back view Schrift

Kultur / Kinoecke 22.01.10

Romantische Komödie über eine ungleiche Liebe

Text: Julia Hanel

julias_kinoecke_kleinJulias Kinoecke - "Lieber verliebt"
Manche Filme haben das Pech, einen wirklich blöden Namen abzubekommen. „Lieber verliebt" ist ein solcher. Jedoch hat Bart Freundlichs Komödie über die ungewöhnliche Liebe zwischen einer 40-jährigen Mutter und dem 15 Jahre jüngeren Babysitter ihrer Kinder mehr zu bieten als die Standard - Hollywood Romanze. 

"I'm a bitch, I'm a lover, I'm a sinner, I'm a saint" - singt Sandy (Catherine Zeta-Jones) lauthals im Auto, nachdem sie ihre Kinder zur Schule gebracht hat. Das ist gelogen, denn Sandy führt ein nahezu langweiliges Hausfrauenleben in der amerikanischen Kleinstadt. Ihren Master in Journalismus hat sie gegen die Küche getauscht, ihre Wünsche und Träume denen ihres Mannes untergeordnet. Alles ändert sich, als Sandy von der Affäre zwischen ihrem Mann und der Nachbarin erfährt...Sie packt ihre Koffer und zieht mitsamt Kindern von der beschaulichen Kleinstadt ins turbulente New York. Bei einem Sportsender ergattert sie einen kleinen Job als Texterin, doch der Alltag als Alleinerziehende ist schwer zu organisieren. Zum Glück erweist sich Aram (Justin Bartha), der nette Collage-Typ aus dem Coffeeshop nebenan als talentierter Babysitter. Und schon bald kümmert er sich neben den Kindern auch um die Mutter... 

Sandy und Aram trennen 15 Jahre, doch die Chemie stimmt. Das Knistern zwischen den beiden ist nahezu spürbar, was vor allem an der soliden schauspielerischen Leistung der beiden Hauptdarsteller liegt. Oscar-Preisträgerin Catherine Zeta-Jones zeigt sich hier von einer sehr sensiblen und verletzlichen Seite. Dennoch geht auch ihr komödiantisches Talent nicht verloren, schwankt sie doch stets auf unterhaltsame Weise zwischen Verzweiflung und Befreiung.

Das Zusammenspiel mit ihrem jüngeren Kollegen Justin Bartha harmoniert von der ersten Sekunde an. Der „Hangover"-Star verleiht dem smarten College-Absolventen Aram die nötige Portion Charme. 

Inhaltlich erinnert „Lieber verliebt" zeitweise stark an die Erfolgskomödie „Couchgeflüster" mit Uma Thurman. Dass Regisseur Bart Freundlich das Ganze hier lediglich variiert, ist nicht zu übersehen, stört aber auch nicht. In gewisser Weise hat der Amerikaner auch einen persönlichen Bezug zur Thematik dieses Films, ist der Regisseur doch selbst mit der zehn Jahre älteren Schauspielerin Julianne Moore (The Big Lebowski, The Hours) verheiratet. 

Der große Schwachpunkt des Films ist jedoch der zentrale Konflikt der Protagonistin, der leider kaum nachvollziehbar ist. Warum Sandy so plötzlich Probleme sieht, wo keine sind, wirkt nahezu unnatürlich. Und dass sie Aram so abrupt in den Wind schießt, erscheint ein wenig zu drastisch. Was diesem Entschluss folgt, wertet den Film jedoch wieder auf. Denn selten wurde die „Trennungsphase" eines Paares - in diesem Fall fünf Jahre- derart beeindruckend dargestellt. Und so spürt der Zuschauer einen Moment lang den Drang, auch seinen Rucksack zu packen und in die Welt zu ziehen, sich zu verändern und weiterzuentwickeln, sich eine Auszeit zu gönnen, um herauszufinden, was man wirklich will. Ob Aram das zuletzt weiß, bleibt offen. Auch ob er und Sandy doch noch zueinander finden, muss jeder für sich entscheiden. Denn das Ende des Films hält Überraschungen bereit und ist in gewisser Hinsicht auch selbst eine. 

Fazit: Sympathische Romanze mit verzeihbaren Schwächen! 

Bewertung: 3,5 von 5 Sternen.

stern_kino_bildgre_ndernstern_kino_bildgre_ndernstern_kino_bildgre_ndernstern_kino_bildgrn_halb

(Text: Julia Hanel / Zeichnungen: Christina Koormann)

Kommentare

B
i
u
Quote
Code
List
List item
URL
Name *
E-Mail (für Bestätigungen & Antworten)
URL
Code   
ChronoComments by Joomla Professional Solutions
Kommentar abschicken

anzeige

 social networks 

   faceboook    twitter_    meinvz   

(c) 2010 back view