back view Schrift

Kultur / Film & Fernsehen 30.03.09

"Essen gehen ist die schönste Form der Ernährung"

Text: Miriam Keilbach

hartwich_dinnerModerator Daniel Hartwich im Interview
Daniel Hartwich hatte mit nur 30 Jahren schon eine eigene Late-Night-Show und moderierte die RTL-Dschungel-Show und das Supertalent. Mit back view Redakteurin Miriam Keilbach sprach er über ein gemeinsames Frühstück mit Sylvie van der Vaart, seine Abizeit und warum er das Kochen lieber anderen überlässt.


back view: Daniel, wir haben bei StudiVZ einige Gruppen zu deiner Person gefunden: Daniel Hartwich - Geile Sau!!!, Ich lieeeeebe Daniel Hartwich, Wenn ich groß bin, heirate ich Daniel Hartwich, Daniel Hartwich, sexiest Man Alive…
Daniel: … Es gibt die Gruppe Daniel Hartwich, Sexiest Man Alive?

Ja und die Leute schreiben dort, dass du geil, süß, wie ein Teddybär, heiß, sexy, zum Dahinschmelzen, göttlich, unglaublich bist.
(lacht) Was? Oh Gott. Ich habe mich selbst nie den Kategorien sexy oder gutaussehend zugeteilt, weil das Vokabeln sind, die ich grundsätzlich nicht mit mir in Verbindung bringen würde, insofern bin ich gerade ein wenig irritiert. Ich glaube, da würde einiges verfliegen, wenn wir uns mal wirklich treffen würden, da der Fernsehfaktor bestimmt eine Rolle spielt. Privat sind mir diese Meinungen so noch nicht zugetragen worden.

Wo liegen denn deine Problemzonen?
Also das ist ja offensichtlich! Meine ästhetischen Problemzonen sind meine Haare, die sich oft nur schwer bändigen lassen, aber darüber will ich mal nicht meckern. Ich bin 30 Jahre und habe immerhin noch Haare. Ansonsten habe ich keine, denn dass ich sehr durchtrainiert bin, sieht man ja öfter mal im Fernsehen. Ich glaube man kann es so zusammenfassen: Mein Körper ist eine einzige Problemzone.

Hast du manchmal Komplexe?
Jetzt nicht mehr, aber früher schon. Ich war sehr viel dicker, mit 18 hatte ich um die 160 Kilo. Ich gehörte aber komischerweise nie zu denen, die gehänselt wurden. Bei mir war immer relativ schnell klar, dass man direkt was zurück kriegt, wenn mir einer dumm kommt. Insofern war ich nie Opfer.

Welche Rolle hattest du denn in der Schule?
Ehrlich gesagt habe ich das erst begriffen, als ich mein Abibuch gelesen habe. Da gab es diese Rubriken, die es immer gibt à la „Wer ist die größte Schnapsnase“ und „Wer hatte die meisten Frauen“ und ich war bei „Wer ist der größte Partylöwe“ mit einem Kumpel zusammen auf Platz 1. Und komischerweise habe ich mit großem Abstand gewonnen bei „Wer ist die Kultfigur eures Jahrgangs“, das hat mich hochgradig irritiert, weil ich nicht verstanden habe, wie das gemeint ist. Als Kultfigur habe ich mich nie gefühlt. Wobei ich auch selten in der Schule war, gerade in den letzten Jahren, als ich mir die Entschuldigungen selbst schreiben konnte. Ich habe mein Abi nicht gerade mit Bravur bestanden. Vielleicht war ich doch eher der Klassenkasper.

Was stand denn sonst noch über dich in der Abizeitung?
Daniel ist wie Garfield: frech, fett, faul und philosophisch. Das sind die Eigenschaften, die man der Katze damals zugesprochen hat. Und er hat immer Lasagne gegessen.

altWo wir beim Thema Essen sind: Du hast mal bei einer Weihnachtsbäckerei-Sendung beim ZDF mitgemacht. Kannst du kochen und backen?
Gar nicht, weder das eine noch das andere. Ich musste mal beim Promidinner mitmachen. Ich sage bewusst musste, weil man mir das aufgeschwatzt hat. Ich habe mir eine Narbe zugezogen, hier am Arm, als ich das Backblech aus dem Ofen gezogen habe und es hat echt eklig geschmeckt. Die anderen Teilnehmer haben das Essen an den Hund verfüttert, was ich keinem Übel nehmen konnte. Als Hauptspeise gab es Nudeln, die haben so sehr geklebt, dass es eigentlich nur ein Klumpen war. Danach gab es Schokokuchen, den man nicht essen konnte, weil ich nicht bedacht habe, dass der Kuchen erst abkühlen muss, wenn man ihn aus dem Ofen holt. Ich habe ihn heiß serviert.

