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Gesellschaft / Brennpunkte 08.09.09

Wahr oder falsch? Original oder Manipulation?

Text: Robert Reiche

tt_back_viewKaum etwas kann heute so leicht gefälscht werden wie Fotos
Ob mit Pinsel, Tusche, Messer oder Photoshop: Fotofälschungen gibt es schon so lange wie es Fotografien gibt. Während das bloße Fotografieren im 19. Jahrhundert noch eine große Herausforderung war, kann heutzutage jeder mit seinem Computer Bilder manipulieren. Einige Fälschungen fallen nie auf, viele andere sind aber offensichtlich - und manche sind schlicht unfassbar.


Die Geschichte der professionellen Fotomanipulation beginnt Anfang des 20. Jahrhunderts. Das wichtigste Gebiet war hierbei die Politik, denn Machthaber nutzten Retusche und Nachbearbeitung von Fotografien gerne, um politische Gegner auszuschalten. Da die meisten Menschen damals glaubten, dass Fotos absolut wahrheitsgetreu seien, entstanden auch keine Zweifel an deren Glaubwürdigkeit.

In den 1930er Jahren kam es in der Sowjetunion zu den großen Stalinschen Säuberungen, denen viele Millionen Menschen zum Opfer fielen - darunter prominente politische Gegner wie etwa Leo Trotzki. Doch die Ermordung dieser Menschen war Stalin nicht genug. So kam es, dass auf Stalins Befehl sogar jegliche Verbindung zwischen ihm und seinen Opfern vernichtet werden sollte. Hierfür wurden Stalins Gegner einfach aus gemeinsamen Fotografien wegretuschiert. Nicht selten kam es auch vor, dass sogar Beweise für die Existenz der Opfer vernichtet wurden, um ihnen jegliche Beteiligung an der Geschichte zu verweigern und sie völlig auszulöschen.

Fotofälschungen können aber auch nur Inszenierungen sein. Und auch hier nimmt Stalins Sowjetunion wieder eine führende Rolle ein. Es handelt sich um das Foto der Soldaten, die nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges in Europa die Rote Fahne auf dem Berliner Reichstag hissen. Es ist ein Bild, das heute in jedem Geschichtsbuch zu finden ist und zur Ikone des Sieges über das Dritte Reich wurde. Doch hiervon gibt es nicht nur „das eine" Foto, sondern eine ganze Bildreihe, aufgenommen aus verschiedenen Kamerawinkeln und mit verschiedenen Personen.
Auf dem bekanntesten Foto, das bereits Tage nach der eigentlichen Aufnahme um die Welt ging, war jedoch von Beginn an ein unbeliebtes Detail zu erkennen. Einer der Soldaten auf dem Reichstag hatte deutlich sichtbar mehrere Uhren an seinem Handgelenk hängen. Diese wurden vor der Veröffentlichung mit einer Nadel weggekratzt, um so die offensichtliche Plünderung der Roten Armee in Berlin zu verdecken. Auch die späteren Versionen des Bildes wurden immer wieder manipuliert. So wurden zum Beispiel noch dunkle Rauchwolken oder eine dramatisch wehende Flagge ins Bild gezeichnet, um es epischer wirken zu lassen.

Mit der Entwicklung von Computern und dem digitalen Zeitalter wurde es zunehmend einfacher, Fotos und Bilder zu manipulieren. Doch einfach heißt nicht, dass jedes Bild auch glaubhaft oder auch nur realistisch ist.

Im November 1997 wurden bei einem Terroranschlag im ägyptischen Luxor 58 Menschen getötet. Ein Bild der Tempelanlage ging um die Welt, auf dem der gesamte Platz vor der Anlage von einer riesigen Blutlache bedeckt war. Doch auch dies war nur eine Manipulation. Die Schweizer Zeitung „Blick" nahm als Grundlage ein Bild der Anlage, auf dem eine Wasserlache vom Tempel weg floss - und gab dem Wasser daraufhin einen blutroten Schimmer.
In diesem Stil sind in der n der heutigen Zeit Foto- und Bildmanipulationen allgegenwärtig. Ob auf Zeitschriftencovern, Werbefotos oder im Internet: Bildfälschungen sind Teil der heutigen Zeit. Dadurch dass sich heutzutage jeder Photoshop oder Gimp besorgen und damit Bilder willkürlich bearbeiten kann, wird die Glaubwürdigkeit in jedes einzelne Foto stark auf die Probe gestellt. Denn oft sind Manipulationen so hervorragend gemacht, dass sie erst nach langwieriger Untersuchung entlarvt werden.

Nur Tage nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 ging ein Bild um die Welt. Darauf war ein Mann zu sehen, der kurz vor dem Einschlag des ersten Flugzeuges auf dem Dach des World Trade Centers fotografiert wird - mit dem anfliegenden Flugzeug auf dem Bild. Es wurde angenommen, dass das Bild in einer Kamera im Schutthaufen des World Trade Centers gefunden wurde. Doch die Wahrheit ist, dass es von eben dem Tourist auf dem Bild manipuliert wurde. Das Foto, das auch unter dem Namen „Tourist of Death" bekannt ist, hat heute viele Nachahmer gefunden und wurde seitdem in vielen anderen Kontexten nachgemacht - Photoshop sei Dank. Deshalb gilt: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.


Weiterführende Links:
http://www.cs.dartmouth.edu/farid/research/digitaltampering/
http://www.epochtimes.de/pics/2007/11/16/xxl/2007-11-16-xxl--20071116141256_Aegypten_Terror_Jahrestag_FRA502.jpg
http://www.touristofdeath.com/


(Text: Robert Reiche)

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