Kultur / Literatur 26.08.10
Text: Julia Hanel
Nur einer der insgesamt 24 Tribute kann am Ende übrig bleiben und als ruhmreicher Held in seinen Distrikt zurückkehren. Wer überleben will, braucht eine kluge Strategie, Kraft und Ausdauer, sowie die Gunst des Fernsehpublikums. Denn das brutale Großereignis wird im ganzen Land übertragen. Wer das Publikum begeistert, hat die Chance auf Sponsoren und kleine Unterstützungen wie Wasser, Verbandszeug oder Waffen.
Als ihre kleine Schwester Prim ausgelost wird, zögert Katniss Everdeen nicht lange und meldet sich freiwillig an ihrer Stelle. Seit ihr Vater bei einem Grubenunglück ums Leben kam, sorgt die 16-Jährige für das Überleben von Mutter und Schwester, geht illegal auf Jagd und verdient Geld durch den Verkauf des Fleischs.
Gemeinsam mit Peeta, der als männlicher Tribut gelost wurde, zieht sie in die Arena ein. Im Überlebenskampf schließen sich die beiden Jugendlichen aus Distrikt elf zusammen - mit ungeahnten Folgen. Denn nur einer von ihnen darf die Arena lebend verlassen.
„Die Tribute von Panem" ist der Auftakt einer Trilogie der amerikanischen Autorin Suzanne Collins. Ihre fünfteilige Jugendbuchreihe um „Gregor und die graue Prophezeiung" wurde bereits Anfang 2000 zum internationalen Bestseller. Mit der schockierenden Geschichte um den Überwachungsstaat Panem und seine blutrünstigen Hungerspiele richtet sie sich nun erstmals auch an ältere Leserschichten.
Einzigartig erscheint vor allem der hier aufgeführte Kontrast von technischem Fortschritt und menschenunwürdigen Lebensverhältnissen. „Die Tribute von Panem" spielt in der Zukunft und erzählt die Geschichte einer Welt, die uns bevorstehen könnte. Der Reality TV-Wahn dominiert die Gesellschaft, die Hungerspiele finden in einer Art High-Tech-Arena statt und das „Kapitol" besteht aus Politikern und Funktionären, die ihre Menschlichkeit durch Schönheitsoperationen verloren haben.
In dieser futuristischen Welt leben jedoch Menschen in nahezu mittelalterlichen Verhältnissen. Elektrizität und fließendes Wasser können sich nur die wenigsten leisten. Geld und Nahrung sind meist knapp, Arznei muss aus der Natur gewonnen werden. Prostitution ist meist ein letzter Ausweg.
Einen bleibenden Eindruck hinterlässt der Roman durch seine subtile Gesellschaftskritik. Die geradlinige, nüchterne Darstellung der Gewaltspiele, die nur der Befriedigung abgestumpfter TV-Voyeure dienen, fasziniert und schockiert zugleich. Dass die Arena dabei teilweise an eine Mischung von „Big Brother" und „Dschungelcamp" erinnert, kommt erschwerend hinzu.
Gelegentlich erinnern „Die Tribute von Panem" an eine Art literarisches Computerspiel. Die Autorin zieht den Leser in eine virtuelle Romanwelt und lässt ihn durch die Protagonistin Kämpfe ausfechten, andere „Figuren" ausschalten und „Bonuspunkte" sammeln. Wer nicht aufpasst, tappt in Fallen, wird angeschossen oder attackiert. Die Autorin trifft hier absolut den Nerv der Zeit.
Wer das Buch zu Ende liest, sieht sich mit einem Cliffhanger konfrontiert. Der zweite Teil der Trilogie ist jedoch bereits auf dem Markt. Da der Roman ebenso spannend endet, wie beginnt, ist ein zweiter Gang in die Buchhandlung nahezu unabdingbar.
Fazit: Intelligente Story für alle Altersschichten!
(Text: Julia Hanel)
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greetz Lilly