Gesellschaft / Meinungen 08.04.09
Text: Anna Franz

Lisa, studiert Bauingenieurwesen im 4. Semester in Münster, sieht das Medieninteresse:
„Ich bin selbst in keiner NGO aktiv und kenne auch niemanden, der sich dort engagiert. Von „Greenpeace" zum Beispiel habe ich natürlich schon gehört, da kommen ja dauernd Sachen im Fernsehen. Aber wo die überall Aktionen machen, weiß ich jetzt spontan nicht. Durch das Trara werden die Leute auf Missstände aufmerksam gemacht, aber ich glaube nicht, dass im Endeffekt dadurch wirklich etwas verändert wird. Schließlich müssen die Aktivisten ja doch irgendwann abziehen und das, was sie verhindern wollen, passiert dann doch. Wie man es besser machen könnte, weiß ich auch nicht. Selber aktiv bei einer NGO mitmischen will ich nicht, aber ich könnte mir vorstellen, später mal Geld an Greenpeace, Amnesty oder Ärzte ohne Grenzen zu spenden."
Daniel, Lehrer am Geschwister-Scholl Gymnasium Münster, hilft lieber direkt:
„Beim Begriff NGO denkt man immer zuerst an die „guten" Gruppen wie Greenpeace oder Amnesty International. Dabei vergisst man oft die andere Seite der nichtstaatlichen Organisationen. Von der Tabak-Lobby über den Fleischer-Verband bis hin zum Raucher-Club gibt es überall NGOs. Das ist den meisten Leuten nur nicht so bewusst. Und zu jeder NGO, die für etwas ist, gibt es auch eine Gruppe, die dagegen ist. Zum Beispiel stehen Organisationen, die sich für mehr Toleranz, Abtreibungen, Verhütung und Homosexualität einsetzen, natürlich im Kontrast zu kirchlichen nichtstaatlichen Verbänden wie etwa CARITAS. Ich persönlich bin zwar nicht aktiv und spende nichts an die großen Organisationen. Das liegt aber daran, dass ich nicht weiß, wo mein Geld landet. Stattdessen setze ich mich lieber konkret für etwas ein, zum Beispiel rette ich Tieren das Leben: Einmal habe ich mich als Jagdboykotteur zwischen Jäger und Wild gestellt. Auf Menschen durften die ja nicht schießen, und bis wir weg waren, konnten die Tiere flüchten. Das finde ich sinnvoller, als an so einen anonymen Apparat zu spenden. "
Josephine geht in die 12. Klasse vom Annette-Gymnasium Münster und sammelt Erfahrungen beim Roten Kreuz:
„In einer typischen NGO wie „Greenpeace" oder „AI" bin ich nicht aktiv, aber ich leite eine Jugendgruppe beim Deutschen Jugend-Rot-Kreuz. Die Kids sind zwischen 8 und 14 Jahre alt. Bald fahren wir nach Bulgarien zu einem Treffen und schauen uns mal an, wie die dort so arbeiten. Außerdem mache ich bei der realistischen Unfalldarstellung mit, da lernt man, wie man sich überzeugend schminkt. Das ist wichtig, etwa für Aktionen in der Öffentlichkeit. Wir haben uns mal eine Kopfwunde geschminkt, uns in eine Ecke in der Fußgängerzone gelegt und gewartet, was die Leute machen. Die meisten haben geschaut, sind stehen geblieben, haben drüber geredet. Aber fast keiner hat geholfen, das war schon krass. Die hatten echt Angst!"
Vera macht ein Ausbildung zur Floristin in Münster:
„Ich habe mal Landschaftsökologie studiert und da war fast jeder zweite bei „Greenpeace". Ich bin da durchaus interessiert, aber bis jetzt habe ich noch nie aktiv mitgemischt. Ich glaube, „Greenpeace" ist echt cool, ich bin sowieso schon Vegetarierin, und als Landschaftsökologin ist man schon ein bisschen „öko" drauf. Das klingt immer so negativ, aber ich finde das gar nicht schlecht. Ich glaube, es würde mir Spaß machen, für „Greenpeace" zu arbeiten. Man hört ja in den Nachrichten, dass Greenpeace umwelttechnisch viel Trara macht. Und zum Beispiel auch „Ärzte ohne Grenzen" viel Gutes tut. Und das ist auch richtig so! Es könnte natürlich immer mehr sein, nach oben gibt es keine Grenze, aber es kostet ja auch alles Geld."
Koen van Veldhuizen, Schüler in der 3. Klasse Highschool aus Arnheim (Niederlande), ist das alles egal:
„Eigentlich interessieren mich diese ganzen Organisationen nicht. Ich habe auch keine Ahnung, wer sich wirklich für sowas begeistern kann. NGOs helfen bestimmt, aber ich weiß absolut nichts darüber und wenn ich ehrlich bin, ist es mir auch ziemlich egal. Auch wenn's mit der Umwelt bergab geht - ich meine, wir werden sowieso irgendwann alle sterben, also was soll's."
Jennifer und Anna machen eine Ausbildung zur Fachfrau für Systemgastronomie im 1. Lehrjahr in Münster und sind genervt von Unterschriftensammlern:
„Wenn wir mehr Zeit hätten, würden wir schon bei einer Gruppe mitmachen - am liebsten bei „Greenpeace". Man sollte es natürlich nicht übertreiben und den Leuten damit auf die Nerven gehen. Ich finde es unnötig, Leute in der Stadt anzulabern und zu irgendwelchen Unterschriften zu überreden, das nervt nur und bringt bestimmt keine neuen Mitglieder. Es wäre auch nicht schlecht, etwas von diesem „Öko"-Image weg zu kommen. Vielleicht könnte man das Ganze verbessern, wenn man den Kids schon früh in der Schule die verschiedenen Organisationen vorstellt. Oder auch Geld sammelt mit Spendenläufen oder etwas Ähnlichem. So haben sie lange Zeit, sich zu überlegen, ob sie beitreten wollen oder nicht. Weil man jetzt ja eigentlich gar keine Ahnung hat und auch keinen Bock, sich auf der Straße vollquatschen zu lassen. Eigentlich schade, ich kenne wirklich niemanden, der irgendwo aktiv ist. Es sollten schon mehr Leute helfen."
(Text & Fotos: Anna Franz / Zeichnungen: Christina Koormann)
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