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Politik / International 20.04.10

Die mafiösen Geschäfte Amerikas

Text: Ronja Heintzsch

tt_back_viewÜber die organisierte Kriminalität in den Vereinigten Staaten
Wem ist der „Staatsfeind Nr. 1" Al Capone nicht bekannt, dessen Name in den 1920er und 30er Jahren unweigerlich mit Geldwäsche und Kriminalität verbunden war. Und was ist eigentlich die „Pizza Connection"? Ein Blick auf die kriminellen Organisationen in Amerika liefert Antworten.


La Cosa Nostra
Von italienischen Immigranten um 1870 nach Amerika gebracht, etablierte sich der Ableger der sizilianischen Mafia bald im New Yorker Untergrund. Im Gegensatz zu Italien gewann die amerikanische „La Cosa Nostra" nie einen maßgeblichen Einfluss auf die Politik und stand dem Staat nicht in derselben Anti-Haltung gegenüber wie sein italienisches Vorbild. Die Hierarchie unter den Mitgliedern lässt sich jedoch mit der der „Cosa Nostra" in Sizilien vergleichen. An oberster Stelle fungiert der Boss, der eine „Familie"  kontrolliert und sich mit Beratern, so genannten Consiglieres, kurzschließt. Er erteilt dem „Underboss" (auch genannt: acting boss, street boss) die Befugnis, vor Ort Kommandos auszusprechen, die dann vom Capo oder Captain umgesetzt werden. Einfache Mitglieder haben verschiedene Bezeichnungen wie zum Beispiel „Man of Honour", „A Friend of Us" oder „Goodfella".
Die amerikanische „La Cosa Nostra" hat sich zunächst vor allem im Bauwesen und der Müllentsorgung einen Namen gemacht. Seit Ende der 1990er Jahre verlagerte sich das Tätigkeitsfeld in den Vereinigten Staaten allerdings auf Telefonsex oder Kreditkartenbetrug. Zuletzt sorgte die Organisation im Februar 2008 für Schlagzeilen. In einer gemeinsamen Aktion der amerikanischen und italienischen Behörden wurde damals John „Jackie Nose" D`Amico gefasst. D`Amico war damals ein großer "Fisch" für die Mafiafahnder  Er galt als ein gefürchteter Cap im Netzwerk der Kredithaie und des Glücksspiels. Ihm werden Mord, Erpressung, Drogenhandel und Kreditwucher vorgeworfen.

Pizza Connection
Anfang 1960 schmuggelte die amerikanische „Cosa Nostra" sizilianische Kriminelle ins Land, die in Pizzerien ihr Geld verdienen sollten. Von außen hin erschienen jene Pizzerien harmlos und machten über Jahre hinweg keinen negativen Eindruck in der Öffentlichkeit, da sie keinerlei illegaler Machenschaften nachgingen. Dann jedoch wurde allmählich neben den Zutaten aus Italien auch Heroin exportiert, mit dem die Pizzerien lukrative Einnahmen machten und Geldwäscherei betrieben. Es bot sich eine ideale Fassade und die sizilianische „Cosa Nostra" verdiente damit mehrere Millionen Dollar im Jahr. Die „Pizza Connection" beschreibt also einen Drogenring in den USA, der zuletzt mit John D`Amico erfolglos widerbelebt werden sollte.

Chicago Outfit
Die Organisation „Chicago Outfit" agiert neben der „La Cosa Nostra" von Las Vegas bis in Florida hinein und ist besonders für sein Mitglied Al Capone bekannt, das jahrelang den Clan kontrollierte und durch illegales Glücksspiel und Prostitution sein Geld verdiente. Die Vereinigung steht also insgesamt für eine US-amerikanische Riege der Mafia in Chicago.

Mara Salvatrucha
„Mara Salvatrucha" ist der Überbegriff für mehrere amerikanische Banden, deren Anhänger aus Lateinamerika und El Salvador stammen. Zwischen 50 000 und 100 000 Aktive zählt die sogenannte MS-13, oder auch kurz Mara, inzwischen. Die Mitglieder sind zwischen sieben und 30 Jahren alt, meist männlich, tragen eine Tätowierung der Buchstaben „MS" oder der Zahl „13", um sich von ihren Rivalen, insbesondere der Mara-18 abzugrenzen. „Mara Salvatrucha" gilt als aggressiv und gewaltbereit und ist für seinen Waffenhandel, Prostitution sowie Drogen- und Menschenhandel berüchtigt. Maßnahmen - präventiv oder zur Reintegration angelegt - sind von staatlicher Seite aus selten. Die USA schiebt straffällige ausländische Bandenmitglieder bereits bei kleinsten kriminellen Auffälligkeiten schlicht ab.

Mexican Mafia
Schätzungsweise 30 000 feste Mitglieder zählt die „Mexican Mafia" heute, die innerhalb amerikanischer Gefängnisse sowie auf der Straße vor allem in Südkalifornien und Texas agiert und mit Drogen handelt. Wer sich zu der Gang zählen möchte, muss vier grundlegende Regeln befolgen: Niemals die Polizei über etwas informieren, er darf nicht homosexuell sein, niemals Angst zeigen und andere Mitglieder nie respektlos behandeln. Zudem müssen mindestens drei Vollmitglieder der Aufnahme zustimmen.


(Text: Ronja Heintzsch)

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