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Gesellschaft / Menschen 10.03.10

Eine Nacht und gut is`

Text: Ronja Heintzsch

tt_back_viewÜber Sinn und Unsinn von One-Night-Stands
One-Night-Stand - das ist zwanglos, ungebunden, aufregend, entspannt und vor allem eins: fern aller Verantwortung. Doch der Begriff „One-Night-Stand" ist in seiner Komplexität wohl deutlich anspruchsvoller, als der Akt an sich. Denn, was mit einer Nacht begann, führt nicht selten auch zu mehr - ob man will oder nicht.


Was ist ein One-Night-Stand?
Bei One-Night-Stands geht es in erster Linie darum, sexuelle Bedürfnisse zu erfüllen. Für die meisten ist es die einfachste Art, ihre sexuelle Lust zu stillen, da One-Night-Stands für gewöhnlich mit einem unbekannten Partner stattfinden. Sie beruhen einzig und allein auf sexueller Basis, denn Liebe ist hier nicht mit im Spiel. Während einige vorher miteinander ausmachen, dass es nur diese eine Nacht geben wird und sich dann mit beidseitigem Einverständnis amüsieren, stürzen sich andere Hals über Kopf unter Alkoholeinfluss in einen One-Night-Stand und bereuen ihn danach bitter. Nach einer Nacht verabschiedet man sich und läuft sich - hoffentlich - nicht noch einmal über den Weg. „Cool" denken sich viele, denn laut Definition trägt man ja keine Verantwortung für die Gefühle des jeweiligen Partners, oder?

Warum One-Night-Stands?
Was für den einen eine willkommene Abwechslung zum stressigen Arbeitsalltag war, war für den anderen vielleicht ein Ausbrechen aus Zwängen, eine Flucht ins Abenteuerliche und mitunter sogar mehr als nur eine Nacht. Männer, die sich in langjährigen Beziehungen langweilen oder Frauen, die aus Trauer um den Ex alles um sich herum vergessen wollen - jeder kann zu einem One-Night-Stand tendieren, wenn die Lebenssituation vor allem eins birgt: Verzweiflung, Einsamkeit und Abenteuerlust. Vielleicht passiert es dem gestressten Banker, den die Finanzkrise in ein Loch gestürzt hat und der zuhause bei seiner ebenso beschäftigten Frau und den drei Kindern keinen Halt findet. Möglicherweise gerät die Buchhalterin auf einer Feier an den neuen Praktikanten, der ihr immer und immer wieder das Glas füllt und dem sie so lange ihr Herz über den Ex-Mann ausschüttet, bis er sie nach Hause fährt und dort eins zum anderen führt. Die meisten wollen flüchten- aus Zuständen, mit denen sie nicht klar kommen und Erwartungen, die sie nicht erfüllen können. Einige tun es, weil sie den Nervenkitzel und das Abenteuer, das mit einem One-Night-Stand verbunden ist, lieben. Manche wollen Erfahrungen sammeln und kümmern sich nicht um die Gefühle des Gegenübers und andere wiederum wollen einfach nur ausprobieren, wie weit sie gehen können.
Doch verspricht ein One-Night-Stand wirklich immer nur einmaligen Spaß oder ist damit noch viel mehr verbunden, als man sich zunächst denkt? Was tut man, wenn sich eine Woche später herausstellt, dass der Partner mehr empfindet als nur pure Lust? Dann trägt man wohl oder übel doch die Verantwortung für die Gefühle des anderen. Geschah ein One-Night-Stand nämlich ohne vorherige klare Abmachungen und Grenzen, so ist es wahrscheinlich, dass sich bei einem der beiden Beteiligten mehr entwickelt. Die Enttäuschung ist umso größer, wenn man die Erfahrung macht, dass man nur „benutzt" wurde. Man fühlt sich hilfloser und einsamer als vor dem One-Night-Stand, also bevor man noch jene Einsamkeit bekämpfen wollte. Aber auch bei klaren Absprachen, ist man nie sicher vor Gefühlen und Zuneigung.

Sollte man also auf One-Night-Stands verzichten, um sich die Enttäuschung zu ersparen oder die Trauer anderer zu vermeiden? Sind die Regeln klar gesetzt und ist man sich vorher im Klarem darüber, dass aus dem einmaligen Ereignis nicht mehr wird, so ist einem One-Night-Stand wohl im Grunde nichts zu entgegnen - gesetzt den Fall, beide Beteiligten sind nicht in einer festen Beziehung. Doch immer wieder scheitern Beziehungen daran, dass sich einer der beiden Partner aufgrund sexueller Unzufriedenheit in einen One-Night-Stand stürzt und die Beziehung daran scheitert. Kommt es jedoch vorsätzlich zu einem One-Night-Stand, sollte man sich immer im Klaren darüber sein, welche Verantwortung man eingeht und inwiefern man sich oder andere verletzen könnte. Denn, wenn ein One-Night-Stand eines nicht ist, dann ist er „fern aller Verantwortung".


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(Text: Ronja Heintzsch)

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