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Gesellschaft / Meinungen 16.06.10

Ein Präsident fürs Volk

Text: Anna Franz

tt_back_viewbackview-teaserDas alles - und noch viel mehr, würd ich machen, wenn ich König von Deutschland wär.
Was würdest du machen, wenn du Bundespräsident wärst? Das ist unsere back view-Umfrage. Und diesmal waren wir nicht auf der Straße unterwegs, sondern haben uns in der Redaktion selbst umgehört. Von Nachhilfe für die Regierung, Moralaposteln und der Ablehnung des Amtes. Timo, 23. Stellvertretender Ressortleiter Politik. Studiert Sozialtimowissenschaften mit Schwerpunkt Politikwissenschaft:

Wenn ich Bundespräsident wäre, würde ich einigen Regierungsmitgliedern Nachhilfe verordnen. Zum Beispiel in spätrömischer Geschichte. Außerdem würde ich die Damen und Herren auffordern, ihr Sparpaket deutlich nachzubessern, und zwar hinsichtlich der Durchführbarkeit und Sozialverträglichkeit.





robertRobert, 27. Ressortleiter Panorama. Magister Geschichte:

Wenn ich Bundespräsident wäre, würde ich mich schnellstmöglich um die Zukunft Deutschlands kümmern. Finanzieller Ausgleich und Gerechtigkeit, Chancengleichheit und Haushaltskonsolidierung wären die ersten Problemstellungen, die ich angehen würde. Darüber hinaus würde ich mir momentan auch noch Gedanken darüber machen, ob die jetzige Regierung so überhaupt noch tragbar für unser Land ist.





ericEric, 23. Ressort Weltenbummler und Netzwelt. Mediengestalter und Abendgymnasiast:

Generell würde ich als Bundespräsident ein Präsident für die Bürger sein, Druck auf die Regierung ausüben. Es kann nicht sein, dass der Mittelstand und die Unterschicht geschröpft werden, die Reichen jedoch in Ruhe gelassen werden und Manager Millionenbonuszahlungen erhalten können. Ich bin deswegen für die Einführung eines Mindestlohnes von 7,50 Euro oder des Bürgergeldes. Auch befürworte ich die Verabschiedung des Transaktionssteürgesetzes. Ich würde mich weigern, Gesetze zu unterschreiben, die die Überwachung der Bürger fördern.
Und wenn ich mich mal ganz weit aus dem Fenster lehne: Wie wäre es, wenn nach sagen wir 100 Tagen der Bundespräsident oder ein neues unabhängiges Organ überprüft, ob Wahlversprechen eingehalten werden und dann ggf. Neuwahlen veranlasst? Was gerade mit der Regierung abgeht, ist einfach nur noch lächerlich.




steffiSteffi, 30. Gesellschaft, Kultur, Sport. Studiert soziale Arbeit und Fachjournalismus:
Ich wüsste sofort, was ich als Kanzlerin, Nationaltrainerin oder Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank unternehmen würde. Aber als Bundespräsidentin? Ich glaube, ich würde das Amt nicht annehmen. Staatsgäste hofieren, Neujahrsansprachen halten, Tiefgaragen eröffnen, Gesetze (für die ich nicht einstehen möchte) mit meinem Namen unterzeichnen? Die „erste Frau im Staat" zu sein und trotzdem kaum Einfluss nehmen zu können: Nichts für mich!






miri2Miriam, 24. Stellvertretende Chefredakteurin, Ressortleiterin Sport und Weltenbummler. Volontärin beim Weser Kurier:
Ich glaube, ich wäre lieber Bildungsministerin oder Sozialministerin. Als Bundespräsident kann man wenig verändern. Aber ich würde versuchen, den Menschen Mut zu machen und ihnen zu zeigen, wie schön es in Deutschland ist. Aber auch der Regierung würde ich öfter offen meine Meinung sagen, dafür sollte ein Bundespräsident doch überparteilich sein. Aber Gesetze zu unterschreiben, hinter denen ich nicht stehe - schon deshalb könnte ich mir kaum vorstellen, Bundespräsident zu werden.







sebastianSebastian, 23. Ressort Kultur, Gesellschaft. Studiert evangelische Theologie:
Als Bundespräsident würde ich vor allem immer wieder ins Gedächtnis rufen, dass wir auf ziemlich hohem Niveau jammern. Mitten in unserem Land und in vielen anderen Ländern stehen Menschen ohne das Nötigste da, auch weil unsere Konsumwelt ihnen die Ressourcen abgräbt. Unser Denken ist immer sehr schnell vom Materiellen geprägt, aber es gibt auch außerhalb dessen Freiräume, wo Wachstum möglich ist, für das nicht gleich Bäume gefällt werden müssen oder ähnliches. Ein Bundespräsident könnte Akzente setzen, wenn er nicht pflichtgemäß überall wohlwollende Grußworte spricht, sondern auch mal bewusst auf so manche Auftritte verzichtet und stattdessen bei kleineren Initiativen vorbeischaut.





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(Umfrage: Anna Franz / Fotos: privat / Zeichnungen: Christina Koormann)

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