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Politik / Europa 20.04.10

Das Mutterland der Mafia

Text: Ronja Heintzsch

tt_back_viewEin Überblick der organisierten Kriminalität in Italien
In Deutschland vergleichsweise wenig präsent, erfreut sich die Mafia in Italien großer Popularität und Zuwachs. Mittlerweile sind die Sizilianer bekannt für bewaffnete Raubüberfälle, Erpressungen und ein weltweites Netz an Verbindungen zu anderen Mafiosi. Doch was steckt eigentlich hinter der „Mafia", die wir meist nur aus Hollywood-Filmen kennen?


Die fünf Buchstaben von „Mafia" haben ursprünglich eigentlich zwei Bedeutungen:
Erste Variante: „Morte Alla Francia, Italia Anela", was übersetzt heißt „Den Tod Frankreichs ersehnt sich Italien".
Zweite Variante: „Mazzini Autorizza Furti Incenti Avvelenamenti", was übersetzt heißt „Mazzini befiehlt Raub, Brandstiftung und Giftmorde".
Auf diesen beiden Sätzen basiert untrüglich der „Sinn und Zweck", aus dem die Mafia im 19. Jahrhundert gegründet wurde. In Italien ist primär die „Cosa Nostra" Einflussnehmer über die Region, es agieren jedoch noch weitere Gruppen wie die „Sacra corona unita" (übersetzt: Heilige vereinte Krone) in Apulien, die kalabrische „´Ndrangheta" oder nepalesische Familienclans rund um Neapel und die Region Kampanien.

Vorgehensweise der Mafia
Die italienische organisierte Kriminalität operiert vorwiegend aus Familien heraus. Bei jenen Familien handelt es sich jedoch nicht zwingend um richtige Verwandte, es herrscht lediglich eine strenge Hierarchie vor, die Frauen übrigens vollständig ausschließt. Eine Mafiafamilie besteht in der Regel aus einem Oberhaupt, dessen Anweisungen Folge zu leisten ist. In einigen Fällen unterliegen alle Oberhäupter noch einem sogenannten Oberboss. Indem sie sich über Spendengelder oder Abgeordnete in die Politik einschleusen, gelangt die Mafia in Italien zu einem noch größeren Einfluss. Gerade von den Politikern, die aus den Reihen der Mafia kommen, geht eine große demokratische Gefahr aus.
Denn die Wertevorstellung der Mafia ist vollkommen entgegengesetzt angelegt, wozu die Ablehnung der staatlichen Ordnung gehört. Einzig und allein die Familie aus Mafiosi zählt. Als positives Schaffen der Mafia kann man wiederrum die Bekämpfung Kleinkrimineller sehen. Zuhälter und Triebtäter sind in Mafiakreisen geächtet und werden deshalb oft mit Mord bestraft.

Aufnahme in die Mafia
Wer sich ein Mafioso nennen will, hat nicht gerade einen einfachen Weg zu gehen, bevor er offiziell aufgenommen wird. Bei der „Cosa Nostra" gilt es zunächst durch Kooptation gewählt zu werden. Anschließend wird das werdende Mitglied samt Familie auf nicht gern gesehene Berufe wie Staatsanwalt oder Zuhälter geprüft, bevor es sich durch eine schwere Straftat als Mafioso zu qualifizieren hat. Als „Pentiti" werden ehemalige Mafiosi bezeichnet, die sich zu ihren Taten bekannten.

Cosa Nostra
Als bekannteste und wohl auch größte Mafia-Organisation gilt die „Cosa Nostra" (übersetzt: „unsere Sache). Sie ist zum größten Teil in Palermo und dem westlichen Teil Siziliens vertreten. Mitgliederzahlen der einzelnen, streng konservativen Familien variieren von zehn bis 200 Angehörigen. Cosa Nostra bindet seine Mitglieder vor allem durch Prestige an sich, als Gegenleistung haben meist junge Anhänger Morde auszuführen. Zentral ist jedoch nach wie vor die Schutzgelderpressung durch die Familien in ihren Schaffensgebieten. Zudem macht die Cosa Nostra Einnahmen durch Schmugglerei, Entführungen, illegalen Waffen- und Drogenhandel, die laut staatlicher Antimafia rund 100 Milliarden Euro betragen dürften.

Camorra
Bei den Camorristi, die sich heute als „ ‘O sistema" bezeichnen, handelt es sich vorwiegend um Clans rund um Neapel, die in der Europäischen Union durch Produktpiraterie, Drogenhandel und erpresste Großaufträge Geld erbeuten.

Ndrangheta
Mächtigste Organisation Europas ist die aus Kalabrien stammende „Ndrangheta", die rund 44 Milliarden Euro im Jahr durch kriminelle Machenschaften verdient. Sie agiert in Europa, Nord- und Südamerika, sowie Australien.

Sacra Corona Unita
Die „Sacra Corona Unita" aus Apulien mit Hauptsitzen in den Provinzen Bari und Brindisi zählt rund 1561 Mitglieder in 47 Clans. Im Gegensatz zur „Cosa Nostra", die sich stark von der Prostitution distanziert, werden beispielsweise Albanerinnen von der „Sacra Corona Unita" oft zur Prostitution gezwungen. Die äußerst brutale und gewalttätige Organisation unterhält gute Verbindungen zu Kolumbien und Albanien, zum Beispiel in Hinsicht auf den Drogenhandel im Adriatischen Meer.

Trotz mehrerer internationaler und nationaler Behörden, die sich um die Eindämmung der Mafia kümmern, gelingt es den Organisationen immer wieder, sich elegant aus der Affäre zu ziehen. Nicht zuletzt, weil Staatsanwälte, die in Prozessen gegen die Mafia mitwirken, Polizisten, Politiker und Unternehmer oft kaltblütig und brutal ausgeschaltet werden, sollten sie sich zu sehr in die Geschäfte der Mafia einmischen.


(Text: Ronja Heintzsch)

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