Kultur / Film & Fernsehen 05.02.10
Text: Julia Hanel
Julias Kinoecke: Sherlock Holmes
Wir befinden uns im London des 19. Jahrhunderts. Die Tower Bridge wird gerade gebaut, Englands Hauptstadt versinkt im Morast und verströmt ein nahezu viktorianisches Ambiente.
Eine Reihe grausamer Ritualmorde erschüttert die Gesellschaft. In letzter Sekunde gelingt es Sherlock Holmes (Robert Downey Junior) und seinem Kollegen Dr. Watson (Jude Law) einen weiteren zu verhindern. Hinter den bestialischen Taten verbirgt sich kein Geringerer als der angesehene Lord Blackwood (Mark Strong), den die beiden auf frischer Tat ertappen. Vor seiner Hinrichtung verkündet er Sherlock Holmes, der Tod werde ihn nicht stoppen, gehöre sogar zu seinem großen Plan. Drei weitere Menschen würden noch mit dem Leben bezahlen, denn dies sei nur der Anfang. Und tatsächlich sieht es so aus, als würde sich die düstere Prophezeiung des Lords erfüllen, denn nur wenig später schockt seine angebliche Wiederauferstehung Scotland Yard und die Bürger Londons. Auch in Blackwoods Sarg befindet sich plötzlich eine andere Leiche. Bei den Ermittlungen geraten Sherlock Holmes und Watson in ein Labyrinth aus Verschwörungen, Intrigen und schwarzer Magie.
Nach zahlreichen Drogenexzessen und Entziehungskuren feierte Robert Downing Jr. zuletzt mit „Iron Man" sein großes Comeback auf der Leinwand. Für seine Rolle als Sherlock Holmes wurde er kürzlich mit dem Golden Globe ausgezeichnet - zu Recht, liefert er doch hier eine schauspielerische Glanzleistung ab. Mit gestähltem Körper und lässiger Haltung versprüht er eine amüsante Mischung aus Witz und Verstand.
Auch das Zusammenspiel mit Jude Law harmoniert von der ersten bis zur letzten Sekunde. Der Brite lässt in der Rolle des Watson nicht nur Gehirnzellen sondern auch Muskeln spielen.
Die Story an sich ist simpel, wirkt zeitweise jedoch ein wenig holprig und unübersichtlich. Die ständigen Schauplatzwechsel lassen eine gewisse Hektik aufkommen, die der Zuschauer gelegentlich als störend empfinden könnte. Vor allem mit den visuellen Effekten hat es Regisseur Guy Ritchie hin und wieder zu gut gemeint.
Die traditionellen Elemente der weltbekannten Doyle-Romane hat Ritchie bewusst gemieden. Sein Sherlock Holmes kommt ohne Pfeife aus, trägt keinen Mantel, keinen Deerstalker-Hut.
In gewisser Weise ist das auch der Schwachpunkt des Films. „Sherlock Holmes" ist hier ein spektakulärer Actionkrimi, eine Art James Bond des 19. Jahrhunderts. Die Figur ist weniger Meisterdetektiv als Actionheld, boxt und ballert was das Zeug hält. Für Fans der legendären Krimireihe ist das nicht nur ungewohnt, sondern nahezu impertinent.
Aber jede Zeit erschafft ihre Helden neu. Und im Fall von „Sherlock Holmes" ist das durchaus gelungen.
Fazit: Solider Actionkrimi mit grandioser Besetzung!
(Text: Julia Hanel / Zeichnung: Christina Koormann)
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titelthema
Der amerikanische Blick auf Europa |
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