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Kultur / Film & Fernsehen 23.07.10

Man muss sich durchbeißen...

Text: Julia Hanel

julias_kinoecke_kleinJulias Kinoecke: Eclipse
"Warum machen eigentlich all diese Kreaturen so viel Wind um eine totäugige Langweilerfrau, die nicht weiß, was sie will?", fragte ein entnervter US-Kritiker jüngst bei der Premiere des neusten „Twilight"-Streifens. Eine durchaus berechtigte Frage, dreht sich „Eclipse" doch volle 124 Minuten um das Gefühlschaos eines Teenagers.


Da jener Teenager aber Bella heißt und Protagonistin der gegenwärtig erfolgreichsten Jugendbuchreihe ist, interessiert dieses Gefühlschaos derzeit die halbe Welt. Schließlich ist Bella (Kristen Stewart) nach wie vor hin und her gerissen zwischen Edward mit den Wangenknochen und Jacob mit den Bauchmuskeln. Dieses Dreiecks-Drama spitzt sich in „Eclipse" weiter zu. Bella will gebissen werden, Edward (Robert Pattinson) will heiraten und Jacob (Taylor Lautner) will Bella. Im Großen und Ganzen ist das der Inhalt des Films, wäre da nicht noch Vampirin Victoria, die Bella vernichten will, um den Tod ihres Geliebten zu rächen. Sie stellt eine Armee aus neugeborenen Vampiren zusammen, um den Cullen-Clan inklusive Bella auszuschalten. Um Bella zu schützen, raufen sich Vampire und Wölfe für einen mäßig aufregenden Showdown zusammen.

Da sich der Film eng an die Romanvorlage Stephenie Meyers hält, ist er automatisch auch ihren Schwächen ausgesetzt. Handlungs- und Spannungsarmut übertragen sich somit direkt auf die Filmversion. Aufgepeppt wird die magere Handlung durch Rückblenden ins frühere (menschliche) Leben einzelner Protagonisten. Dieser Kunstgriff fördert die Verständlichkeit bestimmter Zusammenhänge und ist durchaus gelungen.

Bedauerlicherweise besteht der Film jedoch hauptsächlich aus Dialogszenen, die ein wenig lieblos aneinandergereiht wurden und somit eine einschläfernde Wirkung auf das Publikum haben. Zudem sind die Dialoge hölzern und schwerfällig, wenn sie nicht gerade vor Schmalz triefen und sich melodramatischer Floskeln bedienen. Das endlose Liebesgeplänkel zwischen Bella und Edward erzeugt bedauerlicherweise eine unfreiwillige Form der Komik.

Auch die Prüderie des gesamten Twilight-Epos erlebt hier ihren Höhepunkt. Was in Teil eins noch romantisch war, erscheint in Teil drei endgültig überholt. Hier wird geschmachtet und geworben, hier liegt man vollbekleidet nebeneinander im Bett, hier fallen Sätze, die eine Zeit glorifizieren, in der es vor der Ehe nichts als ein Küsschen auf die Wange gab. Warum man Autorin Stephenie Meyer eine repressive Sexualmoral vorwirft, wird nun ein für allemal klar.

Die Figuren sind blass und oberflächlich gezeichnet. Besonders eindimensional wirkt Taylor Lautner in der Rolle des Jacob Black. Konturen erhält diese Figur lediglich durch Lautners Bauchmuskeln, deren Anblick regelrecht ausgeschlachtet wird. „Kann er sich kein T-Shirt leisten" fragt Edward hier zu Recht. Auch Teenie-Idol Robert Pattinson verausgabt sich hauptsächlich im leidvollen Schmachten, was seiner Mimik etwas Starres und Puppenhaftes verleiht. Kristen Stewart gibt erneut das zerbrechliche Reh, büßt aufgrund ihres Wankelmuts jedoch Sympathien ein.

Punkten kann „Eclipse" immerhin mit einem erneut grandiosen Soundtrack aus der Indie-Rock Szene. Die britische Band „Muse" steuerte wieder einen Großteil der Songs bei, die besonders in Zusammenhang mit Panorama-artigen Landschaftsaufnahmen eine Art Gothic-Atmosphäre erzeugen.

Fazit: „Macht so viele Fehler, wie ihr könnt!" - Worte, die in der Abschlussrede von Bellas Freundin Jessica lauten Applaus ernten. Regisseur David Slade könnte hier durchaus mitklatschen. Fehler hat sein Film nämlich massenweise.

Bewertung: 2,5 von 5 Sternen

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(Text: Julia Hanel / Zeichnungen: Christina Koormann)

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