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Kultur / Literatur 08.01.10

Spannende Fortsetzung überzeugt

Text: Julia Hanel

Julias Kulturecke: Daniel Glattauers "Alle sieben Wellen"
Wer „Gut gegen Nordwind" gelesen hat, kennt Leo Leike und Emmi Rothner bereits. Wer das Buch gelesen hat, weiß, dass es so nicht enden konnte, nicht enden durfte. In seinem Buch „Alle sieben Wellen" spinnt der österreichische Autor Daniel Glattauer die virtuelle Liebesgeschichte von Emmi und Leo weiter. Denn wie sagt Emmi doch so schön: „Jedes Ende ist letzten Endes auch ein Anfang". 

Dass Glattauer seinem Bestseller „Gut gegen Nordwind" eine Fortsetzung folgen ließ, brachte ihm teils starke feuilletonistische Kritik ein. Doch letztendlich beugte sich der Autor mit dieser Entscheidung nur seiner Leserschaft, die ihn mit Briefen und E-Mails nahezu bombardierte. Es schien, als wollte man sich nicht damit abfinden, dass Leo und Emmi getrennte Wege gingen. Der Wunsch der Leser nach einer Fortsetzung war laut Glattauer zu stark gewesen, um ihn zu ignorieren. Dass dies kritische Stimmen heraufbeschwor, ist nicht weiter verwunderlich, irritierte doch das Bild eines Autors, der nicht aus eigenem Verlangen heraus, sondern seinen Lesern zum Gefallen schrieb. Warum die Sehnsucht nach einer Fortsetzung so groß war? Nun, weil die virtuelle Geschichte von Leo und Emmi kein gutes Ende nahm. Weil die beiden sich nicht lieben durften. Und weil auch Erwachsene Märchen lieben und sich ein simples Happy End wünschen. 

Nach einer Schweigepause von knapp einem Jahr geht es nun also weiter. Leo Leike kehrt aus Boston zurück. Daheim erwarten ihn Nachrichten von Emmi Rothner, die nach wie vor nicht akzeptieren kann, dass man sie einfach aus einem Leben verbannt hat. Auch Leo stellt schnell fest, dass es ohne Emmi nicht geht, dass auch das Jahr in Boston sie nicht aus seinem Kopf und Herz verdrängen konnte. Die beiden beginnen wieder zu schreiben und überlegen, sich zum ersten und letzten Mal zu treffen, weil es für beide wie Emmi sagt „keine würdige Fortsetzung, nur einen würdigen Abschluss gibt". Doch die Dinge sind nach wie vor zu kompliziert, um nach Plan zu verlaufen. Leo ist wieder liiert und Emmi nach wie vor verheiratet. Doch wenn einmal sechs Wellen ans Ufer geschwappt sind, ist es die siebte, die für eine Überraschung sorgt. 

Eine kleine Überraschung ist auch Glattauers Roman, der das Fortsetzungs-Dilemma umgeht und alles andere als enttäuscht. Vor allem sprachlich hält er das Niveau seines Vorgängers, überzeugt in gleichem Maß mit Wortwitz und Sprachgefühl. Die Dialoge zwischen dem Sprachpsychologen Leo und der rhetorisch gewandten Emmi begeistern nicht nur mit Schlagfertigkeit und Charme, sondern auch mit einer ordentlichen Portion Ironie und Sarkasmus. Glattauer lässt seine beiden Protagonisten auf einem wahren Schlachtfeld der Worte kämpfen. Und wenn man eines daraus lernt, dann dass Satzzeichen, Großbuchstaben und Klammern eine tiefere Bedeutung haben, als man ihnen meist zuschreibt. 

Was die Spannung anbelangt, ist „Alle sieben Wellen" hingegen zwiespältig zu betrachten. Zwar ist sie durchaus vorhanden, wird jedoch beeinträchtigt von einer gewissen Absehbarkeit. Wer Glattauers Roman liest, kann sich denken, in welche Richtung der Plot läuft. Denn diesmal sollte er ja die Bedürfnisse der Leser vollends befriedigen. Und so wirkt das anscheinend so „Absehbare" gelegentlich hinausgezögert. Das virtuelle Match der Protagonisten muss über gut 210 Seiten Bestand haben, bevor es zum großen Finale kommt. 

Spannend geschrieben ist der Roman jedoch definitiv. Das Tempo ist flott, die Dialoge schnell. Die Worte schießen hin und her, so dass das Auge des Lesers nahezu über die Seiten fliegt. Zudem werden auf einer einzelnen Seite oft mehrere Wochen abgearbeitet. Etwa wenn Leo in London ist oder Emmi Urlaub auf La Gomera macht. Dann kann es schon einmal vorkommen, dass drei E-Mails für drei Wochen stehen. 

Alles in allem eine durchaus geglückte Fortsetzung, die trotz kleiner Schwächen, regelrecht bezaubert. Der Charme von „Gut gegen Nordwind" weht auch durch dieses Buch...


(Text: Julia Hanel)

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