Gesellschaft / Meinungen 05.05.09
Text: Anna Franz

Umfrage zum Thema Kindersoldaten - in Bremen
Bis wann ist ein Soldat ein „Kindersoldat"? Die Studenten der Uni Bremen fanden ganz unterschiedliche Antworten. Mit der Tatsache, dass die deutsche Bundeswehr schon 17-jährige Bewerber akzeptiert, waren nicht alle einverstanden.
Martin studiert Elektrotechnik im achten Semester:
„Ich würde alle Soldaten unter 16 Jahren als „Kindersoldaten" bezeichnen - ganz spontan. Die Jüngeren sind zu leicht zu beeinflussen, man kann denen etwas vorschreiben und sie machen das, ohne nachzudenken. Jüngere Kinder lassen sich auch leichter unter Druck setzen und das finde ich nicht okay. Die sollten ihre Kindheit ausleben können, bevor sie sich Leichen anschauen müssen. Für staatliche Truppen, auch für die Bundeswehr in Deutschland, sollte keiner unter 18 eingestellt werden. Ich glaube, man braucht ein gewisses Alter, um zu verstehen, was man macht und worauf man vorbereitet wird. Als Kindersoldat schließt man sich vielleicht bewaffneten Gruppen an, weil man denkt, dass es cool ist, eine Waffe in der Hand zu halten, dabei hat man noch gar keine Ahnung, dass es um Menschenleben geht."
Nils studiert Politik im zweiten Semester:
„Kindersoldaten sind alle bis 20, finde ich. Oder 18. Dann ist man ja volljährig, also kein Kind mehr. Wenn man jünger ist, ist man nicht in der Lage, mündig zu entscheiden, ob man jetzt wirklich „Krieg spielen" will oder nicht. Ich halte generell wenig von Kriegsdienst, deshalb kann man das Alter gar nicht hoch genug ansetzen. 17-Jährige sind definitiv zu jung. Wenn ich mir überlege, wie ich in dem Alter drauf war, dann ist es ganz sicher falsch, so eine verantwortungsvolle - oder verantwortungslose - Aufgabe zu übernehmen. Alle, die Unter-18-Jährige zum Waffendienst zwingen, sollten bestraft werden.
Mit dem Begriff „Kindersoldaten" verbinde ich die afrikanischen Länder, die zur Unterstützung ihrer Guerilla-Verbände Kinder von feindlichen Bevölkerungsgruppen entführen und versuchen, sie zu Maschinen umzufunktionieren. Das macht es im Nachhinein natürlich schwer, aus Opfern und Tätern, also Kindersoldaten und ihren Opfern, eine gemeinsame Gesellschaft herauszubilden. Das Problem hört nicht damit auf, dass die Kinder Soldaten werden, sondern es zerstört auch die ganze Gesellschaft auf lange Sicht. Ich gehe davon aus, dass sich die wenigsten Kinder rekrutieren „lassen", sondern hauptsächlich entführt und gezwungen werden, oder dass Eltern aus finanziellen Gründen genötigt werden, ihre Kinder zu verkaufen. Vielleicht spielen auch Rachemotive eine Rolle. Wenn etwa die Familie oder Angehörige getötet werden, entwickeln gerade Kinder starke Rachegefühle, die sie dann vermeintlich ausleben können."
Caroline, Dozentin für Mathematik, hat 2002 ihr Diplom in Bremen gemacht:
„Mit Kindersoldaten kenne ich mich echt wenig aus. Die Grenze würde ich bei 18 Jahren ziehen, weil man darunter laut unserer Definition ja ein „Kind" ist. Ich denke, es geht nicht darum, ab welchem Alter man eine Waffe halten kann, sondern die Kinder müssen ja auch seelisch damit fertig werden, das ist das größte Problem. Außerdem ist es nicht richtig, Kinder solchen Gefahren auszusetzen!" (kein Foto)
Maren studiert Soziologie im vierten Semester:
„Ab 16 ist man kein richtiges Kind mehr, sondern Jugendlicher. Generell verbinde ich Kindersoldaten mit der Problematik, dass die Kinder danach traumatisiert sind und auch die Gefahr besteht, dass sie relativ früh sterben. Ich kann mir vorstellen, dass ein paar Kinder von den Heldenbildern begeistert sind und deshalb freiwillig zur Waffe greifen."
Martin studiert Informatik im zehnten Semester:
„Kindersoldat ist man von dem Alter an, in dem man mit einer Waffe schießen kann bis so 16, 17. Ich würde das an der geistigen Reife festmachen. Mit 16 oder 17 ist man für mich Jugendlicher und kein Kind mehr. Körperlich kann man dann auf jeden Fall kämpfen. Aber geistig? Man sollte sich Gedanken machen über das, was man tut. Leider wird darauf viel zu wenig Wert gelegt. Ich glaube, wirklich „reif" für den Krieg ist man erst mit 23 oder 24 Jahren. Aber in Afrika, wo es die meisten Kindersoldaten gibt, ist das Problem ja ein ganz anderes. Da schließen sich die Kinder wahrscheinlich den bewaffneten Gruppen an, um so etwas wie Ansehen zu bekommen. Oder, wenn ihre Familie gestorben ist, eine Art Ersatzfamilie zu bekommen. Ich kann mir auch vorstellen, dass die Versorgung in den Truppen vielleicht besser ist als auf dem Dorf und die Not so groß ist, dass die Kinder eigentlich keine andere Wahl haben." (kein Foto)
(Text und Fotos: Anna Franz / Zeichnungen: Christina Koormann)
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