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Gesellschaft / Netzwelt 22.09.09

Meinungsschlacht auf den Flanierpfaden des Internets

Text: Kristin Heck

tt_back_viewWahlkampf 2009 im Netz - ein Überblick
Nur noch wenige Tage sind es bis zur Bundestagswahl. Wahlen, die darüber entscheiden, wer in den nächsten vier Jahren die Schicksale der Bundesrepublik lenkt. Ein erbitterter Wahlkampf ist das Ergebnis und in diesem Jahr ist das Internet zur Plattform für die Meinungsschlacht avanciert.

Kaum eine größere Straße lässt sich zurzeit befahren, kaum ein Weg in die Innenstadt gehen, ohne dass wir sie- bewusst oder unbewusst- wahrnehmen. Manchmal erstrecken sie sich meterhoch neben uns in den Himmel. Manchmal lächeln sie von Laternenpfählen auf uns herab - die Kandidaten von SPD, CDU und Co. Die Hauptstraßen des Webs, die Suchmaschinen, sind frei von jeglicher Werbung. Es scheint, als wäre das Internet auch in diesem fortgeschrittenen Zeitalter nicht das Medium, welches die Parteien für ihren Wahlkampf nutzen. Doch dieser Eindruck täuscht. Fern ab von den Hauptstraßen, auf den Flanierpfaden des Internets, auch Social Networks genannt, übertrumpfen sich die Parteien an manchen Tagen im Stundentakt.

kri screenPartei-Gezwitscher
Bestes Beispiel hierfür ist Twitter, das neue Lieblingsmedium aller Parteien, so scheint es. Ob die Partei DIE LINKE. oder die CDU - alle zwitschern sie munter. Wie sinnvoll diese Einträge teilweise sind, darf selbstverständlich angezweifelt werden. Allerdings zeigen sie mit ihnen eine gewisse Präsenz auf allen Pinnwänden derer, die sie verfolgen. Das muss man ihnen lassen.

Ob jeder der eine bestimmte Partei verfolgt mit so tiefen Einblicken und einem gratis Medienspiegel gerechnet hat?  Soviel aber nur von den „offiziellen und deutschlandweiten Profilen" der Parteien. Jede drittes Mitglied des Bundestags hat seinen eigenen Account und deren 140 Zeichen langen Kurzgeschichten erzählen unter anderem vom Mittagessen oder dem Familienausflug an den Main. Hat man in irgendeiner Wahl davor schon einmal so eine Volksnähe erlebt? Aber da hört es ja auch noch nicht auf, nein. Die Politiker verfolgen auch mich! Einige Parteien nutzen sogar das Medium Twitter in voller Bandbreite und schicken Mails an ihre „Verfolger" um sich für ihre Unterstützung zu bedanken. Ich werde also als potentieller Wähler nach Strich und Faden „gepampert". Aber will ich das?

Einem Wechselwähler ist Twitter definitiv nicht als Info-Quelle zu empfehlen. Er wird seine eigenen Einträge nach zwei Stunden nicht mehr auf der Pinnwand finden. Und die Nachrichten der einzelnen Parteien beleuchten meist eh nur ein und dasselbe Thema von verschiedenen Seiten. Wer allerdings schon weiß, wen er wählt oder nur noch zwischen zwei Parteien schwankt, kann interessante Einblicke ins Parteiinnere erhalten und sich häufig auch über seinen Direktkandidaten aus der Region informieren.

