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Kultur / Literatur 13.05.10

Für Weltenbummler und solche, die es werden wollen

Text: Julia Hanel

Julias Kulturecke - Kritik zum "The Book of Cities"
Was macht eine Metropole zu einer Metropole? Was macht sie aus? Ihre Menschen? Ihre Lage? Ihre Architektur? National Geographics „The Book of Cities" wagt die Antwort und nimmt den Leser mit auf eine literarische Weltreise entlang der geografischen Längengrade. 

Im ersten Moment ist die Aufmachung dieses 500 Seiten starken Wälzers verwirrend, denn die 250 relevanten Städte sind weder nach Alphabet noch nach Kontinenten, noch nach Wichtigkeit sortiert. „The Book of Cities" führt den Leser vielmehr entlang der Längengrade - eine durchaus interessante Vorgehensweise. So beginnt die Reise aufgrund des Nullmeridians in London und führt über Brighton, nach Accra (Ghana).  

Wer Accra nicht kennt, muss keinesfalls beschämt sein, denn viele der vorgestellten Metropolen sind für den Durchschnittsmenschen nahezu unbekannt. Hierin liegt auch der Reiz dieses Buchprojekts, das neben weltberühmten Cities wie Paris, New York und Tokio auch Städte wie Nuuk (Grönland), Harar (Äthiopien) und Timbuktu (Mali) vorstellt. Ob es sich dabei um Wüstenmetropolen, Dschungelstädte, entlegene Provinznester im ewigen Eis oder moderne Cities im Zentrum Europas handelt, spielt keine Rolle. In diesem Buch sind alle Orte von gleicher Wichtigkeit. Denn Städte sind - ob groß oder klein, ob hochtechnisiert oder nicht - ebenso facettenreich, wie die Menschen, die in ihnen leben.

Auf je einer Doppelseite hält die gelungene Mischung aus Fakten, Zahlen und Zitaten das Einmalige an einer Stadt in Form eines Essays fest. Ergänzt werden diese Informationen durch hochwertige Fotografien in bewährter National Geographic-Qualität. Sie bestechen zum einen durch ihre ungewöhnliche Motivik und zum anderen durch ihre Hochwertigkeit und Farbenvielfalt. Der Fließtext rückt dadurch (und durch den ohnehin begrenzten Platz) jedoch automatisch in den Hintergrund.  

Als Reiseschmöker eignet sich das Buch aufgrund seines unpraktischen Formats nur bedingt. Es fällt wohl eher in die Kategorie „Coffee Table Book", im Buchwesen eine Bezeichnung für großformatige Bildbände, die ihren Platz traditionell auf Beistelltischen neben Sofas finden, um nach Lust und Laune in ihnen zu blättern. Im Fall von „The Book of Cities" wird man seine Freude daran haben. Weil es zum Träumen verführt und verborgene Reisesehnsüchte an exotische, geheimnisvolle, verrückte Orte weckt.  

Fazit: Eine einzigartige Reise durch 250 spannende Metropolen dieser Welt!

(Text: Julia Hanel)

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