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Gesellschaft / Meinungen 03.12.08

back view vor Ort: Thema AIDS

Text: Anna Franz

Studenten sagen uns ihre Meinung
Back view war für euch wieder in den Unis unterwegs und hat nach euerer Meinung zum Thema AIDS gefragt. Während sich manch einer überhaupt keine Gedanken dazu macht, fühlen sich andere dagegen gut informiert und in Deutschland relativ sicher vor AIDS.

jeannine.jpgJeannine, Uni Münster, allgemeine Sprachwissenschaft im 8. Semester, ist froh über gute Hygiene in Deutschland:

„Natürlich weiß ich, dass es AIDS nicht nur in Afrika gibt. Ich fühle mich aber nicht bedroht, weil hier die Hygiene-Voraussetzungen sehr gut sind. Die Gefahr, sich etwa im Krankenhaus durch verschmutzte Kanülen anzustecken, schätze ich als sehr gering ein. Ich bin zwar tätowiert, habe aber auch bei der Auswahl des Studios viel Wert auf Sauberkeit gelegt. Wenn der Tätowierer seine Nadel nicht aus einer sterilen Folie ausgepackt hätte, wäre ich sofort wieder raus gegangen! Meinem Freund vertraue ich total. Selbst wenn er fremdgehen würde, erwarte und hoffe ich, dass er ein Kondom benutzt. Ich kenne keinen HIV-Positiven oder AIDS-Kranken. Ich finde es auch wichtig, zu unterscheiden, ob jemand nun das Virus in sich trägt oder tatsächlich schon krank ist. Viele schmeißen das immer noch in einen Topf. Überhaupt gibt es in der Gesellschaft noch viel zu viele Vorurteile. Klar geht sie aufgeklärter mit AIDS um als noch in den Achtzigern, aber das Bild der „Schwulenkrankheit" steckt doch noch tief in vielen Köpfen drin."


eva.jpgEva, Uni Marburg, Kunst, Medien und Musik im 1. Semester, hat sich noch nicht wirklich Gedanken gemacht:

„Ich habe mir über AIDS in Europa eigentlich noch nie so richtig Gedanken gemacht. Ich habe die Krankheit immer eher auf andere Kontinente bezogen, weil da der Prozentsatz der Kranken viel höher ist als jetzt etwa in Deutschland. Aber in der Schule gab es mal einen Workshop zum Thema AIDS. Da kam die Frage auf: Wenn ein AIDS-Kranker aus einem Glas trinkt und es dir dann anbietet, würdest du daraus trinken? Obwohl ich selbst weiß, dass AIDS nicht durch Speichel übertragen wird, musste ich lange überlegen. Fast alle aus der Gruppe hätten gezögert, das Glas anzunehmen. Es könnte ja doch sein, dass der Kranke Zahnfleischbluten hat und ich eine Wunde im Mund, von der ich noch gar nichts gemerkt habe, und dass so das Virus übertragen wird. Es wäre nicht wahrscheinlich, aber möglich, und dieser Gedanke ist dann immer im Hinterkopf. Ich glaube, jeder würde einen AIDS-Kranken erstmal wie ein rohes Ei behandeln. Nicht, um den Kranken zu schützen, sondern aus Eigennutz. Man könnte sich ja anstecken."

greta.jpgGreta, Uni Marburg, Psychologie im 1. Semester, fühlt sich gut informiert:

„Wir haben schon früh in der Schule über AIDS gesprochen, das finde ich auch sehr wichtig. Man darf nicht zu lange zögern, sondern sollte die Leute möglichst früh informieren. Ich weiß zwar, dass AIDS auch in Deutschland kein Randgruppenphänomen ist, Angst habe ich aber überhaupt keine. Wenn ich kein Risiko eingehe und jede Woche mit jemand anderem schlafe oder so, kann ich mich ja auch nicht anstecken."


maximilian.jpgMax, Uni Marburg, Jura im 11. Semester, hat Angst vor AIDS:

„Ich habe eine Schweine-Angst vor AIDS, wenn man mal etwas darüber nachdenkt. Die meisten Leute sagen, „Ach, AIDS, das gibt's ja nur in Afrika, ich stecke mich schon nicht an", aber das stimmt nicht! Ich habe mich zwar nicht testen lassen und weiß auch nicht, wo ich mich hätte anstecken können. Aber die Angst ist doch immer da. Das kann so schnell passieren, es muss nur mal einen ganz dummen Zufall geben, und schon hat man das Virus. Wenn man nur mal an den Messerstecher vor dem Brandenburger Tor denkt: Da bekommt man ein Messer in den Bauch gerammt - das ist doch schon blöd genug! - und dann erfährt man, dass das Messer vorher in einem AIDS-Kranken gesteckt hat! Das ist doch Wahnsinn! Eigentlich weiß ich auch viel zu wenig über die Krankheit. Klar, damals in der Schule haben wir irgendwann mal darüber geredet, aber das ist schon viel zu lange her."


johanna_bildgre_ndern.jpgJohanna, TiHo Hannover, Tiermedizin im 1. Semester, findet, dass viele Leute sich zu wenig Gedanken machen:

„AIDS ist eine verdammt gefährliche Krankheit, über die sich viele Leute einfach zu wenig Gedanken machen. Wir sollten uns klarer darüber werden, dass es jeder kriegen kann! Ich denke in Deutschland ist das Thema bei vielen verpönt und wird nicht ernst genug genommen. Meine Eltern haben zum Glück viel mit mir darüber geredet, also bin ich recht gut informiert."


(Autorin und Fotos: Anna Franz)

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