Kultur /
Film & Fernsehen
07.06.10
Text:
Julia Hanel
Julias Kulturecke: DVD-Kritik "Shopaholic"
„Shopaholic" sollte einschlagen wie „Sex and the City". Über die nötigen Voraussetzungen verfügt der Film in jeder Hinsicht. Großstadtflair, Shopping und die ganz großen Gefühle. Oder wie Carrie Bradshaw es ausdrücken würde: It's about labels and love. Produzent Jerry Bruckheimer sprach bereits von einer sicheren Sache, einer „tale of triumph". Dann jedoch kam die Wirtschaftskrise. Das Interesse an einer shoppingsüchtigen Fashion-Queen aus New York hielt sich in Grenzen, die Problemchen der dümmlichen Hauptfigur erschienen banal.
"Confession of a Shopaholic", so der Originaltitel, basiert auf der Bestseller-Reihe der englischen Autorin Sophie Kinsella. Protagonistin ist in allen Büchern Rebecca Bloomwood (Isla Fisher), eine junge Journalistin, die unbedingt für ein großes Modemagazin arbeiten möchte, dummerweise aber bei einem spießigen Wirtschaftsblatt landet. Die Arbeit dort gefällt ihr nicht allzu sehr, der attraktive Chefredakteur Luke (Hugh Darcy) jedoch umso mehr. Rebecca findet mit der Zeit Gefallen am neuen Job und schreibt eine überaus erfolgreiche Kolumne über den sinnvollen Umgang mit Schulden. Dumm nur, dass Rebeccas Kreditkarten alle maßlos überzogen sind, sie vom Schuldeneintreiber verfolgt wird und an einem echten Suchtproblem leidet: Shopping. Als das rauskommt, verliert die Mode-Queen nicht nur ihren Job.
Die erste große Schwäche des Films ist seine Vorhersehbarkeit. Er folgt typischen Mustern und liefert nahezu keine Überraschungen. Das Ende ist also von Beginn an offensichtlich. Die zweite große Schwäche ist seine Überzogenheit. „Shopaholic" ist ein seichtes Konsummärchen mit hauptsächlich albernen Problemen und übertriebenen Reaktionen auf belanglose Ereignisse. In einer Zeit der Umsatzeinbrüche, Finanzkrisen und Insolvenzwellen amüsiert sich nicht jeder über den ausufernden Lebensstil einer markensüchtigen Hollywood-Barbie.
Die große Stärke des Films ist seine Hauptdarstellerin. Mit ihrer naiv-niedlichen Art albert sich Isla Fisher („Die Hochzeits-Crasher") von Szene zu Szene. Ihre feuerrote Lockenpracht und die bonbonfarbenen Outfits bringen Farbe in den eher trockenen Alltag eines Wirtschaftsmagazins. Natürlich ist das von ihr vorgelebte Frauenbild ein wenig bedenklich, besteht Rebeccas Leben doch überwiegend aus lachen, schminken und küssen. Hier sollte man den Film jedoch nicht zu ernst nehmen und die eigenen feministischen Ideale für einen Moment lang ignorieren.
Überhaupt sollte man „Shopaholic" als harmlosen und netten Popcorn-Film betrachten, der unterhalten und amüsieren will. Kein großes Kino, aber ideal für einen albernen Mädelsabend. Wer der tristen Realität ein paar Stunden entfliehen möchte, kann hier abtauchen in die quietschbunte Welt der High-Heels, Lippenstifte und Cocktailkleidchen - in der heutigen Zeit vielleicht gar nicht so schlecht - wenn man denn in der richtigen Stimmung ist. Ansonsten entwickelt sich „Shopaholic" sehr schnell zum nervtötenden Albtraum.
(Text: Julia Hanel)
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