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Kultur / Literatur 23.04.08

Jan Weiler: "Es ist eigentlich nie irgendwas meine Idee"

Text: Lena Meyer

jan_weiler_bildgre_ndern.jpgEin Interview zum Welttag des Buches
Populär geworden ist der Münchner Autor und Kolumnist Jan Weiler mit seinem erfolgreichen Debütroman „Maria, ihm schmeckt's nicht". Es folgten weitere hoch gelobte Publikationen und die wöchentliche Kolumne im stern „Mein Leben als Mensch". Im Zentrum seines aktuellen Bühnenprogramms steht das Reisetagebuch „In meinem kleinen Land" (2006), welches bestrickend amüsant Eigenarten und Facetten deutscher Bürger und Städte unter die Lupe nimmt. Im Interview mit back view spricht er über sein Dasein als Kolumnist und Autor und gewährt einen Einblick in sein neues Buch, das im September erscheinen werden.

back view: Mit „Maria, ihm schmeckt's nicht" fing alles an.
Wie zufrieden sind Sie mit Ihrem derzeitigen Dasein als Kolumnist und Autor?
Jan Weiler: Also, jetzt im Augenblick bin ich sehr unzufrieden, weil ich ein neues Buch schreibe. Es ist wahnsinnig viel Arbeit und niemand anders schreibt das für mich. Ich muss alles selber machen. Das nervt mich. Aber sonst, im Allgemeinen, bin ich sehr zufrieden.

Sie haben mal gesagt, Sie seien ein brutaler Existenzängstler und müssten ständig arbeiten. War diese Angst auch Anstoß für den Reisetagebuch-Weblog auf zeit.de, den Sie während Ihrer Lesereise 2005/2006 führten und der letztlich in dem Buch „In meinem kleinen Land" mündete?

Nee. Ich war dann rückblickend sehr froh, dass ich das habe machen können, damit ich sozusagen die Tage bis zu den Auftritten nutzen konnte. Aber meine Idee war das nicht. Das war, glaube ich, die Idee von der ZEIT, die gefragt haben, ob ich Lust hätte, so einen Blog zu schreiben.

Aber dass der Blog dann schließlich als Buch erschien, das war dann Ihre Idee?
Nee, auch nicht. Ich hab' nie Ideen. Ich werde immer gefragt, ob ich etwas mache (holt tief Luft) und dann mach ich das auch. Weil ich mich nicht traue, nein zu sagen. Also wenn Sie jetzt zu mir sagen, Sie hätten gerne, dass ich Ihnen einen Krimi schreibe oder so, dann werde ich darüber nachdenken und vermutlich einen Krimi schreiben. Nee, es ist eigentlich nie irgendwas meine Idee.

Noch mal zurück zu dem Buch „In meinem kleinen Land". Drängt es Sie noch zu weiteren Deutschlandreisen oder haben Sie erst mal genug von „Ihrem kleinen Land"?
Das geht immer weiter. In diesem Jahr sind es ein bisschen weniger Auftritte, weil ich ja dieses neue Buch schreiben muss. Aber trotzdem sind es glaube ich noch so um die 50 oder 60. Letztes Jahr waren es etwa 100 Auftritte. Dieses Jahr sind es ein bisschen weniger und nächstes Jahr werden es dann wieder mehr. Aber jetzt wiederholen sich die Städte langsam.

Genau, jetzt kommen Sie ja schon zum zweiten Mal nach Jena. Was ist Ihnen denn von Ihrem ersten Aufenthalt noch im Gedächtnis geblieben von der Stadt oder einfach allgemein?
Mal nachdenken. Ich war in diesem tollen Museum, diesem Optischen Museum. Und weil ich selber Brillenträger bin, ist das natürlich ein totales Must-Have (lacht). Mir hat Jena ganz gut gefallen. Ich hab dann hinterher irgendwie Ärger bekommen mit so einer merkwürdigen Zeitungsfrau. Die hatte einen Fehler entdeckt in dem Text über Jena und hat sich dann zu der Behauptung verstiegen, im ganzen Buch würde es von Fehlern nur so wimmeln, bloß weil sie einen gefunden hatte. Und dann hab ich irgendwie Streit mit der gehabt. Das war sehr unerfreulich. Aber sonst war Jena eigentlich eine schöne Erfahrung, das war ganz nett da.

Jetzt kommen wir mal zu einem anderen Thema. Sie leben ja in der Nähe von München am Starnberger See. Inwiefern entsprechen Sie denn dem Klischee des typischen Bayern?
Gar nicht, weil ich Düsseldorfer bin. Ich bin ja Zugereister. Das heißt, man könnte auch sagen: Ich arbeite heftig an einer Positivierung des bayerischen Images.

Also möchten Sie sich nicht dem bayerischen Klischee anpassen?
Naja, das ist ja eh doof. Also, ich kenne auch privat niemanden, der in Lederhosen rumrennt. Es ist ja jetzt nicht so, dass diese in Japan oder den USA populäre Folklore sich im Alltag widerspiegeln würde. Das ist ja in anderen Gegenden Deutschlands auch nicht unbedingt der Fall. Ich leb' hier gern, die Menschen um mich herum sind unheimlich nett und meine Kinder haben's hier gut. Also ich find's hier ganz prima.

Naja, aber bekennender Bayern-Fan sind Sie ja schon und mögen meines Wissens auch die Musik der Sportfreunde Stiller recht gern. Was fasziniert Sie denn an diesem Münchner Musiktrio?
Ach, das ist ganz nett. Der Flo Weber und ich sind im selben Verlag und er hat mal ein kleines Buch geschrieben über seine Vergangenheit als Fußballspieler und ich hab ein kleines Buch geschrieben, auch über einen jugendlichen Fußballer. Darüber haben wir uns kennen gelernt, sind mal zusammen aufgetreten. Das sind irrsinnig nette Jungs und damit hat sich's schon. Also wir sind jetzt nicht irgendwie richtig tief miteinander befreundet aber wir mögen uns und schicken uns SMSse oder Mails.

Der Flo Weber hat ja auch einen Gastaufritt in dem Hörbuch von „In meinem kleinen Land".
Ja, genau. Als Sechziger. Also, er ist ja Sechziger (Anhänger des TSV 1860 München Anm. der Red.). Der Peter Brugger, der Sänger der Sportfreunde Stiller, ist Bayern-Fan, Flo aber ist Sechziger. Und als Sechziger Fahrer oder Masseur hatte er einen kleinen Gastauftritt auf der CD von „In meinem kleinen Land". Aber es sind viele Gastauftritte dabei.

Noch eine letzte Frage: Sie haben eben schon Ihr neues Buch erwähnt, das im September erscheinen wird. Was dürfen wir denn davon erwarten? Können Sie schon ein wenig zum Inhalt sagen?
Ja, damit quäle ich mich ja gerade rum. Das ist ein Roman über eine Gruppe von Leuten, die in einer therapeutischen Einrichtung leben und dort eine Gruppentherapie machen. Und sozusagen zur Übung, als gruppentherapeutische Übung also, entführen die einen Topmanager.

Und mehr wird noch nicht verraten?
Mehr möchte ich ungern verraten, weil ich Ihnen ja nicht den Spaß verderben will.

Dann bedanke ich mich für das Interview und wünsche Ihnen noch einen schönen Tag.
Alles klar, bis dann.

(Text: Lena Meyer / Foto: Ullstein Verlag)

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