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Politik / International 10.08.11

Die große Hungersnot: Wieso hat niemand früher reagiert?

Text: Ronja Heintzsch

tt_back_viewEin Blick auf die Fehler der Vergangenheit
Am Horn von Afrika spielt sich die größte Hungerkatastrophe seit 60 Jahren ab. Doch was ist die Ursache für all das Leid, dass die Somalier nun stärker trifft als je zuvor? Dürre-Perioden gab es schon immer. Wieso sind Politiker in Hinsicht auf eine Finanzkrise allwissend aber in Somalia ahnungslos?



Somalias Landwirtschaft ist seit jeher geprägt von den stetig hohen Temperaturen zwischen 30 und 40  Grad Celsius, denen das Land und die Bevölkerung ausgesetzt sind. Für gewöhnlich wechselten sich Trockenperioden mit monsunähnlichem Regen ab und sorgten so dafür, dass die Felder ertragreich blieben. Die letzten beiden Regenzeiten blieben jedoch aus. Ein Desaster für das Land, das die Menschen in eine akute Notlage trieb. Der wachsenden Bevölkerung stehen weder landwirtschaftlich nutzbare Flächen, noch Möglichkeiten zur Bewässerung zur Verfügung.

Nicht nur Somalias klimatisches Gleichgewicht ist fragil, auch die Politik tut ihr Übriges. Denn die radikalislamische Gruppierung der Schabab-Milizen vertrieb Hilfsorganisationen aus dem Land, sodass die südsomalische Bevölkerung bis vor Kurzem abgeschnitten von jeglicher Hilfe war. Nun sieht sich die Schabab gezwungen, Organisationen in die betroffenen Regionen zu lassen und die Menschen mit Nahrungsmitteln zu versorgen - doch die reichen bei Weitem nicht aus. Somit ist auch die innenpolitische Instabilität Somalias ein Grund für die Hungersnot.

Als Ursache für die ungewöhnlich starke Dürre in Ostafrika darf der Klimawandel nicht außer Acht gelassen werden. Denn durch Veränderungen und das Ausbleiben des Monsuns ist Somalia mehr und mehr gleißender Sonne ausgesetzt. Wenn die Monsun-Niederschläge nicht mehr wie gewohnt zwei Mal im Jahr eintreten, ist die wasserarme Region hilflos.

Experten sagen nun, dass viel früher auf die Katastrophe in Ostafrika hätte reagiert werden können. Der Klimaforscher Mojib Latif erklärte dem Flensburger Tageblatt, dass „seit mehr als einem Jahr" vor der Dürre in Somalia gewarnt worden sei. Doch gehandelt habe keiner, weswegen man die Ignoranz der Politik durchaus mitverantwortlich für die Hungerleidenden machen kann. Das Wetterphänomen „La Niña" trage laut Mojib Latif Schuld an der Katastrophe: Der abgekühlte Pazifik in der Äquatorialebene ließ vermutlich die zwei Regenzeiten in Ostafrika und vornehmlich in Somalia ausbleiben.

Wenn vor einem Jahr entsprechende Maßnahmen ergriffen worden wären, würde sich die Hungersnot nun in verminderter Form abspielen. Doch die Regierungen gaben sich allesamt überrascht, wenngleich die "Klimadaten für Regierungen in aller Welt verfügbar" waren. Die Prognosen würden, so Latif, zu einer 80-prozentigen Wahrscheinlichkeit eintreffen. Nahrungsmittel- und Wasservorräte hätten von den Vereinten Nationen bereitgestellt werden können, um dem Elend in Somalia vorzubeugen.

Nun versucht die Welt überstürzt der hungernden Bevölkerung zu helfen. Doch diese wird in Zukunft vor weitaus größere Probleme gestellt sein, wenn sich die Dürre, wie die Experten vorhersagen, wiederholt. Jetzt sind die Politiker dieser Welt gefordert, in aller Eile und gegen alle Widrigkeiten Lösungen zu finden.


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(Text: Ronja Heintzsch)

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