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Kultur / Literatur 29.01.12

Ohne Medien - kein Terrorismus!?

Text: Konrad Welzel

Buchrezension: Das System »Terror«
Schriftstücke über terroristische Systeme gibt es viele. Das Buch „Das System »Terror«" von Peter Fuchs geht einen anderen Weg und stellt dabei die gewagte These auf, dass der Terrorismus ausgerottet wird, wenn die Medien nicht mehr darüber berichten.

„Terror ist mittlerweile zu einem Weltproblem geworden. Dabei liefern die Massenmedien typisch die Bildvorlagen", heißt es im Klappentext zum Werk „Das System »Terror«". Der Autor Peter Fuchs veröffentlichte 2004 das Buch als eine Art empirische Analyse der gesellschaftlichen Kommunikation in Bezug auf den globalen Terror.

Um den Terror greifbar zu machen, versucht der Soziologe Fuchs diesen als ein „Sozialsystem" einzuordnen. Grundlegend ist darin die Kommunikation. Ohne Kommunikation gibt es kein soziales System. Und ohne soziales System keine funktionierende Gesellschaft.
Zwar will Fuchs den Terror damit in keiner Weise unterstützen oder für gut heißen; aber durch die Einordnung in ein Sozialsystem wird es ein Teil des gesellschaftlichen Lebens. Ein „parasitäres Element", wie es der Autor bezeichnet.

Das Problem der Terroristen ist der fehlende Angriffspunkt. In ihrer Kommunikation, um ihre Ziele zu erreichen, gibt es keinen klaren Ansprechpartner. Es geht ihnen in der Regel um grundsätzliche Systemfragen und eine Änderung der gesamten Weltordnung. Doch wie kann man diese Dinge verändern und an wen wende ich mich dafür?

Die terroristische Antwort ist eine möglichst große Schaffung von Unordnung. Durch gezielte Anschläge - und auch unkoordinierte Selbstmordattentate - sollen Nadelstiche gesetzt werden und Angst geschürt werden. Diese Furcht wiederum soll die Menschen und letztlich die Politik zu einem Umdenken zwingen.

Eine bedeutende Rolle schreibt der Autor den Massenmedien zu. Laut Fuchs unterstütze die globale Berichterstattung über terroristische Akte deren Erfolge. Die These lautet hierbei: Stoppen die Medien ihr Interesse an den blutigen Anschlägen, kommt auch der Motor der Terroristen ins Stocken.

Dieser gewagte Ansatz fordert eine gewisse Zensur. Die Frage ist, ob sich Terror wirklich bekämpfen lässt, indem einfach nicht mehr darüber berichtet wird. Oder ob es langfristig ergiebiger ist, die Hintergründe und die Anschläge medial aufzuarbeiten und nach Lösungen zu suchen.

Am Ende des Buches bleiben in erster Linie viele Fragen offen. Für Systemtheoretiker bietet das Werk sicherlich interessante neue Gedanken und Interpretationen in Bezug auf die Kommunikationsstränge in Gesellschaften. Dennoch kann und will sich selbst Fuchs nicht festlegen, ob überhaupt der grundlegende Ansatz eines sozialen Systems des Terrors haltbar ist. Vielmehr ist es lediglich ein Versuch der Annäherung an ein nicht greifbares Element der Neuzeit.

Information: Das System »Terror«, Transcript Verlag, Bielefeld 2004, 120 Seiten, Preis: 13,80 Euro.

(Text: Konrad Welzel)

Kommentare

avatar Jerome
+1
 
 
Jawoll Konni, sehr schöne Rezension. Kenne das Buch zwar nicht, aber ein wenig die Theorie. Terrorismus hat sich zumindest schwer zu einem "Wir-versusSie" gewandelt. Terrorist hängt im Prinzip immer von der Perspektive ab, wen wir als Terrorist bezeichnen, würde sich natürlich eher Freiheitskämpfer nennen. Und diese Konstellation ist sicherlich durch die Medien begünstigt. Grade der Spiegel o.ä. seit dem deutschen Terror in den 70ern. Und spätestens seit dem 11.09. ist jegliche Objektivität ad acta gelegt worden...

MfG

Jerome
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avatar Konrad
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Danke dir Jerome,
in diesem Buch spricht der Autor, Peter Fuchs, von Terroristen als die typischen, medial verbreiteten Selbstmordatten täter, die sich in irgendeinem Café in die Luft sprengen.
Die Theorie ist eben, dass die Medien gar nicht mehr darüber berichten - um den potentiellen Terroristen die Lust an der Suche nach Aufmerksamkeit durch solche Anschläge zu nehmen.
B
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