Panorama 09.04.08
Text: Miriam Keilbach
Der tibetische Buddhismus akzeptiert nur einen Gebieter: Den Dalai Lama. Nicht nur religiös sondern auch politisch stellt der Dalai Lama das Oberhaupt der Tibeter dar - und das schon seit 1578. Sein Herrschaftsbereich gilt größtenteils für die beiden kulturhistorisch bedeutendsten Gebiete Tibets, Ü-Tang, die sich aus dem Gebiet Ü - in der die tibetische Hauptstadt Lhasa liegt - und der Region Tsang zusammensetzt.
Als Wiedergeburt Tschenresis (Buddha des Erbarmens), der auf seine eigene Erlösung verzichtete und wiedergeboren wird, bis alle Menschen erlöst sind, hat der Dalai Lama eine große Verantwortung für das tibetische Volk.
Als Lhamo Thondup zwei Jahre alt war, wurde ihm zugesprochen, die Reinkarnation des 13. Dalai Lamas zu sein. Mit vier Jahren eroberte er den Potala-Palast in Lhasa, am 22. Februar 1940 wurde er durch die Sitrigasol-Zeremonie offiziell zum 14. Dalai Lama und hieß ab sofort Jetsun Jamphel Ngawang Lobsang Yeshe Tenzin Gyatso.
Am 15. November 1950 die Herrschaft über Tibet übernehmen, da die chinesische Volksbefreiungsarmee im Land hinter dem Himalaya einfiel. Am 10. März 1959 gab es einen Volksaufstand des tibetischen Volks, der in den folgenden eineinhalb Jahren etwa 90.000 Tote auf Tibeter Seite forderte. Nach dem Rat des Nechung-Orakels sah der Dalai Lama sich gezwungen, ins Exil nach Dharamsala in Indien zu fliehen und sein Land von dort aus zu regieren, mit dem Ziel, das Leid der Tibeter zu verringern und eine breitere Öffentlichkeit auf das Elend der Tibeter aufmerksam zu machen. Bereits 1963 stellte er eine demokratische Verfassung vor, die von China nicht anerkannt wurde. Er selbst hätte in dieser Verfassung lediglich eine repräsentative Pflicht.
1989 erhielt der 14. Dalai Lama den Friedensnobelpreis. Schon 1954/55 reiste seine „Seine Heiligkeit" nach Peking, um das Gespräch mit Mao Tse-Tung und anderen Verantwortlichen auf chinesischer Seite zu suchen, um eine friedliche Lösung für die Tibetfrage zu finden. Aber die Konversation endete ohne Ergebnis. Dennoch versucht der Dalai Lama weiterhin, den Dialog mit China zu suchen, bisher weigerte sich die chinesische Führung allerdings und stellte klar, dass sie mit dem Dalai Lama nicht verhandeln wollten.
Neben seiner Aufgabe als Oberhaupt der Tibeter ist der 14. Dalai Lama sehr um die Beziehung der Menschen untereinander bemüht, religiös wie allgemein, in Tibet wie auf der ganzen Welt. Er reiste rund um den Globus, hielt Vorträge und schrieb Bücher und Artikel. Obwohl er buddhistischer Mönch ist, ist der Dalai Lama als Freund des Christentums bekannt. So reiste er desöfteren in den Vatikan und hatte eine persönliche Freundschaft mit Papst Johannes Paul II.
back view-Webtipp: http://www.dalailama.com/
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