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Gesellschaft / Brennpunkte 19.11.08

Krankheit macht vor Ruhm nicht Halt

Text: Miriam Keilbach

hannawald2.jpgNicht nur Winehouse und Spears: Viele Prominente leiden unter psychischen Krankheiten
Was haben Sänger Chris Watrin (US5), Fußballcoach Ottmar Hitzfeld, Topmodel-Coach Bruce Darnell, Sportler Sven Hannawald und Schauspielerin Christiane Klimt („Alles was zählt") gemeinsam? Sie alle sind oder waren psychisch krank. Aber anders als die meisten Menschen nutzen sie die Öffentlichkeit, um anderen Betroffenen zu zeigen, dass man trotz dieser Krankheit etwas im Leben erreichen kann.
Viele Patienten verkriechen sich mit ihrer Krankheit, um nicht als verrückt abgestempelt zu werden. Doch diese fünf Promis haben jedenfalls Teile ihrer Krankheit publik gemacht. Manch einer freiwillig, wie Darnell, andere, weil sie ihr abruptes Karriereende oder die plötzliche Job-Pause rechtfertigen mussten.

Erst kürzlich äußerte sich Laufstegtrainer Bruce Darnell in der Johannes B. Kerner-Show über seine Krankheit. Er ließ sich nicht rechtzeitig helfen, als er ausgebrannt war und raste mit 220 Stundenkilometern in eine Baustelle. Nach dem Selbstmordversuch habe er aber wieder neuen Mut gefasst, so sagte er.

Ganz so weit kam es bei anderen nicht. Chris Watrin, Ex-Mitglied der deutsch-amerikanischen Boyband US5 - offiziell gerade einmal 20 Jahre alt - trennte sich mit sofortiger Wirkung von seiner Band und verschwand seither aus der Öffentlichkeit. Er ist damit der jüngste bestätigte prominente Burnout-Patient. Bei Sängerin LaFee, gerade einmal 17 Jahre alt, wurde in den Medien über eine derartige Krankheit spekuliert, doch offizielle Bekanntmachungen gab es nie.

Christiane Klimt, besser bekannt als Jennifer Steinkamp in der RTL-Erfolgsserie „Alles was zählt", wurde in der Soap von heute auf morgen ausgetauscht. Das Burnout-Syndrom wurde am Anfang noch von ihrem Management dementiert, trotzdem waren die Anzeichen eindeutig. 13 Stunden am Set, der Druck, der auf den Schultern der Schauspielerin lastete. Offenbar wurde ihr alles zuviel, sie zog sich auf einen Reiterhof zurück, abgeschottet von der Öffentlichkeit und kam zur Ruhe. Zur RTL-Soap wird sie nicht zurückkehren, bald will sie aber an neuen Projekten arbeiten.

So einfach hatte es der ehemalige Skispringer Sven Hannawald damals noch nicht, als er sich im April 2004 als erster prominenter Burnout-Patient outete. Bis dato war die Krankheit vor allem als Manager-Krankheit bekannt. Doch auch der Profisport machte nicht halt: Training, Interviews, Reisen um die Welt, von Japan nach Europa und die USA innerhalb von wenigen Tagen, dazu der Erfolgsdruck nach seinem immer noch einmaligen Sieg der Vier-Schanzen-Tournee 2001, als er als bisher einziger Skispringer alle vier Springen  gewann - irgendwann streikten Körper und Seele. Er ließ sich in einer Spezialklinik behandeln und beendete nach erfolgreicher Therapie seine aktive sportliche Karriere.

Auch Erfolgstrainer Ottmar Hitzfeld litt bereits 2004 am Burnout-Syndrom. Damals verließ er den FC Bayern München völlig ausgebrannt. Dann kam das Angebot, die deutsche Nationalmannschaft zur Weltmeisterschaft 2006, der Sommermärchen-WM, zu führen. Doch er musste ablehnen, weil ihm die Motivation zum Weitermachen fehlte, obwohl es sein großer Traum war. Bis Anfang 2007 zog er sich in die Schweiz zurück, regenerierte und holte sich neue Lebensfreude und neue Kraft, um in diesem Jahr sein Amt als Schweizer Nationaltrainer anzutreten.

Oft sind es die ruhigen, von denen man wenig mitbekommt. Die, die sich aus der Öffentlichkeit fernhalten und sich nicht bewusst in den Vordergrund spielen. Leute, die ihre Krankheit so lange verbergen können, bis sie selbst merken, dass sie Hilfe benötigen. Es sind ohne Frage auch psychische Krankheiten, die Britney Spears, Pete Doherty und Amy Winehouse haben. Denn eine zeitlang sahen wir täglich Fotos der Prominenten, wie sie kaputt am Boden lagen, Drogen nahmen oder Alkohol konsumierten. Es ist auch nicht ungewöhnlich, dass Hollywood-Stars zu Süchten neigen. Ob es Ben Affleck mit seiner Einweisung wegen Alkoholsucht war oder AkteX-Star David Duchovny, der sich wegen Sexsucht behandeln ließ, auffälligerweise zum Erscheinen seines neuen Films - scheinbar geht der Ruhm, der Druck und die Öffentlichkeit an keinem spurlos vorbei. Und vielleicht schafft es ja der ein oder andere Durchschnittsbürger aus den Schicksalen der Promis zu lernen und rechtzeitig zu erkennen, dass es nicht beschämend ist, sich Hilfe zu holen.

(Autorin und Foto: Miriam Keilbach)

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