Gesellschaft / Menschen 23.08.09
Text: Konrad Welzel
„Bis zum Jahr 2050 wird die Bevölkerung Deutschlands um rund sieben Millionen Menschen auf insgesamt 75 Millionen schrumpfen", so die Prognose des Statistischen Bundesamts. In Deutschland sind bereits seit einigen Jahrzehnten demographische Tendenzen zu erkennen. Drei Ursachen gelten dabei als Hauptgründe: die sinkende Geburtenrate, das zunehmende Durchschnittsalter und die Migration. Die demographische Entwicklung und der damit einhergehende strukturelle Wandel werden unsere Gesellschaft spürbar verändern. Der Druck auf unsere politischen und sozialen Strukturen wird extrem ansteigen. Denn zeichnete sich die vorindustrielle Gesellschaft noch durch eine ausgeglichene Geburten- und Sterberate aus, kamen mit der Modernisierung Fortschritte in der Medizin, Gesundheitsvorsorge, Hygiene und Unfallverhütung und sorgten für einen bis heute nicht stagnierenden Anstieg der Lebenserwartung.
Sinkende Geburtenrate
Noch nach dem Zweiten Weltkrieg stieg die Geburtenrate bis Mitte der sechziger Jahre rasant an. Seitdem ist diese Zahl allerdings eingebrochen. Heute verringert sich jede Generation um fast ein Drittel im Vergleich zur eigenen Elterngeneration. Auch die Rolle der Familie hat sich gewandelt. Noch vor wenigen Jahrzehnten übernahm die Familie Fürsorgeleistungen, für die heute der Staat aufkommen muss. Egal ob es um Erziehungs- oder Bildungsprobleme geht - immer häufiger sinkt der Zusammenhalt in der Familie und eine externe Lösung wird gesucht. Auch für ältere Menschen sichert der Staat durch das Rentensystem und die medizinischen Fortschritte mehr und mehr ein würdiges Leben.
Im Schnitt verdienen in Deutschland kinderlose Paare noch über ein Drittel mehr als eine Drei-Kopf-Familie. Dass die Geburtenrate sinkt ist deshalb keine Überraschung. Das „Kinder-Bekommen" muss also wieder attraktiver gestaltet werden. Zum Beispiel durch Kinderpflegegehälter, höhere Erziehungsgehälter oder durch eine Kürzung der Arbeitszeit bei voller Auszahlung.
Zunehmendes Durchschnittsalter
Auch die erhöhte Lebenserwartung ist ein wichtiger Aspekt bezüglich des demographischen Wandels. Gründe dafür sind: Fortschritte in der Medizin, Gesundheitsvorsorge, Hygiene und Unfallverhütung. Diese Entwicklungen haben zum Beispiel den Anteil des sogenannten „Erwerbspersonals" deutlich verschoben. 1871 waren 47 Prozent der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter (20-60 Jahre) und lediglich 8 Prozent im Rentenalter (über 60). Für das Jahr 2010 werden rund 55 Prozent im „erwerbsfähigen Alter" und gar 28 Prozent im Rentenalter sein.
Noch eindrucksvoller ist ein Blick auf die Lebenserwartung. 1871 lag diese bei Männern bei 36 und bei Frauen bei 38 Jahren. Heute ist die Lebenserwartung für Männer auf 75 und für Frauen auf 80 Jahre angestiegen.
Migration
Schließlich spielt auch die Migration eine nicht unerhebliche Rolle. Darunter versteht man den Wohnsitzwechsel von Menschen zwischen zwei Regionen - egal ob Aus- der Inland. Aus wirtschaftlicher Sicht, hatte die Zuwanderung für die Bundesrepublik überwiegen Vorteile und eine belebende Wirkung hatte. Problematisch wird dies erst, wenn Migranten nur unzureichende Deutschkenntnisse haben oder einen niederen Bildungsstand und Berufsqualifikationen haben. Denn diese Diskrepanzen können zu problematischen Reibungspunkten mit der inländischen Bevölkerung führen. Ohne Zuwanderung würde die Bevölkerungsgröße Deutschlands stetig sinken - ein Problem mit dem viele Industrieländer zu kämpfen haben. Andererseits kann eine kontrollierte Zuwanderungspolitik nur eine kurzfristige Lösung sein. Denn Kulturelle Konflikte, der Bevölkerungsschwund und die einhergehenden Probleme können damit nicht gelöst werden.
Sichere Zukunftsprognosen des demographischen Wandels sind generell schwer. Sicher ist allerdings, dass die erhöhte Lebenserwartung und die sinkende Geburtenrate noch zu größeren Problemen führen werden. Die insgesamt rückläufigen Bevölkerungszahlen können die bestehenden Sozialstrukturen auf Dauer nicht aufrecht erhalten.![]()
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