Kultur / Literatur 08.07.10
Text: Julia Hanel
Hohen literarischen Anspruch sucht man bei Jaud vergebens. Seine Bücher zeugen weder von Innovation noch Tiefgang. Sie handeln von alltäglichen Situationen, erzählen Geschichten aus dem Leben. Im Zentrum stehen dabei Durchschnittsmenschen, Chaoten, Versager. Ein solcher ist auch Peter „Pitschi" Greulich, PR-Mann der Provinz-Brauerrei „Seppelpeter's". Er lebt in Bamberg, einer idyllischen fränkischen Kleinstadt mit urigen Häusern und ebenso urigen Menschen. Heimelig, gemütlich und...langweilig. Als wäre das nicht schlimm genug, treten seine Kumpels plötzlich alle vor den Traualtar, während Freundin Bine Kinderwünsche äußert. Da ergreift Pitschi die Panik. Mit einem Trick entwindet er sich dem alljährlichen Liebesurlaub in Mallorca und steigt heimlich in den Flieger nach Buenos Aires. Hauptsache weit weg von Kleinstadt, Einöde und Freundin. Dafür Großstadt-Flair, Party und neue Menschen kennen lernen. Doch wer öffnet in Pitschis neuer Argentinien-WG die Tür? Eine Bambergerin („I hab scho arch Heimweh") Und wer sitzt im Spanischkurs neben Pitschi? Eine Schwäbin („Bisch a aus Schdurgord?") So leicht entflieht man dem Kleinstadtmief eben doch nicht - und seinem Leben erst recht nicht.
In erster Linie profitiert „Resturlaub" von einem launigen Unterton, der durchgehend mitschwingt - angefangen bei der Beschreibung von Pitschis fränkischer Heimat und deren gemütlicher Verquertheit. Sein Globetrotter-Pech und der naive Abenteurerleichtsinn sorgen zusätzlich für jede Menge Komik. Hin und wieder greift Jaud jedoch auch auf altbekannte Arschgeweih- und Blondchenwitze zurück, was das Niveau des Humors ein wenig drückt.
Schauspieler Christoph Maria Herbst gab bereits Jauds „Vollidiot" Simon Peters seine Stimme. Ihn auch in „Resturlaub" als Sprecher einzusetzen, war definitiv eine gute Entscheidung, sorgt er doch allein mit seiner amüsanten Erzählweise für großen Hörspaß. Die Nachahmung des fränkischen Dialekts gelingt ihm leider nur bedingt, was jedoch eine ungewollte Form der Komik erzeugt (zumindest für alle Franken).
Inhaltlich behandelt „Resturlaub" die übliche Geschichte eines überforderten Mittdreißigers, der Panik bekommt, so bald es ernst wird und in die weite Welt flüchtet, um zu sich selbst zu finden. Das gab es in ähnlicher Form bereits 1822 bei Joseph von Eichendorff und seiner Novelle „Aus dem Leben eines Taugenichts". Es ist also nicht so, dass Jaud hier ein Lebensgefühl beschreibt, das vor ihm noch keiner in Worte gefasst hat. Aber er tut es auf sehr erfrischende Weise. Dass die Handlung dabei ein wenig überzogen erscheint und zwischenzeitlich auseinanderdriftet, kann da verkraftet werden. Auch, dass sich gerade die Argentinien-Passage etwas zieht, fällt nicht allzu schwer ins Gewicht.
Wer „Vollidiot" mochte, wird „Resturlaub" auch mögen, den Humor, die Erzählweise, die Figuren. Nicht weil hier literarische Bildung vermittelt wird. Diesen Anspruch erhebt Jaud erst gar nicht. Er möchte seine Leser und Hörer unterhalten, sie zum Lachen bringen, ihnen Spaß bereiten. Und das gelingt ihm auch. Wie immer. Wer von diesem Spaß nicht genug hat, kann sich Pitschis Chaotentrip auch bald auf der großen Leinwand ansehen - mit Tatort-Kommissar Maximilian Brückner in der Hauptrolle. Ob der wohl besser Fränkisch spricht?
(Text: Julia Hanel)
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titelthema
Der amerikanische Blick auf Europa |
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