Panorama / Einblick 12.01.10
Text: Ronja Heintzsch
Die Bruderschaft Prieuré de Sion wurde 1956 von Pierre Plantard in Annemasse, Frankreich, gegründet. Der Name bedeutet so viel wie „Kloster von Zion". Bis heute sind die wahren Hintergründe der Geheimgesellschaft nicht bekannt. Einzig und allein die Verschwörungstheorie um den Heiligen Gral taucht immer wieder auf und stand bis zum Tod Plantards im Jahr 2000 im Vordergrund der Organisation. Trotz Behauptungen, es handle sich bei den Prieuré de Sion lediglich um Esoterik und gemeinsam fantasierten, ketzerischen Irrsinn, wird der Bruderschaft auch nachgesagt, sie hätte politische Ziele verfolgt.
Die zentrale Verschwörungstheorie
Die Prieuré de Sion verfolgten hauptsächlich das Ziel, ihre Verschwörungstheorie in Form gefälschter Dokumente unter die Menschen zu bringen. Die von Plantard imitierten Pergamente wurden Museen untergeschoben, um sie glaubwürdig zu machen. Diese enthielten immer einen Hinweis auf die Prieuré de Sion, die angeblich seit Jahrhunderten im Besitz eines Geheimnisses waren, das das Christentum erschüttern würde. Bei diesem Geheimnis handele es sich um die Behauptung, dass bis heute Nachkommen Jesus Christus‘ existierten. Zu Lebzeiten sei dieser mit Maria Magdalena liiert, möglicherweise sogar verheiratet gewesen, weshalb die Theorie auch allgemein als ketzerisch angesehen wird. Nach seinem Tod floh die von ihm schwangere Maria mit Josef von Arimathäa nach Europa, wo sie ihr Kind zur Welt brachte. Diese Spekulation stützt sich auf die alte Gralslegende. Es wird vermutet, dass „san greal" [heiliger Gral] eigentlich „sang réal" [königliches Blut] bedeuten sollte - und Maria somit nicht ein kelchförmiges Gefäß, sondern förmlich das Blut Jesu in sich nach Europa trug. Plantard fälschte geschickt Dokumente, die wiederum darauf hindeuteten, dass die fränkischen Merowingerkönige Nachkommen Jesu Christi seien und setzte sich selbst an das Ende des Stammbaums. Aus Dokumenten und Urkunden, die in seinem Haus gefunden wurden, geht hervor, dass sich Plantard als „wahren König Frankreichs" betrachtete. Zudem wurde behauptet, dass Berühmtheiten wie Leonardo da Vinci, Claude Debussy und Sir Isaac Newton der Geheimgesellschaft angehörten.
Bekannt geworden ist die Bruderschaft Prieuré de Sion durch das Buch sowie den Film „The Da Vinci Code - Sakrileg" ("Spannende Hetzjagd durch Rom"). Diese Erzählung beginnt mit der Ermordung des Großmeisters im Louvre und dem Mord an drei Seneschallen. Tatsächlich besitzt die Geschichte Plantards nach wissenschaftlichen Erkenntnissen jedoch keinen Funken Wahrheit und entstammt nur seinem Größenwahn.
(Text: Ronja Heintzsch)
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