back view Schrift

Gesellschaft / Menschen 11.08.09

Eine harte Beweisprobe: Schauspielschulen

Text: Hanna Zehschnetzler

tt_back_viewLiza Tzschirner und ihr Weg zur neuen Grace Kelly
Angefangen hat alles mit einem Workshop zu Schillers „Kabale und Liebe", den die damals 18-jährige Liza Tzschirner während ihres Abiturs beim städtischen Theater Bonn besuchte. Heute - vier Jahre später - studiert sie am Salzburger „Mozarteum" Schauspielerei. Doch bis dahin war es ein weiter Weg.


„Bei dem Workshop habe ich gleich gemerkt, wie viel Spaß ich am Theater, und vor allem am Schauspielern habe", erzählt Liza mit strahlenden Augen. Nicht einmal ein Jahr nach dem Workshop spielte sie ihre erste Rolle in dem Stück „Feuerzünder" des „integrativen Jugendclubs Bonn"; danach folgte ein Praktikum bei der Theaterpädagogik und gleich darauf die nächsten Rollen: in einer Bearbeitung von Myron Levoys „Der gelbe Vogel", einem Projekt zur Reichspogromnacht, oder in Igor Bauersimas „Norway Today", dem Pilotprojekt des noch heute sehr erfolgreichen Bonner Jugendclubs „Youngsters". Aufgrund des großen Erfolges des Zwei-Personen-Stückes „Norway Today" wurde die junge Künstlerin für ihre erste Rolle im Bonner Ensemble engagiert: Sie spielte die Rolle der Prinzessin in Hans Christian Andersens „Die kleine Meerjungfrau". Nur wenige Tage nach der Premiere dieses Kinderstücks fand sie sich bei den Proben von Arthur Millers Klassiker „Hexenjagd" wieder. Damals ahnte Liza noch nicht, dass ihr diese zahlreichen Erfahrungen am städtischen Theater Bonn später zum Verhängnis werden sollten.

Ihre erste Bewerbung schickte Liza Tzschirner an die Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch" in Berlin, die als eine der besten Schauspielschulen im deutschsprachigen Raum gilt. Dort wurde sie auch zu ihrem ersten Vorsprechen eingeladen. Sieben weitere Vorsprechen folgten, bis Liza schließlich nach ihrem neunten Vorsprechen in Salzburg einen Studienplatz erhielt. „Das ist gar nicht ungewöhnlich", erläutert Liza, „viele anstrebende Schauspieler haben 20 bis 30 Vorsprechen hinter sich, wenn sie endlich an einer Hochschule angenommen werden. Zwar gibt es auch hier und da ein Glückskind, das bereits beim ersten oder zweiten Vorsprechen genommen wird", fügt sie hinzu, „aber das ist eher die Ausnahme." Vergleichsweise sind neun Vorsprechen fast schon eine gute Rate in der Statistik. Die Bewerbungen bringen allerdings einen großen Zeit-, Kraftaufwand und auch finanziellen Aufwand mit sich.

„Wenn man aufgrund der Bewerbung zum Vorsprechen eingeladen wird - was sicherlich auch keine Selbstverständlichkeit ist - kostet die erste Auswahlrunde meist zwischen 15 und 40 Euro; dazu kommen noch die Fahrt-, Unterkunfts- und die Versorgungskosten für den Zeitraum, den das Vorsprechen in Anspruch nimmt." An dem Wiener „Max-Reinhardt-Seminar" zum Beispiel dauerten die mehreren Vorsprechrunden sogar eine Woche. „Es ist dann schon sehr frustrierend", so Liza, „wenn man trotz des großen Aufwands wieder eine Absage bekommt." Lizas häufigstes Problem war, dass man ihr laut Kritik der Prüfer die Erfahrung, die sie am Stadttheater gesammelt hatte, anmerkte. „Die meisten Schulen wollen unbeschriebene Blätter, damit sie die Studenten von Anfang an formen können", erklärt Liza.
Die junge Schauspielerin beklagt jedoch, dass die Tendenz bei vielen Vorsprechen immer häufiger in Richtung „Germany's Next Topmodel" geht. „Natürlich kann man das nicht verallgemeinern", so Liza, „jedoch wird heutzutage vielen Leuten ein falsches Bild von der Schauspielerei vermittelt. Viele junge Leute interessieren sich traurigerweise ausschließlich für den Film und glauben, es ginge darum, gut auszusehen, um dann schneller berühmt zu werden. Aufgrund des großen Erfolges der Filmbranche suchen auch viele Schauspielschulen nach Gesichtern, die sich gut in Filmen einsetzen lassen", fügt die junge Schauspielerin hinzu. „Das Interesse für das Theater, den Ort, wo das Schauspielern entstanden ist, sinkt dabei enorm." Dabei betont Liza, dass Talent und eine starke Persönlichkeit das Wichtigste für die Schauspielerei sind: „Es ist paradox zu glauben, dass einem ein gutes Aussehen bei der Vielzahl von Fähigkeiten, die man beherrschen muss, weiterhelfen kann. Beim Schauspielern geht es sehr um Körperkontrolle. Im Studium lernt man singen, tanzen, improvisieren, man macht Akrobatik, Stimmerziehung, Synchronisation und vieles mehr. Die Dozenten rühren in der Persönlichkeit der Studierenden - oft werden einem persönliche Defizite vorgehalten und man muss lernen, mit seinen eigenen Schwächen umzugehen. Von einem Baum bis zu der Liebe zu einer Frau muss man  in der Lage sein, alles realistisch darzustellen."

