Kultur / Film & Fernsehen 01.07.10
Text: Kristin Heck
Kinoecke: Easy Virtue - Eine unmoralische Ehefrau
Die Rahmenhandlung von „Easy Virtue" ist schnell erzählt. John Whittaker (Ben Barnes) verliebt sich in die Rennfahrerin und Amerikanerin Larita (Jessica Biel) und heiratet sie vom Fleck weg. Seine Mutter Veronica (Kristin Scott Thomas) fällt aus allen Wolken und von Anfang an ist klar, die kühle Engländerin und ihre glamouröse Schwiegertochter von Übersee werden nicht mit einander klarkommen. Was folgt ist eine Aneinanderreihung von Vor- und Zufällen, die mal mehr mal weniger absichtlich von den beiden Damen „Whittaker" eingefädelt werden. Sehr zur Freude von Major Jim Whittaker (Colin Firth), dem Familienoberhaupt und zum Unmut von Johns Schwestern Hilda und Marion. Das Ende, eine Überraschung - kein Happy End, aber ziemlich nah dran.
Doch was unterscheidet den Film jetzt von jedem x-beliebigen Film über den schwierigen Umgang mit Schwiegermüttern?
Der Film überzeugt nicht durch seine doch recht simple Geschichte, sondern durch die facettenreichen Nebenhandlungen und die vielschichtigen Charaktere. So etwa Jim Whittaker, ein Kriegsveteran, der erst spät nach Hause zurückgekehrt ist. Nur durch den Schleier seines ausgeprägten Sarkasmus scheinen ihm das Leben im Allgemeinen und seine Familie im Speziellen noch erträglich. Und auch wenn man hinter die Fassade seiner unterkühlten Frau Veronica blickt erkennt man eine Frau, die sich während dem Krieg um drei Kinder und den ganzen Besitz kümmern musste. Eine Frau, die das Leben hart gemacht hat. So hat jede Figur des Films sein Päckchen zu tragen, auch die lebensfrohe Amerikanerin Larita, wie sich noch herausstellen wird.
Auch filmhistorisch gesehen hat das Werk seinen ganz eigenen Wert. So war die Erstaufführung nicht auf einer Leinwand, sondern auf einer Bühne und zwar im Jahr 1924. Es war eines der frühen Stücke des englischen Schriftstellers und Schauspielers Noel Coward. Und als die Geschichte dann zum Film wurde befasste sich kein geringerer mit der Lektüre als Alfred Hitchcook selbst. Als Stummfilm wurde die Geschichte allerdings im Jahre 1928 zum finanziellen Misserfolg.
Fazit: So lässt sich abschließend sagen, dass es Regisseur Stephan Elliott rund 80 Jahre nach Hitchcook gelungen ist, den Stoff noch einmal aufzubereiten. Mit englischem Humor, einer guten Spur Sarkasmus und dem Chic der „roaring twenties" drehte er ein kurzweiliger Film, der durchaus empfehlenswert ist. Denn trotz seines hohen Anteils an Drama handelt es sich nicht um ein klischeebelastete Historiendrama à la Jane Austen.
Bewertung: 4 von 5 Sternen



(Text: Kristin Heck / Zeichnungen: Christina Koormann)
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titelthema
Der amerikanische Blick auf Europa |
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