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Politik / Deutschland 17.02.12

Der Junkie aus dem Schloss Bellevue

Text: Konrad Welzel

senf_teaserSenf der Woche: Die Droge Macht
Bundespräsident Christian Wulff ist tatsächlich zurückgetreten. Ein Schritt, auf den Deutschland seit Wochen vergeblich gewartet hat. Doch warum räumt Wulff erst jetzt das Feld, das schon längst brach liegt? Es liegt wohl an dieser unglaublichen Anziehungskraft der Droge Macht.



Empfänge, Geld, Prunk und Medienaufmerksamkeit - politische Macht ist eine Droge, der sich Politiker scheinbar nur schwer entziehen können. Christian Wulff hat in den vergangenen Wochen und Monaten eindrucksvoll gezeigt, wie abhängig er von dieser Autoritäts- und Herrschaftsposition als Bundespräsident war.
Regelrecht besessen klammerte er sich an das Amt, an das Schloss Bellevue und an seine lupenreine Vergangenheit als niedersächsischer Ministerpräsident. Ein Mann, der doch gar nicht so dumm sein kann. Schließlich hat er Abitur, er hat Rechtswissenschaften in Osnabrück studiert und er hat es schließlich zum höchsten Amt der Bundesrepublik geschafft.

Warum verliert ein solcher Mann jegliches Reflexionsvermögen? Muss er nicht selbst gemerkt haben, wie abhängig er von der Macht-Droge ist? Und hätte er sich nicht selbst schon viel früher eingestehen müssen, dass er seine Machtspritzen der vergangenen Jahre nicht ordentlich entsorgt hat?

Die einzige Erklärung für mich ist: Durch das ständige Betanken seiner Venen mit der Politik-Droge hat er die Kontrolle über sich selbst verloren. Die ständige Medienpräsenz der vergangenen Wochen hat ihn wohl zu einer Überdosis des Rauschgiftes verleiten lassen.
Realität und Wulff`sche Traumwelt sind immer mehr verschwommen und selbst letzte Rettungsversuche durch Fernsehinterviews sind kläglich gescheitert. Es waren seine letzten Macht-Drogen-Trips seiner Karriere als Bundespräsident.

Wie mag es jetzt weiter gehen mit dem gescheiterten Wulff? Wird der Macht-Junkie aus seinen Fehlern lernen? Blickt man auf Guttenberg, muss man wohl eher den Kopf schütteln. Auch Guttenberg war besessen von dieser mächtigen Parallelwelt und gab erst auf, als er sein Drogenbesteck der gefälschten Doktorarbeit nicht mehr vertuschen und schön reden konnte.

Empfänge, Geld, Prunk und Medienaufmerksamkeit - politische Macht ist eine Droge, der sich Politiker nicht entziehen können und auch gar nicht wollen! Die Medien ziehen diese Junkies einerseits zwar immer weiter in den Drogensumpf hinein - durch öffentliche Auftritte und Berichterstattungen. Auf der anderen Seite scheinen sie aber auch die einzige Möglichkeit für einen reinigenden Prozess in dieser zugedröhnten Politik-Welt zu sein. Das war schon bei Guttenberg so. Und das ist jetzt auch bei Wulff so.

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(Text: Konrad Welzel / Zeichnung: Christina Koormann)

Kommentare

avatar Jenny
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wow, das ging aber schnell hier... aber ich hab mich das auch schon öfter gefragt. warum die da oben so an ihren posten kleben! deswegen fand ich den text sehr gut und passend! :)
B
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avatar digiwal
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kann dem letzten Kommentar nur uneingeschränkt zustimmen!
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avatar Brotzeitmann
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Mmmh, ich denke, den Rücktritt eines Politikers immer nur mit den Worten Droge, Junkie, Macht und Sucht zu erklären, ist viel zu eindimensional. Da spielt viel mehr mit rein als nur die Geilheit auf den Job. Aber is ja Wurscht, und dazu gehört ein Senf, und der is auch recht geil!
Mahlzeit!
B
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