Das heißt du lässt dich zuhause eher von deiner Freundin bekochen?
Manchmal. Ich gehe gerne Essen, das finde ich immer noch die schönste Form der Ernährung. Wenn man sich hinsetzt, sich was aussucht und jemand anderes kocht. In der Zwischenzeit kann man sich unterhalten. Das ist natürlich eine relativ kostspielige Variante, von daher geht das auch nicht immer. Meine Freundin kocht auch hin und wieder mal, aber eher Nudeln mit Tomatensoße. Das ist natürlich auch lecker. Ich bin, auch wenn ich nicht so aussehe, essenstechnisch eigentlich relativ bescheiden. Ich esse am allerliebsten Vollkornbrot aus dem Reformhaus mit Tzatziki und Lachs. Ich muss auch nichts Warmes essen.

Kommen wir mal zu dir: Du bist der schnellste Moderator im deutschen Fernsehen…
… weil ich so schnell spreche, oder wie? Ja, manchmal muss ich mich ein wenig zügeln und man muss mich bremsen. Ich kann tatsächlich so schnell reden, dass die Leute das im Zweifelsfall nicht mehr mitkriegen. Das ist dann schon ein wenig blöd, wenn man etwas erzählt und die Leute starren dich danach nur an.

Wie bist du denn, wenn du das Studio verlässt?
Die häufigste Frage, die man als Radiomoderator gestellt bekommt, ist: Wie schafft man es immer gut drauf zu sein? Das ist gar nicht so schwer: Man ist bei jeder eigenen Sendung auf einmal wach und konzentriert und damit steigt auch die Laune. Wenn ich aus dem Studio komme, bin ich noch genauso.

Du redest also privat genauso viel und genauso schnell?
Das tue ich tatsächlich. Dass man beim Moderieren anders ist als privat sollte man sich auch gar nicht angewöhnen. Man muss einfach man selbst sein. Anders lässt sich das auf Dauer nicht durchhalten. Wenn man sich verstellen würde, wäre das nicht gut, weil man keinen Erfolg hat, wenn man eine Rolle spielt.

Du siehst dich eher als Moderator, nicht als Comedian?
Ich fühle mich als Moderator. Aber es kommt auch ein wenig auf die Definition von Comedian an. Für mich sind Comedians Leute, die auf die Bühne gehen und ein Stand-Up-Programm haben. Das habe ich nicht, daher eher Moderator und Reporter.

Radio oder Fernsehen?
Fernsehen, weil ich Radio sechs Jahre lang gemacht habe und ich hatte das Gefühl, dass ich leer bin. Jeder Witz ist erzählt, alles was ich sagen wollte, ist gesagt. Ich hab zu jedem Musiktitel jeden Witz gemacht, der mir einfällt. Gerne irgendwann wieder, ich habe ja auch letzte Woche bei meinem alten Sender you fm moderiert, das macht auch Spaß. Aber Fernsehen ist die Arbeit, die mir mehr Spaß bringt und ich glaube, ich bin da auch besser.

Im Fernsehen kennt man dich vor allem durch eine Szene: Du bist mal nackt durch die Kölner Fußgängerzone gelaufen. Hast du eine Schamgrenze?
Scheinbar nicht, ne? Nein, doch, die gibt’s schon. Ich wäre zum Beispiel nicht nackt gelaufen, wenn ich frontal gefilmt worden wäre. Irgendwo ist da doch eine Grenze zur Intimität. Als wir das damals aufgenommen haben, wusste ich nicht, dass das gesendet wird. Es war eigentlich für den Piloten von „Achtung! Hartwich“ gedacht, der nie gesendet wurde. Irgendwann sagte der Redakteur, dass wir ja noch die Nacktszene hätten und ob wir die nicht senden könnten. Und ich dachte mir nur: Was soll’s? Gedreht ist es eh schon.

Waren denn die Reaktionen tatsächlich so, wie man sie gesehen hat?
Ja, absolut. Allein die Tatsache, dass du mich heute, nach über einem Jahr, noch darauf ansprichst, zeigt, dass es etwas Außergewöhnliches war. Darüber war ich mir damals nicht bewusst, ich dachte eher, dass das Medienstandart ist. Ich bin auf nichts anderes so häufig angesprochen worden, wie auf das.