Politiker auf Augenhöhe mit Jungwähler
Andere Baustelle, dasselbe Bild: Die Politiker geben sich volksnah. Auch im sozialen Netzwerk studiVZ ist die „Wahlzentrale" angekommen. Deren Neuigkeiten können übrigens über Twitter verfolgt werden- wir sehen, es schließt sich der Kreis seit der Europawahl im vergangenen Frühjahr zu einer festen Einrichtung.  Hier erfahren wir,  wie viele Anhänger eine Partei in studi- und meinVZ haben, welche Politiker und Parteien Profile im VZ haben und einige Politiker stellen sich sogar unseren Fragen- nicht so Angela Merkel, wie wir durch unsere Startinet-wahkampf-studiseite vor wenigen Tagen erfahren haben und dann genötigt wurden unserer Kreuz zu machen, um dann Selbiger Druck zu machen. Und, haben wir alle schön gedrückt? Jetzt in der finalen Woche werden wir bei jedem Anmelden mit der spannenden Frage konfrontiert „Wen würdest du wählen, wenn heute Bundestagswahl wäre?" und die fast noch interessantere Sache sind die Resultate, denn keine Partei knackt die 25 Prozent. Und wie selbstverständlich pokert hier auch die Piratenpartei bei den fünf Großen mit, als wären sie alte Freunde. Wären die Abstimmungen im studiVZ und auch auf Twitter repräsentativ, so wäre die Partei zu den Wahlsiegern in diesem Jahr zu zählen. Ob die Piraten ein reines Internetphänomen darstellen wird sich am kommenden Sonntag herausstellen, nur soviel sei vorweggenommen: Die Lobby bei den jungen Internetnutzern ist groß und nicht zu unterschätzen.

Warum sind die VZ-Netzwerke aber so interessiert am aktuellen Wahlkampf?

Dirk Hensen, Sprecher der VZ-Netzwerke, bringt Licht ins Dunkel: „Die VZ-Gruppe ist stets bemüht, ihre Angebote auf die aktuellen Bedürfnisse der Nutzer abzustimmen. Anlässlich der Bundestagswahl in diesem Jahr lag dieses Format also nahe. Wir haben dazu eine ganz klare Strategie entwickelt. Bereits vor Monaten haben wir beschlossen, das Thema zu besetzen."

Ob sie mit dem Erfolg gerechnet haben?

Hensen sagt: „Wir sind sehr erfreut über das große Interesse der Nutzer an unserer „Wahlzentrale" und den Partei- und Politikerprofilen, aber auch über die regen Diskussionen über Umfrageergebnisse zu politischen Themen. Das zeigt, dass ein Großteil der jungen Menschen politisch sehr wohl interessiert ist."

Interaktives Wahlvergnügen
Und wer zu dem von Hensen genannten Großteil der jungen Menschen zählt, wird sich dann über kurz oder lang auch auf eine der diversen Parteiseiten verirren. Aber huch, wo sind denn die Lebensläufe und erschlagenden Wahlprogramme als PDF, wie sie vor vier Jahren noch allerorts auf den Internetseiten der Parteien zu finden waren? Antwort: Noch da. Aber im Jahr 2009 und im Zeitalter von Web 2.0. sind wir interaktiv. Man muss nicht mehr in eine Partei eintreten um ihren Wahlkampf zu unterstützen. Bei vielen Parteien gibt es verschiedene Gadgets und Spiele, ja ganze Seiten um die favorisierte Partei bei ihrer Arbeit unter die Arme zu greifen. Zwei Beispiele sind hier das „Team Deutschland" der CDU oder „Meine Kampagne"  der GRÜNEN. Wer sich dort engagieren will, wird von einem Wahlhelfer seiner Region angeschrieben und eingewiesen.

Gute Zukunft, Schlechte Zukunft
Und wer sich lieber beflackern lässt als selbst aktiv zu werden, der bekommt die volle Dröhnung mit der Wahl-Soap „Zeit der Entscheidung", die wir unter anderem in den VZ-Netzwerken oder bild.de empfangen können. Mit dem Disclaimer „Achtung. Die nachfolgend dargestellten Handlungen sind nicht frei erfunden. Eventuelle Übereinstimmungen und Ähnlichkeiten mit zukünftigen Schicksalen ergeben sich aus den offiziellen Wahlprogrammen und Statements der im Bundestag vertretenden Parteien", werden wir als Zuschauer vor dem vermeintlichen Blick in die Zukunft gewarnt.

Das Programm im Internet ist für einen Wähler also vielfältig, teilweise sogar erschlagend und nicht immer parteineutral. Bei den Online-Auftritten der großen Tages- und Wochenzeitungen bleibt man übrigens von Wahlwerbung weitestgehend verschont - nur eine große Tageszeitung hat an diversen Stellen die Banners einer bestimmten Partei prangen.


(Text: Kristin Heck / Fotos: Screenshots Twitter Profil: Kristin_Heck /studiVZ)

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