Gesellschaft / Menschen 10.03.10
Text: Ronja Heintzsch
Wenn Maximillian seine Frau Charlotte anblickt, schaut er in ein Paar katzenhafte, grüne Augen, die ihn seit über 70 Jahren faszinieren und deren Funkeln nie erlischt. Selbst nach sieben Jahrzehnten Ehe und ungezählten Höhen und Tiefen lieben sich die beiden Senioren noch wie am ersten Tag. Begegnet man einem Paare wie diesem, so kann man oben gestellte Frage also zweifelsohne mit einem „Ja" beantworten.
Doch stellt sich zunächst einmal die Frage, was eine lebenslange Liebe überhaupt bedeutet. Denn nicht jede Beziehung hält ewig. Im Zeitalter von Facebook, studiVZ oder schuelerVZ liest man immer wieder Sätze wie „Ich liebe dich für immer" und „Du bist mein Leben" - doch schon nach zwei Monaten ist alles aus und vorbei. Das Problem, an dem die meisten Beziehungen in unserer heutigen Generation scheitern, sind die wichtigsten Voraussetzungen für eine wahre Liebe: Vertrauen, Respekt und Freiheit. Schaut man sich vor allem in der jungen Generation um, so wird einem kaum jemand über den Weg laufen, der im Alter von vierzehn bis sechszehn Jahren mit Sicherheit behaupten kann: „Dies ist meine lebenslange Liebe". Oft verlaufen viele sich in der Vorstellung, ihre erste große Liebe wäre tatsächlich auch die Person, mit der sie den Rest ihres Lebens verbringen würden, was sich lm Endeffekt als falsch herausstellt.
Heutzutage ist unsere Gesellschaft geprägt von Bildern der Hollywood-Single-Mütter, alleinerziehenden Väter und achtzehnjährigen Mädchen mit Kindern, die die Allgemeinheit darin bestätigen, dass es keine lebenslange Liebe gibt: Weil Männer nie zuhören und Frauen schlecht einparken. Weil Beziehungen an fehlendem Geld zerbrechen. Weil es zu viele Angebote wie Speed-Dating gibt, die das Singleleben attraktiver machen. Alles führt vor Augen: „Nein, eine lebenslange Liebe gibt es nicht".
Doch wem es nicht an Willenskraft mangelt, der sucht sein Leben lang nach der wahren Liebe. Denn sie ist nicht verschwunden, wie man am Beispiel von Maximillian und Charlotte und unzähligen anderen merkt. Sie ist nur untergetaucht, weil niemand sie mehr wahrhaben will und, weil sie ausgeblendet wird. Ich selbst bin der festen Überzeugung, dass die lebenslange Liebe noch existiert,und das nicht nur, weil ich als Frau zu oft Titanic geschaut habe. Wer bereit ist, an diese Art von Liebe zu glauben, der wird sie finden. Wer sich mit der Vorstellung tröstet, sie sei mit Rose und Jack Dawson auf der Titanic untergegangen, wird blind auf die Suche nach ihr gehen. Diejenigen werden nicht die Einsicht haben, dass man für diese lebenslange Liebe kämpfen muss und, dass sie nicht einfach zu finden ist. Auch, wenn man auf dem steinigen Weg nach ihr immer wieder hinfällt, ist die lebenslange Liebe immer präsent und bereit, gefunden zu werden. Wer an sie nicht allzu hohe Erwartungen stellt, wer Geduld mit ihr hat, der wird sie sicherlich auch eines Tages finden.
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(Text: Ronja Heintzsch)
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Gefällt mir sowohl inhaltlich als auch sprachlich. Toller Aufbau, spannend geschrieben... *Daumen hoch*