Damit verbindet man dich irgendwie…
(lacht) Na toll, super!

Gibt es denn sonst noch verrückte Aktionen, von denen du uns berichten möchtest?
Die verrücktesten Sachen, die ich gemacht habe, waren eigentlich alle fürs Fernsehen: Dass ich mir den Arsch hab enthaaren lassen, dass ich mir die Brust habe wachsen lassen, übrigens eine sehr schmerzhafte Erfahrung. Wenn ich mal was Verrücktes mache – immer gleich eine Kamera mitnehmen, vielleicht will es mal irgendwann irgendjemand senden. Sonst bin ich ja sehr schüchtern und ruhig.

Das glaube ich dir nicht. Mit Kumpels hast du doch sicher auch schon Unsinn gemacht?
Ähm, doch. Ich habe schon viel Scheiße gebaut. Da könnte ich dir jetzt auch einiges von erzählen, aber da waren auch immer noch andere Leute daran beteiligt und die kann ich jetzt nicht in die Pfanne hauen. Das könnte sonst Ärger geben.

Wie bist du denn, wenn du mit deinen Kumpels zusammen bist?
Ich habe zum einen Radio- und Fernsehfreunde, also Leute, die selbst Moderatoren sind, da ist es dann oft ruhiger als man denkt. Viele glauben, dass wir uns permanent vollquatschen, aber wir sind auch gerne mal still. Dann habe ich noch sehr alte Freunde, mit denen ich zum Teil schon in der Grundschule war, die sind lebendiger. Wenn wir unterwegs sind, gibt es Leute, die man trifft, die sagen: „Wow, du bist beim Fernsehen.“ Meinen Freunden ist das egal, die kennen das von mir nicht anders. Das hat sie schon beim Radio nicht beeindruckt und dass ich jetzt beim Fernsehen bin, beeindruckt sie genauso wenig. Das ist aber sehr hilfreich, wenn man selber hin und wieder merkt, dass man sich selbst nicht so wichtig nehmen sollte.

Wirst du denn auf der Straße erkannt?
Das kommt hin und wieder vor und ist eigentlich eine der größten Neuerungen des vergangenen Jahres, an die ich mich auch erst einmal gewöhnen musste, weil man beim Radio in der Regel nicht erkannt wird. Es ist jetzt nicht so, dass ich keine fünf Meter laufen kann, weil mich ständig jemand anspricht. Es stört mich auch nicht, aber ich merke das schon, dass manchmal getuschelt wird, man mich anschaut oder anspricht.

Wie würdest du dich denn selbst beschreiben?
So wie im Fernsehen. Die Tage, an denen ich gute Laune habe, überwiegen. Ich bin eher selten schlecht gelaunt. Ich versuche immer fröhlich zu sein.

Findest du dich selbst lustig?
Sehr, sehr selten. Es gibt Leute, die behaupten, dass sie sich nie lustig finden. Das glaube ich denen nicht. Wenn ich mir Sendungen im Nachhinein anschaue, denke ich manchmal, dass ich an der Stelle lustig reagiert oder geschaut habe oder spontan etwas Witziges gesagt habe. Das finde ich punktuell ganz lustig. Aber generell würde ich nicht sagen, dass ich mich für einen super spaßigen Typen halte. Das wäre auch die falsche Herangehensweise. Ich bin kein Comedian und es ist nicht meine Aufgabe, Leute permanent zum Lachen zu bringen, sondern als Moderator durch eine Sendung zu führen. Aber es ist natürlich schön, wenn es hin und wieder lustig ist.

Du bringst Leute zum Lachen. Du hast eine Kindersendung und eine Wissenschaftssendung moderiert. Du hast Politik studiert. Gibt es auch ein Fachgebiet, auf dem du nichts drauf hast?
Germanistik und Politologie, aber ich habe nicht fertig studiert. Ich war an der Uni so oft wie in der Schule. Aber wenn Frank Plasberg mittwochs krank wäre und die ARD mich anrufen würde, ob ich „hart aber fair“ moderieren will, würde ich sagen: wird eng. Da bin ich doch eher im spaßigen Bereich zuhause. Ich bin glaube ich kein extrem guter Journalist.