Man braucht also viel Engagement, viel Motivation und eine solide Persönlichkeit, um die meist zahlreichen Vorsprechen zu überstehen und um das Studium erfolgreich zu absolvieren. „Der größte Test ist es, überhaupt an einer Hochschule angenommen zu werden", so Liza. Gezweifelt hat die junge Schauspielerin an ihrem Traum aber nie: „Schauspielern ist zwar viel Arbeit, aber das Studium macht so viel Spaß, dass es kaum Arbeit genannt werden kann - und dafür haben sich die vielen Vorsprechen definitiv gelohnt", erzählt die junge Künstlerin fröhlich.


(Text: Hanna Zehschnetzler)

Kommentare

B
i
u
Quote
Code
List
List item
URL
Name *
E-Mail (für Bestätigungen & Antworten)
URL
Code   
ChronoComments by Joomla Professional Solutions
Kommentar abschicken
bleibt in kontakt mit back view

google-logo-plus-0fbe8f0119f4a902429a5991af5db563
meinvztwitter_

Titelthema Archiv

16. Mai 2012
noch offen
02. Mai 2012
18. April 2012
04. April 2012
21. März 2012
07. März 2012
22. Februar 2012
08. Februar 2012
25. Januar 2012
11. Januar2012
28. Dezember 2011
14. Dezember 2011
Das Jahr 2011
30. November 2011
16. November 2011
02. November 2011
Tag des Mannes
19. Oktober 2011
05. Oktober 2011
21. September 2011
07. September 2011
24. August 2011
10. August 2011
27. Juli 2011
13. Juli 2011
29. Juni 2011
15. Juni 2011
01. Juni 2011
18. Mai 2011

04. Mai 2011
Olympia 2018 in München

20. April 2011
Soziales Netzwerken

06. April 2011
Studierende und ihre Probleme

23. März 2011
Deutschland im Wahlfieber

09. März 2011
Müll dieser Welt

23. Februar 2011
Wir lieben, was ihr hasst!

09. Februar 2011
Arabische Welt in Aufruhr

26. Januar 2011
Hungersnot

12. Januar 2011
Die reformierte Bundeswehr

29. Dezember 2010
Jahresrückblick

15. Dezember 2010
Weihnachtsspecial

01. Dezember 2010
Sinn des Lebens

17. November 2010
Castortransporte

03. November 2010
Generation Praktikum

20. Oktober 2010
Stigmata der Jugend

06. Oktober 2010
Aufbruch ins Studium

22. September 2010
9 / 11

08. September 2010
200 Jahre Oktoberfest

25. August 2010
Armut

11. August 2010
Geschlechterrollen

28. Juli 2010
Dinge

14. Juli 2010
Rauchen

30. Juni 2010
Freizeitpark-Test

16. Juni 2010
Bundespräsidentenwahl

02. Juni 2010
Fußball-WM in Südafrika

19. Mai 2010
Raum & Identität

05. Mai 2010
Russland

21. April 2010
Organisierte Kriminalität

07. April 2010
Wandel des Klimas

24. März 2010
Krise unterm Kreuz?

10. März 2010
Liebe 2.0

24. Februar 2010
Junge Verlage

10. Februar 2010
Olympia in Vancouver

27. Januar 2010
Kinder dieser Welt

13. Januar 2010
Geheimbünde

30. Dezember 2009
Jahresrückblick

06. November 2009
Weihnachtsspecial

02. Dezember 2009
Über das Altwerden

08. November 2009
Krieg

04. November 2009
20 Jahre Mauerfall

21. Oktober 2009
Atomenergie

07. Oktober 2009
Mythos oder Wahrheit?

23. September 2009
Bundestagswahl 2009

09. September 2009
Fälschungen

26. August 2009
Soziales Deutschland?

12. August 2009
Stars von morgen

29. Juli 2009
Sieht so unsere Zukunft aus?

15. Juli 2009
40 Jahre Mondlandung

01. Juli 2009
Endstation Bildung

17. Juni 2009
Sexualität

03. Juni 2009
Europawahl

20. Mai 2009
60 Jahre Bundesrepublik

06. Mai 2009
Kindersoldaten

22. April 2009
Umweltverschmutzung

08. April 2009
Nichtregierungsorganisationen

25. März 2009
Ureinwohner dieser Welt

11. März 2009
Die Weltwunder

18. Februar 2009
Fastnacht

04. Februar 2009
Die Deutsche Bundeswehr

21. Januar 2009
Das Afrika der Gegenwart

31. Dezember 2008
Der große Jahresrückblick

17. Dezember 2008
Weihnachten in ...

03. Dezember 2008
AIDS

19. November 2008
Psychische Volkskrankheiten

05. November 2008
Präsidentschaftswahl USA

22. Oktober 2008
Politischer Extremismus

08. Oktober 2008
Jugend am Abgrund

24. September 2008
Social Networking

10. September 2008
Krisenregionen

27. August 2008
Organspende

13. August 2008
Erneuerbare Energien

30. Juli 2008
Olympia in Peking

16. Juli 2008
Die Pressefreiheit

02. Juli 2008
Der Tod

18. Juni 2008
Bachelor vs. Diplom

04. Juni 2008
Fußball-EM

21. Mai 2008
Homosexualität

07. Mai 2008
Folgen des NS-Regimes

23. April 2008
WWW wird 15

09. April 2008
Tibet

26. März 2008
Obdachlosigkeit

12. März 2008
US-Vorwahlen

27. Februar 2008
Unser Gehirn

13. Februar 2008
Die Sekte

15. Januar 2008
68er... und dann?

© 2007-2012 back view