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Kultur / Film & Fernsehen 27.05.10

Sofortige Absetzung und andere Peinlichkeiten

Text: Melanie Nees

tv_kolumne_teaserTV-Kolumne Teil 14 - "Unterm Hammer"
Ein aufsehenerregendes Schicksal, kein Geld mehr, um die eigenen Immobilie zu finanzieren, große Verzweiflung, die ersehnte Rettung vor einer Zwangsversteigerung und dann das Happy-End - so lautete das, in der aktuellen TV-Welt, erfolgsversprechende Konzept von "Unterm Hammer", einer Doku von RTL. Das Format hätte sich mit Sicherheit gut etabliert, wäre nicht vor der Erstausstrahlung etwas ans Licht gekommen, das zur sofortigen Absetzung führte. 

Die Peinlichkeit des Jahres für RTL - das, mit heldenhafter Unterstützung von Tine Wittler, angeblich verkaufte Haus wurde im Internet auf einer Immoblilienseite gefunden, wo es weiterhin zum Verkauf stand. Der in der Sendung gezeigte Käufer ist im Nachhinein von seinem Angebot zurückgetreten. "Da hat das Schicksal RTL einen Streich gespielt", könnte man meinen. Diese sind jedoch alles andere als unschuldig. Im Abspann der Sendung wurde versichert, dass der Kauf des Hauses notariell beglaubigt worden sei und das obwohl die Produktionsfirma RTL noch vor der Ausstrahlung darauf hingewiesen hat, dass dies  nicht der Fall sei. Das Positive daran ist, dass endlich einmal bewiesen wurde, wie egal dem Sender das Schicksal der Leute ist, denen sie in ihren Shows helfen "wollen".

Als wäre das noch nicht genug, hat sich jetzt auch noch herausgestellt, dass einige der Bieter nur Statisten waren. Außerdem handelte es sich bei dem neuen Wohnhaus, das Tine Wittler der Familie gesucht hat, um ein Ferienhaus des Sohnes der Familie.

Im Nachhinein gibt die besagte Familie öffentlich zu, von den ganzen Mauscheleien gewusst zu haben, hat dennoch während der Show einwandfrei mitgespielt. Eben diese falsche Unterwürfigkeit hat es ermöglicht, dass solche Fakes, die alles andere als ein Einzelfall sind, bisher meistens vertuscht werden konnten. Da die Familie das Haus mit Hilfe von Tine Wittler nicht verkaufen konnte, hat sie nach der Absage des Käufers den Verkauf selbst in die Hand genommen. Dass eine öffentliche Internetauktion nicht besonders lange denen verborgen bleibt, die die Sendung aufmerksam verfolgt haben, müsste ihnen allerdings klar gewesen sein. Jetzt, da die Kameras aus dem Weg sind und die Medien der Familie wegen dieser Entdeckung Aufmerksamkeit schenken, hat sich das Ehepaar sogar dazu entschlossen, ihre Position in einem Youtube-Video zu veröffentlichen. Doch durch abgelesene Reime und peinliche Aussagen wie "Das geht ab" erzeugt das Video eher Fremdschämen als Mitleid.

Auch Tine Wittler versucht jetzt dem Schlamassel zu entkommen: Sie habe von alledem nichts gewusst. Es wäre interessant zu wissen, wie RTL es geschafft haben soll, den kompletten Fake vor der Hauptperson der Sendung zu verbergen. Aber immerhin eine der Beteiligten macht sich die berechtigten Gedanken über ihren Ruf.

Der Ruf von RTL in Bezug auf Reality-Shows ist dagegen schon seit Längerem angeknackst. Im Vorjahr kam zum Beispiel an die Öffentlichkeit, dass einer der Bauern bei "Bauer sucht Frau" gar kein Single war, während ein anderer Landwirt auf einem, nur für die Sendung, geliehenen Hof gelebt hat. Außerdem wurde aufgedeckt, dass bei "Punkt 12" für die Reportage "Millionärin sucht Mann" eine Luxusvilla für die "Millionärin" gemietet wurde, die eigentlich in einer Wohnung lebt.

Während "Bauer sucht Frau" munter weiter gesendet wurde und in Bezug auf Quoten sogar eine der erfolgreichsten Sendungen des Jahres 2009 war, wurde die Ausstrahlung von "Unterm Hammer" direkt eingestellt. Geplant waren zunächst drei Folgen, von denen bis jetzt eine einzige gesendet wurde. Falls die Quoten erfolgversprechend sind, wollte man weitere Folgen drehen. Dazu wird es wohl nicht kommen. Ob die zwei bereits gedrehten Folgen noch ausgestrahlt werden, steht noch in Frage. Der Sendeplatz für die zweite Folge wurde allerdings erst einmal durch eine andere Sendung besetzt.

Eigentlich müsste man sich nach diesem ganzen Wirbel darüber freuen, dass alles andere, was im Fernsehen nicht so dargestellt wird, wie es wirklich ist, im Verborgenen bleibt. Denn wer weiß, mit wie vielen Sendungen man ein Programmheft noch füllen könnte, wenn jeder Sender bei der Aufdeckung eines Fakes so reagieren würde wie RTL bei "Unterm Hammer". 

(Text: Melanie Nees / Foto: Miriam Oddy Ihana by jugendfotos.de)

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