz, die er unter dem Namen Robert Locksley in einer gestohlenen Ritterrüstung an den britischen Königshof zurückbringt. Der wahre Robert Locksley, ein Baron aus Nottingham, ist im Kampf gefallen, hat Robin jedoch gebeten, sein wertvolles Schwert dem geliebten Vater (Max von Sydow) zu überbringen. 

Robin Longstride? Zugegeben, der Name ist gewöhnungsbedürftig, vor allem für die Fans der vorausgehenden Verfilmungen. Meist war da von einem Robert von Locksley die Rede, einem Adeligen, der die königlichen Unterdrücker mit seinen Pfeilen triezt und sich in die schöne Edelfrau Marian verliebt. Doch bei Ridley Scott ist alles anders. Und so ist auch Marian (Cate Blanchett) nicht schön im klassischen Sinn, sondern eine verarmte Landadelige, die sich und ihre Dienerschaft nur über die Runden bringt, in dem sie selbst mit anpackt und alle männlichen Pflichten erfüllt. Marians Ehemann, Robert von Locksley, ist schließlich seit zehn Jahren auf Kreuzzug. Von seinem Tod erfährt sie erst, als Robin das Schwert überbringt. 

Die Besetzung der beiden Hauptfiguren ist durchaus gewagt. Schließlich ist Russel Crowe mit seinen 46 Jahren nicht gerade der Inbegriff eines rebellischen Draufgängers. Auch die 41-jährige Cate Blanchett verbindet man nicht primär mit Tugenden wie Jungfräulichkeit und Keuschheit. Das macht den Film aber auch wieder interessant, weil er sich über typische Hollywood-Konventionen hinwegsetzt und Mut zum Alter beweist. Zudem wurden mit Crowe und Blanchett zwei schauspielerische Größen gewonnen, die sich durch Wiedererkennungswert und Wandelbarkeit auszeichnen. 

Wie auch in „Gladiator" legt Regisseur Ridley Scott größten Wert auf Realismus in Ausstattung und Kulisse. Er entzaubert den Mythos regelrecht. So ist Robin beispielsweise auf Hilfe angewiesen, wenn er seine Rüstung und das Kettenhemd ablegen will. Und Marian präsentiert sich in einer der ersten Szenen mit dreckverschmierten Füßen und zotteligem Haar, weil sie gerade von der Feldarbeit kommt. Durchaus interessant ist es auch, wenn der Einmaster mit Robin Hood an Bord die Themse hinauf zum Tower of London segelt, zur alten Königsburg, deren Boden Stroh bedeckt ist und in deren Gängen das Nutzvieh herumläuft. Lediglich im letzten Viertel verliert der Film ein wenig an Realitätsnähe, indem Marian zu einer Art Kampfamazone mutiert und Robins Vater plötzlich als Mitverfasser der bahnbrechenden Magna Carta entlarvt wird. Hier hat der Regisseur den Bogen dann doch ein wenig überspannt. 

Dennoch ist „Robin Hood" ein sehenswertes Spektakel mit beeindruckenden Bildern und einem grandiosen Soundtrack. Und da die eigentliche Geschichte um Robin Hood mit dem Ende des Films erst beginnt und viele Figuren wie Bruder Tuck und Little John noch nicht in ausgereifter Form auftreten, wünscht man sich durchaus eine Fortsetzung.

Fazit: Großes Kino mit kleinen Schwächen.

Bewertung: 4 von 5 Sternen.

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(Text: Julia Hanel / Zeichnungen: Christina Koormann) 

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