So wirklich damit gerechnet, hatte kaum einer. Als Jugendliche war sie ein Star - dann als Erwachsene noch einmal durchstarten? Marit Larsen aber glaubte an sich und ihre Musik und versuchte es nach einer fast vierjährigen Auszeit Anfang 2006 noch einmal. Mit der Singleauskopplung „Don't Save me" aus ihrem ersten Soloalbum „Under the Surface" gelang ihr der erste Nummer Eins Hit in ihrer Heimat Norwegen.
Dabei hatte Larsen schon in ihren Teeniejahren großen Erfolg mit ihrer Musik. Mit 16 Jahren startete Larsen mit ihrer Kindheitsfreundin Marion Ravn das Popduo M2M. Zunächst sangen sie vor allem Kinderlieder, ehe 2000 die Single „Don't Say You Love Me" erschien, die auf dem Soundtrack des Pokemon-Films vertreten war. Das Lied war ein großer Erfolg, nicht nur in ihrer Heimat Norwegen, sondern auch in Dänemark, Finnland, Südkorea und Thailand. 1,1 Millionen Mal verkaufte sich das Debütalbum „Shades Of Purple" weltweit. Daraufhin ging M2M als Vorgruppe der Band Hanson auf Tournee durch die USA, Kanada und Mexiko und traten auch in der Fernsehserie „Dawson's Creek" auf.
Obwohl Larsen und Ravn daran arbeiteten, ihr Pokemon-Image loszuwerden, schafften sie es nicht. Auch das zweite Album verkaufte sich schlechter als erwartet. Sie gingen noch einmal als Vorband mit Jewel auf Tour, wurden aber noch während der Tour aus „ökonomischen Gründen" von der Plattenfirma nach Norwegen zurückgeholt, wo sich das Duo 2002 auflöste.
Ravn erhielt sofort einen Vertrag, trat aber auch erst 2005 unter dem Künstlernamen Marion Raven mit dem Album „Here I Am" wieder auf. Dabei kam sie aber nicht an frühere Erfolge heran. Ihr größter Erfolg war das Duett „It's All Coming Back To You", das sie mit Meat Loaf sang. Es hielt sich 21 Wochen in den Charts, unter anderem auf Platz 1. Dann aber war es Marit Larsen, die ihre ehemalige Kollegin überholte.

Schon Ende 2004 wollte Larsen zurückkommen und arbeitet an ihrem ersten Soloprojekt, das sich musikalisch von ihrer Zeit bei M2M unterschied. Nicht nur sie selbst war älter, auch ihre Musik war reifer geworden. Larsen, die nahezu alle Lieder selbst schreibt, legte einen Schwerpunkt auf die instrumentelle Begleitung und lyrische Texte.
Nach ihrem Megahit „Don't Save Me", landete auch die zweite Auskopplung „Under The Surface" auf Platz 1 der Charts und wurde zur bisher erfolgreichsten Single von Larsen. Noch im gleichen Jahr gewann sie den MTV European Music Award als beste norwegische Künstlerin. Auch in Norwegen wurde sie mehrfach ausgezeichnet. Sie erhielt die höchste musikalische Auszeichnung, den Spellemannprisen in den Kategorien „Beste Sängerin" und „Bestes Musikvideo" (für „Don't Save Me"). Außerdem war sie in der Kategorie „Hit des Jahres" mit „Don't Save Me" nominiert, allerdings triumphierten hier Espen Lind, Kurt Nilsen, Alejandro Fuentes und Askil Holm mit „Hallelujah"
Im September 2006 folgte die dritte Singleauskopplung „Only A Fool", mit der Larsen auf Platz 3 landete, dem bisher schlechtesten Abschneiden eines ihrer Songs. Im Januar 2007 nahm sie mit „Solid Ground" wieder Platz 1 der norwegischen Singlecharts ein. In diesem Jahr erhielt sie den Musikpreis Alarmprisen in der Kategorie Pop.
Nach einer einjährigen Publikationspause kam sie im Sommer 2008 mit ihrem zweiten Soloalbum „The Chase" zurück und landete mit „If A Song Could Get Me You" erneut auf Platz 1 der norwegischen Charts. Sie erhielt den Ehrenpreis des norwegischen Artistenverbundes, der an heimische Künstler vergeben wird, die entweder durch ihre Darstellung, ihre Komposition und/oder ihre Texte herausragende Leistungen erbringen.
Doch mit „If A Song Could Get Me You" reichte der Erfolg auch über Larsens Heimatland Norwegen hinaus. Der Song war in Deutschland ab Sommer 2009 unter anderem in einer Jeans-Werbung zu hören und wurde von den Radiostationen bald aufgegriffen. „If A Song Could Get Me You" kletterte in Deutschland und Österreich auf Rang 1 der nationalen Charts, in der Schweiz kam Larsen auf Platz 2. Speziell für die deutschsprachigen Länder erschien das Album „If A Song Could Get Me You", das Songs der beiden zuvor in Norwegen erschienen Alben enthält. Für 2010 ist sie zusammen mit Beyoncé, Whitney Houston, Lady Gaga und Pink als beste internationale Popsängerin für den Echo nominiert.
Derzeit ist Larsen mit ihrer Band - von einigen Bandmitgliedern wird sie seit sieben Jahren begleitet - auf großer Deutschlandtournee, nachdem sie im vergangenen Jahr noch als Support von Jason Mraz durch die Hallen getourt ist. Larsen legt wert auf eine große musikalische Begleitung. Instrumente spielen eine zentrale Rolle. Ihre Eltern, die beide Musiker sind, begleiteten sie bereits bei Auftritte. Ihre Mutter wollte ihr einst verbieten, Pianospielen zu lernen, weil sie Angst hatte, Druck auf ihre Tochter auszuüben. Larsen lernte es dennoch, genau wie das Spielen von Ukulele, Gitarre und Mundharmonika.

Zu früheren Zeiten trat sie in Norwegen mit ihrer Mundharmonika auf und wurde von ihrem Vater, der im Osloer Philharmonie Orchester spielt, begleitet. Auch ihr Lebenspartner ist musikalisch. Larsen ist mit ihrem ehemaligen Sänger und Bandmitglied Thomas Helland liiert. Er verließ die Band, nachdem die beiden ein Paar wurden und beschlossen, getrennte musikalische Wege zu gehen. Helland tritt unter dem Künstlernamen „Thom Hell" auf und gewann 2008 in zwei Kategorien den Spellemannprisen, unter anderem als bester männlicher Artist für sein drittes Album „God, If I Saw Her Now".
Gleichzeitig zur Deutschlandtournee von Larsen, die vergangenen Montag in Hamburg startete, wurde nun auch in Deutschland „Under The Surface", der bisher erfolgreichste Titel in Norwegen, veröffentlicht. Dieses Lied hat sich allerdings noch nicht ganz etabliert, zu häufig wird noch immer „If A Song Could Get Me You" gespielt.
Außerdem hat Larsen schon das nächste Projekt abgeschlossen - und das nicht allein. Mit dem belgischen Sänger Milow, der mit „Ayo Technology" die zweitbeste Singleplatzierung in den deutschen Charts im Jahr 2009 erreichte, war sie am 17. Januar im Studio. Die beiden nahmen Milows Song „Out Of My Hands" neu auf. Das Lied soll im März erscheinen - auf dem Re-Release des Albums „If A Song Could Get Me You".
(Text: Miriam Keilbach / Fotos: Miriam Keilbach)
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