Sport / Wintersport 10.02.10
Text: Miriam Keilbach
„Mein Traum ist es schon seit Jahren, einmal bei den Spielen live dabei zu sein", erzählt die 27-Jährige. Bisher hatte das nicht geklappt. Zu den letzten Winterspielen nach Turin wollte sie bereits, aber irgendwie hat es auch da nicht funktioniert. Inzwischen ist die Nordrhein-Westfälin für den slowenischen Skiverband tätig und hatte so die Hoffnung, wenigstens in diesem Jahr nach Vancouver mitzufahren. Doch wieder hat es nicht so geklappt, wie Jessica Schick sich das erhofft hatte. „Leider ist die Akkreditierungssituation sehr kompliziert. Und die Idee, privat hinzufahren, hat sich auch wieder zerschlagen."
Im Oktober letzten Jahres kam dann eine neue Idee auf: „Ich traf einen Bekannten, der für die Skifirma Elan tätig ist. Er sagte mir, dass Elan ein Haus in Whistler mieten würde und ich dort hin kommen könnte. Allerdings sagte er gleich dazu, dass er nichts im Bezug auf eine Akkreditierung machen könnte." Jessica Schick fand die Vorstellung, bei Olympia live dabei sein zu können, so toll, dass sie sich eine neue Möglichkeit suchte: Im Internet fand sie Informationen über das Volunteer-Programm.
„Ich habe das Formular, das im Netz stand, ausgefüllt. Das war gut verständlich. Nach einem Monat erhielt ich dann eine E-Mail, in der ich mehr über mich erzählen sollte und auch erklären sollte, warum ich mich beworben habe und welche Kenntnisse ich sonst noch hätte." So wollten die Veranstalter herausfinden, für welche Position sich die 27-Jährige eignet.
Bei Jessica Schick war der ganze Bewerbungsablauf verkürzt. Während andere Wochen und Monate oder gar vergeblich warten mussten, ehe sie etwas von den Veranstaltern hörten, ging es bei ihr recht schnell: Es gab kein Interview, kein Telefongespräch, sie musste sich auch nicht persönlich vorstellen. „Am Ende des letzten Jahres erhielt ich dann per E-Mail das Angebot für die Volunteerstelle. Über eine Plattform im Internet musste ich dann bestätigen, dass ich mit der Position zufrieden bin, die mir zugewiesen wurde." Außerdem musste die Nordrhein-Westfälin eine Security Form ausfüllen, wo persönliche Daten wie Wohnort oder Reisepassnummer gefordert wurden.
Als feststand, dass sie nach Kanada reisen würde, sprach die 27-Jährige, die als Verwaltungswirtin in der Stadtverwaltung Hattingen arbeitet, mit ihrem Abteilungsleiter und ihren Kolleginnen. „Sie haben sich für mich gefreut und es war auch kein Problem, spontan Urlaub für diese Zeit zu bekommen." Für die Zeit in Vancouver geht ein Teil ihres Jahresurlaubs drauf.
In ihrem Urlaub wird Jessica Schick Fotografen und Journalisten betreuen. Als Photo Assistant wird sie im Medienzentrum von Whistler eingesetzt. „Manchmal darf ich auch mit zu den Siegerehrungen. Ich werde dann dafür sorgen, dass die Journalisten sich wohlfühlen und ihre Arbeit problemlos ausüben können."
Die Kosten für das Abenteuer Olympia in Kanada muss die Vollzeitbeschäftigte selbst tragen. Das Flugticket hat sie schon. Aber das Angebot des Bekannten, mit in das Haus von Elan, das in der Nähe von Whistler liegt, zu ziehen, hat sie angenommen. „Über Aussehen und Ausstattung von dem Haus weiß ich noch nichts. Aber ansonsten werde ich noch Taschengeld dabei haben und mit die eine oder andere Eintrittskarte kaufen."
Jessica Schick freut sich auf das Gesamtpaket Olympia: „Leute aus verschiedenen Nationen, etwas von dem Olympischen Geist aufzufassen, neue Erfahrungen sammeln und viele Leute treffen. Einfach etwas erleben, was einmalig ist." Aber natürlich freue sie sich auch auf den Sport: „Es ist ja nicht so wie bei einem normalen Weltcup." Außerdem hofft sie, einiges von der Landschaft zu sehen. Sie ist zwar nur vom 8. bis zum 26. Februar vor Ort, will die freien Tage aber für Sightseeing nutzen.
Die 27-Jährige ist einfach gespannt, was sie in Kanada erwartet. „Hört sich doof an, aber ich stelle mir das wie im Film „Cool Runnings" vor. Ein bisschen kitschig, aber dennoch euphorisch." Sie geht davon aus, dass Dinge passieren werden, die einfach ein Bauchkribbeln auslösen und Situationen, in denen man sich selbst kneifen muss, um zu merken, dass man tatsächlich vor Ort ist.
Außerdem hofft sie, viele neue Leute kennenzulernen. „Und natürlich bin ich gespannt, wie es ist, zweieinhalb Wochen nur Englisch zu reden." Ansonsten hofft sie einfach auf eine „schöne Zeit, dass alles sicher und friedlich abläuft und faire Wettkämpfe stattfinden."
Sportbegeistert ist Jessica Schick schon ihr ganzes Leben lang. „Seit ich klein bin, schaue ich Skispringen und später kam auch das Interesse für andere Disziplinen dazu, sei es Alpin oder Curling." Sie selbst würde gern öfter Skifahren, aber von Nordrhein-Westfalen bis in die Berge ist es doch ein "Stückchen".
Bei Olympia freut sie sich vor allem auf die nordischen Disziplinen, insbesondere Skispringen. „Ich kann gar nicht so genau sagen, warum. Früher war ich oft mit meiner Familie in Oberstdorf und ich fand den Sport einfach faszinierend und bin bis heute dabei geblieben." Gerade durch ihre Arbeit und die Präsenz an den Schanzen hat sie bereits zu einigen Teams Kontakt geknüpft. „Man ist dann auch immer wieder gern dabei, um diese Leute wiederzutreffen." Jessica Schick ist regelmäßig an den Schanzen, da sie für die Website des slowenischen Skiverbandes (www.sloski.sl) berichtet. „Bei den Wettkämpfen bin ich als eine Art Presse Attache vor Ort und mache Fotos, Videos und Interviews. Diese Arbeit macht mir sehr viel Spaß und es ist natürlich noch einmal eine andere Sichtweise als ein Fan sie hat."
Aber nicht nur den Sport schätzt sie, sondern das Reisen allgemein: „Ich mag es, aus dem Büroalltag herauszukommen. Es ist für mich das perfekte Gegenstück zu meinem Job, daher möchte ich es gern weitermachen." Jetzt steht die große Reise an. Und wen sie besonders anfeuert, weiß sie auch schon. „Natürlich drücke ich den Slowenen die Daumen, aber auch den Tschechen, da mein Opa Tscheche ist. Ich fände es toll, wenn diese Nationen gut abschneiden würden. Und so ein kleines bisschen Nationalstolz ist natürlich auch nicht verkehrt, daher hoffe ich auch, dass die Deutschen gute Leistungen bringen."
(Text: Miriam Keilbach)
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