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Weltenbummler / Norden 17.12.08

Von Männern in Frauenkleidern und armen Schotten

Text: Sina Mühling

christmasdinnerscotland_bildgre_ndern.jpgWeihnachten in Großbritannien
In Großbritannien erinnert das Fest der Liebe auf den ersten Blick an amerikanische Traditionen. Am Morgen des 25. Dezembers rennen die Kinder gespannt in die Wohnstube und reißen ihre Geschenke auf und natürlich gibt es Truthahn. Doch im Gegensatz zu den Yanks, wie sie gerne auf der Insel bezeichnet werden, geht es in Großbritannien noch etwas verrückter zu.
Die Briten finden es höchst amüsant in der Vorweihnachtszeit ihre Kinder zu packen und ins Theater zu gehen, um sich ein so genanntes pantomime anzusehen, was natürlich vor Allem für die Kleinen ein Spaß ist. Man darf dieses Theaterstück nicht mit Pantomime verwechseln, es wird gesprochen, gesungen, viel gelacht und auch das Publikum wird mit einbezogen. Ursprünglich aus Italien und bekannt als Commedia dell'arte schwappte diese Form des Theaters Anfang des 18. Jahrhunderts auf die britische Insel und breitete sich schnell aus.
Es gibt viele verschiedene Stücke; meist werden bekannte Kindergeschichten verwendet, wie Aladdin, Schneewittchen, Peter Pan oder Cinderella und dann in die berühmte pantomime-Form umgewandelt: Es gibt immer einen männlichen Hauptcharakter, der normalerweise von einer Frau gespielt wird, sowie natürlich eine weibliche Hauptrolle, die es zu erbobern gilt. Eine Besonderheit ist die Dame - nun wiederum von einem Mann dargestellt - die oft die Mutter des Helden ist und sich für unsterblich schön und wichtig hält, aber genau das Gegenteil ist, und daher für viele Lacher sorgt. Natürlich gibt es auch den Bösewicht (betritt die Bühne immer von links), den es zu bekämpfen gilt, und die gute Fee (kommt immer von rechts), die dem Helden mit Rat und Tat zur Seite steht. Am Ende ist der Bösewicht tot oder wurde zum Guten bekehrt.
Das Besondere aber ist, dass es viele Zwischenszenen mit Tänzen und Liedern gibt, damit die Charaktere sich umziehen können, oder auch viele Effekte, wie durch die Luft schwebende Schauspieler und Konfettikanonen. Witzige Sprüche und Slapstick Comedy dürfen natürlich auch nicht fehlen. Die Stücke sind vor Allem lokal angehaucht, man muss also den regionalen Dialekt und das Dorf oder die Stadt gut kennen, um jeden Witz oder Wink zu verstehen. Die Aufführung lebt allerdings vor Allem von den Publikumsrufen, vom „Buh", wenn der Bösewicht die Bühne betritt über Meinungsäußerungen, wenn Charaktere Entscheidungen zu fällen haben („Mach das nicht!") bis zu Warnungen, wie „Er ist hinter dir!". Ein sehr spezielle Tradition, nicht gerade geliebt von den Briten, aber trotzdem unausweichlich - vor Allem für junge Familien.

Leckere Speisen gehören dazu
Der Weihnachtsbaum wird schon Ende November aufgestellt und beschmückt. Traditionell wird am 24. Dezember nichts Besonderes gemacht. In einigen Familien ist es Brauch am Abend für Father Christmas ein Glas Milch und Kekse, sowie Wasser und Mohrrüben für die Rentiere hinzustellen. Am nächsten Tag gibt es am Morgen natürlich die Geschenke im traditionellen Weihnachtssocken, sofern das Geschenk in den Strumpf passt. Am frühen Nachmittag wird im engeren Familienkreis das Weihnachtsessen mit gefülltem Truthahn, gerösteten Kartoffeln und allerlei Gemüse, wie Rosenkohl, eingenommen. Eine Besonderheit bei dem Menü sind Würstchen im Speckmantel, die niemals fehlen dürfen. Genannt werden sie chipolatas oder auch umgangssprachlich pigs in blankets. Zum Nachtisch gibt es den vielen bekannten Plumpudding oder auch Christmas pudding genannt. Dies ist eine recht unübersichtliche dunkle Masse bestehend aus getrockneten Früchten, Nüssen, Talg, Rohrzucker und Sirup und ist vielleicht nicht jedermann's Sache. Etwas Ähnliches sind Mince Pies, nicht zu verwechseln mit den gleichnamigen Hackfleischpasteten. Dies ist Teiggebäck mit einer Füllung ähnlich wie die des Christmas pudding's und erfreut sich bei den Briten äußerster Beliebtheit. Der Christmas Cracker darf natürlich auch nicht fehlen. Man muss mit seinem Tischnachbarn an beiden Enden ziehen, dabei gibt es einen Knall. Im Inneren befindet sich ein kleine Überraschung und ein witziger Spruch. Beispiel gefällig? What ist he wettest animal? Reindeer. Oft ist es Brauch, dass man das so genannte Christmas dinner während der traditionellen Ansprache der Queen um 3 Uhr einnimmt. Natürlich fließt danach ordentlich Alkohol, so wie man es von den Briten gewohnt ist. Am 26. Dezember ist Boxing Day. An diesem Tag werden Familie und Freunde besucht und im Großen und Ganzen wird die Prozedur vom Vortag wiederholt, nur diesmal ohne die Geschenke.

Schottische Traditionen
In Schottland ist der 25. Dezember überraschenderweise erst seit 1958 ein Feiertag. Es wurde zwar auch schon vorher Weihnachten gefeiert, allerdings mussten die Schotten ganz normal zur Arbeit gehen. Dies ist auf das Jahr 1583 zurückzuführen, als Schottlands presbyterianische Kirche Weihnachten als katholische Tradition ansah und das Fest kurzerhand verbannte. Feierte man trotzdem Weihnachten wurden heftige Strafen auferlegt, weshalb das Fest erst sehr langsam wieder eingeführt wurde. Ein großer Durchbruch war die Heimkehr schottischer Soldaten nach dem Zweiten Weltkrieg. In den fremden Ländern, in denen sie stationiert waren, haben sie auch die Gebräuche der Einheimischen kennen gelernt und waren so begeistert, dass sie diese mit nach Hause brachten.Traditionell wird Weihnachten in Schottland immer noch nicht sehr groß gefeiert. Der weitaus beliebtere Feiertag ist Hogmanay, welcher genau mit Silvester zusammenfällt und ausgiebig gefeiert wird, und zwar so exzessiv, dass die Schotten auch den 2. Januar frei bekommen.

(Autorin und Foto: Sina Mühling)

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