Teil 2: "Als Moderator muss man auch mal die Fresse aufreißen"

(Interview: Miriam Keilbach / Fotos: VOX/Bernd-Michael Maurer und RTL)

Kommentare

avatar Brina
+8
 
 
Ich will auch so ein tollen Mann :)
B
i
u
Quote
Code
List
List item
URL
Name *
E-Mail (für Bestätigungen & Antworten)
URL
Code   
ChronoComments by Joomla Professional Solutions
Kommentar abschicken
Abbrechen
avatar Sabine
+5
 
 
Eine geile Sau, ich will unbedingt mal mit ihm feiern......
B
i
u
Quote
Code
List
List item
URL
Name *
E-Mail (für Bestätigungen & Antworten)
URL
Code   
ChronoComments by Joomla Professional Solutions
Kommentar abschicken
Abbrechen
avatar Tanja
+3
 
 
Ein echt toller Typ. Ich mag lustige Männer. Und irgendwie hat er voll die süßen Mundwinkel...
Schade, daß er ne Freundin hat.

Manno..........!!!

*schmelzdahin*
B
i
u
Quote
Code
List
List item
URL
Name *
E-Mail (für Bestätigungen & Antworten)
URL
Code   
ChronoComments by Joomla Professional Solutions
Kommentar abschicken
Abbrechen
avatar Chantal
+5
 
 
Hält sich nicht für gutaussehend?! Hat er schon einmal in einen Spiegel geschaut?
...
B
i
u
Quote
Code
List
List item
URL
Name *
E-Mail (für Bestätigungen & Antworten)
URL
Code   
ChronoComments by Joomla Professional Solutions
Kommentar abschicken
Abbrechen
avatar Melanie
0
 
 
Dies sieht aus wie ein großes Interview. Es hat Spaß gemacht zu wissen, ihre Gedanken zu diesem Thema. Dank.
B
i
u
Quote
Code
List
List item
URL
Name *
E-Mail (für Bestätigungen & Antworten)
URL
Code   
ChronoComments by Joomla Professional Solutions
Kommentar abschicken
Abbrechen
Ich weiß nicht wirklich verlassen Kommentare in Blogs, aber ich muss Ihr Schreibstil sagen und wie Sie liefern Ihre Inhalte sind sehr unglaublich.
B
i
u
Quote
Code
List
List item
URL
Name *
E-Mail (für Bestätigungen & Antworten)
URL
Code   
ChronoComments by Joomla Professional Solutions
Kommentar abschicken
Abbrechen
Ihre Artikel sind immer faszinierend und sehr interessant zu lesen. Jede andere Blogger schreiben sollte die gleiche Weise wie Sie tun, nehmen Sie die Zeit für die Forschung und erklären die wichtigsten Details ohne überschatten die andere Tatsachen. Bitte halten Sie die gute Arbeit Herr, habe ich bereits einen Blog abonniert, damit ich nicht fehlen alle Updates. Vielen Dank und mehr Power!
B
i
u
Quote
Code
List
List item
URL
Name *
E-Mail (für Bestätigungen & Antworten)
URL
Code   
ChronoComments by Joomla Professional Solutions
Kommentar abschicken
Abbrechen
avatar Jogos
0
 
 
Vielen Dank für Ihre Artikel.
B
i
u
Quote
Code
List
List item
URL
Name *
E-Mail (für Bestätigungen & Antworten)
URL
Code   
ChronoComments by Joomla Professional Solutions
Kommentar abschicken
Abbrechen
avatar vimax
0
 
 
I'm happy when reading through your site with up-to-date information! thanks alot and hope that you'll publish more site that are based on this website.
B
i
u
Quote
Code
List
List item
URL
Name *
E-Mail (für Bestätigungen & Antworten)
URL
Code   
ChronoComments by Joomla Professional Solutions
Kommentar abschicken
Abbrechen
Daniel hat seine Ansichten in hervorragender Weise geteilt.
B
i
u
Quote
Code
List
List item
URL
Name *
E-Mail (für Bestätigungen & Antworten)
URL
Code   
ChronoComments by Joomla Professional Solutions
Kommentar abschicken
Abbrechen
B
i
u
Quote
Code
List
List item
URL
Name *
E-Mail (für Bestätigungen & Antworten)
URL
Code   
ChronoComments by Joomla Professional Solutions
Kommentar abschicken
bleibt in kontakt mit back view

google-logo-plus-0fbe8f0119f4a902429a5991af5db563
meinvztwitter_
© 2007-2012 back view